Fit für den Umgang mit Hunden

Von: Margret Vallot
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Mit einem angeleinten Hund lä
Mit einem angeleinten Hund lässt sich gut üben. „Festus” reagiert, und Herrchen kann den Postboten das Verhalten erklären. Foto: Margret Vallot

Düren. Die Post sorgt sich um ihre Mitarbeiter, speziell um die Gesundheit der Zusteller. Und das nicht ohne Grund, denn wenn man sich die Geschichten anhört, die die Postboten erzählen können, wird einem Angst und Bange.

Diese Menschen geraten manchmal mit Hunden aneinander, die bei der Verteidigung ihrer Reviere keinen Spaß verstehen. Genau 20 Postboten und Postbotinnen mit derat schlimmen Erfahrungen konnten in Düren an einem Training teilnehmen.

Da ist zum Beispiel Sabrina Baumann. Die junge Frau war als Briefträgerin gerade zwei Wochen in Kreuzau in Amt und Würden, da wurde sie von einem Hund angefallen und gebissen. Mehrere Tage konnte sie nicht zur Arbeit gehen, der Hund wurde eingeschläfert. Kurios: Ihr Vorgänger war gut zehn Jahre mit demselben Hund bei seinen Rundgängen gut ausgekommen. „Ihm war nie etwas passiert”, erzählte Sabrina Baumann bei der Schulung.

Andere haben ähnliche Erfahrungen gemacht und erhielten nun Tipps. Zunächst im theoretischen Teil des Seminars, später ganz praktisch mit zwei Hunden.

Manche Hunde nehmen ihre Aufgabe als Wachhund sehr ernst, manche sind schon aggressiv, wenn ihr Herrchen etwas bekommt und sie nicht. Längst nicht alle Hunde wollen von Fremden gestreichelt werden und die allermeisten sind einfach nur neugierig. Hunde haben unterschiedliche Charaktere, erfuhren die Briefträger. Und auch, woran man erkennt, ob sie gleich zubeißen werden.

Weglaufen oder nicht? Leckerchen anbieten oder doch lieber nicht? Ignorieren oder mit dem Tier sprechen? All diese Fragen wurden in der Theorie erklärt und Situationen gedanklich durchgespielt. Denn, wie Postsprecher Dieter Pietruck, der eigens aus Düsseldorf angereist war, sagte: „Ob ein Mensch oder ein Hund einen unsere Zusteller überfällt, das werten wir gleich und nehmen es sehr ernst.” Mit „Festus”, einem zehn Jahre alten Greyhound, kamen jedenfalls später alle Seminarteilnehmer gut aus. Nicht jedoch mit dem zweiten Hund, den der ausgebildete Trainer, ein Polizist, mitgebracht hatte. Der sei durch Züchtung ständig übernervös, gereizt und habe dazu noch ein sehr geringes Schmerzempfinden. Ein wirklich gefährlicher Schäferhund, der selbst seinen Halter schon gebissen hatte, wie der Trainer erklärte.

Bei solchen Tieren gebe es nur eins: Schnell, schnell den Brief einwerfen und flott wieder weg. Als Laie wunderte man sich, dass solche Hunde überhaupt gehalten werden dürfen. „Das Seminar hat mir wirklich was gebracht”, freute sich später eine ältere Zustellerin. Sie habe viel gelernt über Hunde und wisse jetzt, „was ich falsch gemacht habe, als ich gebissen wurde”. Das Seminar wurde in Düren zum ersten Mal veranstaltet, erklärte Monika Koch, die als Abteilungsleiterin auch für die Gesundheit der Zusteller zuständig ist. Und obwohl es Landstriche in Deutschland gibt, wo Unfälle mit Hunden viel häufiger vorkommen als im Kreis Düren, wird das Seminar demnächst wiederholt.

Nach Schulungen sinkt die Anzahl der Unfälle

Hundebisse machen vier Prozent aller Arbeitsunfälle bei Postboten aus. 80.000 Zusteller tragen in ganz Deutschland Briefe und Päckchen aus, etwa 200 sind es im Kreis Düren. Das teilte Dieter Pietruck, Pressesprecher beim Gelben Riesen am Rande der Schulung mit.

Bei dem Seminar sollten die Briefträger lernen, die Körpersprache der Hunde zu verstehen und wie man die Tiere durch Worte und Gesten beruhigt. Insgesamt sind besonnene Maßnahmen einer überstürzten Flucht vorzuziehen, denn die weckt beim Hund erst recht den Jagdin-stinkt.

Im Großen und Ganzen sei jedoch das Problem weit weniger brisant, als in der Bevölkerung meistens angenommen werde, so Pietruck. Und: „Schulungen führen nachweislich dazu, dass die Zahl der Unfälle mit Hunden sinkt.”

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