Figurentheater: „Besuch der alten Dame” im Franziskus-Gymnasium

Von: Anneliese Lauscher
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Richtige „Typen” beim Figurentheater „Besuch der alten Dame” im Franziskus-Gymnasium. Das Hohenloher Figurentheater gastierte wieder in Vossenack. Foto: Anneliese Lauscher

Vossenack. In der gut besetzten Aula des Franziskus-Gymnasiums hatte sich viel Publikum versammelt. Gespannte Aufmerksamkeit herrschte, als mit Musik und der Lärmkulisse eines vorbeifahrenden Zuges das Stück begann. Der Besuch der alten Dame” nach Friedrich Dürrenmatt wurde gegeben.

Richtige „Typen” waren ausgesucht worden: ein dickbauchiger wichtiger Bürgermeister, ein hagerer Pastor mit dünnem Stimmchen, ein wichtigtuerischer Polizist mit Gewehr und die aufgetakelte alte Dame. Und alle waren Puppen. Das Hohenloher Figurentheater gastierte wieder in Vossenack. Für das Dürrenmattstück hatten die Regisseure eine dunkle Bühne, allerhand einfache, aber sinnbildliche Requisiten gewählt und äußerst originelle Puppen.

Claire Zachanassian, die Hauptfigur des Abends, ist eine steinreiche Lady, die nach 45 Jahren in ihren Heimatort Güllen zurückkehrt. Es hat sich herumgesprochen, dass sie mitunter sehr spendabel ist, und so umschmeicheln die Bürger sie in der Hoffnung, ihren maroden Ort mit ihrer finanziellen Hilfe wieder auf die Beine bringen zu können.

Sie wandelt mit Alfred Ill, ihrer Jugendliebe, auf den Liebespfaden der Erinnerung und zeigt erst allmählich ihr wahres Gesicht: Sie ist gekommen, um eiskalte Rache zu nehmen an Alfred Ill, der sie damals schmählich verraten und verlassen hat. Sie bietet dem hoch verschuldeten Ort eine Milliarde, wenn ihr früherer Liebhaber getötet wird.

Wie die ehrbaren Bürger sich der Reihe nach als käuflich erweisen und die Situation für Alfred immer unheimlicher und bedrohlicher wird, das spielen die Puppen in überspitzter und grotesker Weise. Die unversöhnliche, rachsüchtige Alte hat alle im Griff, und der sonst so weise Lehrer spricht von der „Parodie der Gerechtigkeit”. Sogar Alfreds eigene Frau hat sich einen Pelz auf Pump gekauft und geht ins Kino, „Die Lustige Witwe” ansehen!

Begeisterter Applaus belohnte die Spieler, es waren zur Überraschung der Zuschauer nur zwei, die schließlich hinter der Bühne hervortraten: Johanna und Harald Sperlich, Meister ihres Fachs, die mit verblüffender Wandelbarkeit und viel Fingerspitzengefühl den handgeschnitzten Puppen Stimmen und Lebendigkeit gaben.

Die Aufführung war Teil der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen der Franziskus-Stiftung. So bedankte sich Pater Georg Scholles, der Vorsitzende der Stiftung, für diesen beeindruckenden Theaterabend. Eine so genannte Werkstattaufführung von einer Premiere kann man am 30. April im Kloster-Kultur-Keller erleben, dann wird „Harold and Maude” gegeben.
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