Simonskall - Filmteam ist in Simonskall B. Traven auf der Spur

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Filmteam ist in Simonskall B. Traven auf der Spur

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Kameramann Jean-Max Bernard, Regisseur Xavier Villetard und Tontechnikerin Jolande Decarsin sind zur zeit in Simonskall bei der Arbeit und auf der Suche nach B. Traven.

Simonskall. Im Auftrag des Senders Arte ist der renommierte Regisseur Xavier Villetard aus Paris mit seinem Filmteam zu Dreharbeiten für eine Fernsehdokumentation über B. Traven nach Simonskall gereist.

B. Traven, der seine wahre Identität zeitlebens hinter zahllosen Pseudonymen verborgen hielt und das Rätsel seiner Herkunft mit ins Grab nahm, gilt noch immer als das größte literarische Geheimnis des vergangenen Jahrhunderts.

Auch gut 40 Jahre nach seinem Tod am 26. März 1969 in seinem Haus in Mexico-City ist noch immer ein Heer von Literaturwissenschaftlern und Journalisten damit befasst, den abenteuerlichen Lebensweg des weltberühmten Schriftstellers und legendären Revolutionärs zu erforschen.

Linksradikaler Revolutionär

Unter den apokalyptischen Eindrücken des Ersten Weltkriegs wandelte B. Traven sich vom Schauspieler und Regisseur zum linksradikalen Revolutionär. Mit der von ihm ab 1917 publizierten Zeitschrift „Der Ziegelbrenner” rebellierte er mit scharfer Dialektik gegen die überkommenen Macht- und Ordnungsstrukturen im Deutschen Reich und propagierte vehement das demokratische Rätesystem Gustav Landauers.

Auf der Flucht

Als er am 20. Februar 1920 in Begleitung seiner langjährigen Mitarbeiterin und Geliebten Irene Mermet an der Bahnstation Nideggen-Brück als „Ret Marut” Eifelboden betritt, wird er wohl zuerst einmal tief durchgeatmet haben, denn die Eifel war nach dem Ersten Weltkrieg von britischem Militär besetzt und damit für die Gerichtsbarkeit des Deutschen Reiches unzugänglich.

Ret Marut war auf der Flucht vor der Reichspolizei, die ihn wegen seiner maßgeblichen Mitwirkung im Presserat der Münchener Räteregierung von 1919 steckbrieflich verfolgte, um ihn seiner sicheren Hinrichtung zuzuführen. Von Nideggen-Brück aus machte sich Marut auf den gut zweistündigen Fußmarsch nach Simonskall zu seinem getreuen Freund und politischen Mitstreiter, dem Graphiker und Maler Franz Wilhelm Seiwert, der zu dieser Zeit der im Junkerhaus etablierten Künstlerkommune „Kalltalgemeinschaft” angehörte. Wie durch Erzählungen alter Simonskaller überliefert, hat er hier längere Zeit unter dem Namen Scholl in der heutigen Kremermühle gewohnt.

Über Brüssel, Antwerpen und London gelang ihm schließlich die Flucht ins Exil nach Mexiko, wo er mit neuer Identität als B. Traven schon bald zum weltberühmten Schriftsteller avancierte. Viele seiner sozialkritischen Romane wurden verfilmt, so beispielsweise „Der Schatz der Sierra Madre” mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle. Der Film wurde mit drei Oskars ausgezeichnet und füllte wochenlang die Kinosäle in ganz Amerika und Europa.

Weitere Details

Die noch bis Ende April im Junkerhaus gezeigte Dokumentation „Experiment Kalltalgemeinschaft- die Kölner Progressiven in Simonskall 1919 - 1921” beinhaltet weitere Details über den Aufenthalt von B. Traven alias Ret Marut in Simonskall. Öffnungszeiten: sonntags 12 bis 18 Uhr.
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