Düren - Felix Röhlich hat 23. Mai 1949 als 20-Jähriger miterlebt

Felix Röhlich hat 23. Mai 1949 als 20-Jähriger miterlebt

Von: Ingo Latotzki
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Die Aachener Nachrichten von 1949. Der Dürener Felix Röhlich sammelt alle wichtigen Ausgaben, bis heute. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Auf dem Tisch vor Felix Röhlich liegt jede Menge Geschichte. In Ordnern, fein säuberlich abgeheftet, erzählen Zeitungsseiten Notizen und Fotos von einer Zeit, die Röhlich, heute 80, an seine Jugend erinnert. Die Dokumente tragen ihn zurück, 60 Jahre genau. Es ist das Jahr 1949. Teile der Dürener City liegen noch in Schutt, in Hausfassaden sind große Löcher, wo einst vielleicht Fenster und Türen gewesen sind.

Der verheerende Bombenangriff von 1944 zeigt sein hässliches Gesicht.

Andere Teile der Innenstadt sind schon wieder aufgebaut, 1949. Es ist das Jahr, in dem der Kaufhof in Düren eröffnet, es ist aber auch und vor allem das Jahr, in dem das Grundgesetz in Kraft tritt.

Es war der 23. Mai 1949, auf den Tag vor 60 Jahren.

Felix Röhlich, ein politisch interessierter Mann, hat die örtlichen Zeitungen aus der Zeit gesammelt. So hält er es immer, wenn bedeutende, haften bleibende Ereignisse anstehen. Im Keller seines Hauses reiht sich Aktenordner an Aktenordner.

Auch der 23. Mai 1949 kommt vor; Röhlich selbst aber hat an den Tag keine besondere Erinnerung. „Es fehlte damals an ausführlicher Information”, sagt er. Viel mehr hätte damals die Bundestagswahl vom August im Fokus gestanden, die letztlich Konrad Adenauer zum ersten Kanzler der jungen Republik machte. Aber der 23. Mai? Das Grundgesetz? „Da war nicht viel”, sagt Röhlich.

Die beiden örtlichen Zeitungen (Aachener Nachrichten, Aachener Volkszeitung) berichten im überregionalen Teil, natürlich. Die DN, die damals noch nicht täglich erschien, wendet sich per Meldung einem Mann zu, der in Zerkall „Kameradendiebstahl begangen” hat. Düren 99 verliert 1:4 gegen Katernberg, auch das steht in den DN.

Kein Wort über das Grundgesetz.

„Es gab in Düren keine Feiern oder sonstige Veranstaltungen”, sagt Rathaus-Pressesprecher Helmut Göddertz. Heute wäre das womöglich anders, heute würden viele Städte und Gemeinden einen vergleichbaren Anlass mit entsprechenden Festivitäten begehen.

Dabei ist es nicht so, dass 1949 niemand ans Feiern dachte. „Wie junge Menschen so sind”, sagt Felix Röhlich, „wir haben immer geschaut, wo etwas los ist, wo man tanzen kann.” An der Schoellerstraße, dort, wo heute ein China-Restaurant ist, ging das. Ab und an trat Margot Eskens, später eine bekannte deutsche Schlagersängerin, beim Tanztee auf.

Felix Röhlich lacht. „Es war die Zeit des Aufatmens”, sagt er, „es gab wieder etwas zu Kaufen in den Geschäften, man konnte wieder etwas unternehmen”. Röhlich hat Preise von damals notiert, er greift einen Ordner und zieht ein Blatt heraus: Zigaretten gab es für zwei Mark, 500 Gramm Dauerwurst kosteten 3,60 Mark.

Das war Anfang der 50er, die Zeit, in der er in die SPD eintrat. Die Partei war gegen die gerade diskutierte „Wiederbewaffnung, gegen die Gründung der Bundeswehr, deshalb trat ich ein”. Und wieder lacht Röhlich. Eigentlich war er eher christdemokratisch geprägt, weil aber ein gewisser Hans Iven aus Düren zu seinen Arbeitskollegen zählte, kam es anders. Iven zog später in den Bundestag ein, Röhlich war Fraktions-Vorsitzender der SPD im Kreistag.

Heute macht er noch in der Dürener Geschichtswerkstatt mit, auch deshalb all die Ordner und Dokumente in seinem Keller, die die Erinnerung an die Historie wach halten - etwa an den 23. Mai 1949.
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