Düren - Fastenzeit: In der AG Südwind dreht sich alles um Schokolade

Fastenzeit: In der AG Südwind dreht sich alles um Schokolade

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:

Düren. Yasmin Tuncay (10), Julia Tendyra (11), Julia Snellers (11), Risana Prapakaran (11), Anna-Lena Schaub (10), Charin Bartels (11) und Viktoria Hermann (13) sind fröhliche junge Mädchen. Sie besuchen die Jahrgangsstufe 5 beziehungsweise 7 der St.-Angela-Schule in Düren und haben seit Aschermittwoch jede Woche eine Stunde länger Schule - freiwillig.

Und irgendwie hat das mit der Fastenzeit zu tun. Die Arbeitsgemeinschaft (AG) „Südwind”, zu der sich insgesamt neun Schülerinnen angemeldet haben, ist ein Angebot von Schulseelsorger Michael Kruse (44). Seit einigen Jahren gibt es mit dem Pastoralreferenten Kruse und dem Gemeindereferenten Rudolf Huertgen zwei Schulseelsorger für die weiterführenden Schulen in Düren, wobei Kruse seit dem Sommer schwerpunktmäßig an der St.-Angela-Schule arbeitet und Hürtgen an der Cornetzhofschule.

Zu den Aufgaben der Schulseelsorger gehören die Vorbereitung und Durchführung von Schulgottesdiensten und eben Arbeitsgemeinschaften. Sie führen aber auch viele Einzelgespräche mit den Schülern. Für den 19. März planen sie einen Jugendkreuzweg.

Blick über den Tellerrand

„Die Fastenzeit”, so Schulleiter Wolfgang Habrich, „ist an unserer Schule schon ein Thema.” In den vergangenen Jahren hat es „Frühschichten” in der Schulkapelle gegeben, wo sich Schülerinnen vor dem Unterricht zu einer gemeinsamen Meditation getroffen haben. „Die Resonanz hat immer mehr nachgelassen”, so Habrich. „Deswegen machen wir in diesem Jahr etwas anderes. ” Nämlich die AG „Südwind”.

Während der Fastenzeit dreht sich bei den jungen „Südwind”-Damen alles ums Thema Schokolade. Julia Snellers aus Schlich erklärt: „Wir wollen herausfinden, was fair gehandelte Schokolade ist. Die ist nämlich besser, weil die Kakaobauern in Afrika davon auch leben können.” Und Anna-Lena ergänzt: „Wenn die Kakoabauern zu wenig Geld für ihre Ernte bekommen, reicht es nicht zum Leben und das führt zu Kinderarbeit. Und das ist ganz schlimm.”

Klar, dass die Mädchen auch einmal ein Stückchen fair gehandelte Schokolade probiert haben. „Demnächst”, erzählt Julia Tendyra, „wollen wir dann auch faire Schokolade bei uns an der Schule in den Pausen verkaufen.

Der Erlös ist für unseren Arbeitskreis Soziale Aktionen.” Aber auch sonst ist die Fastenzeit für die sieben Schülerinnen ein Thema, fast alle haben sich vorgenommen, in den 40 Tagen zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag in irgendeiner Form zu verzichten. Yasmin will den Computer nur noch zum Englischlernen anschmeißen, Julia Snellers möchte weniger fernsehen und dafür ihrer Mutter häufiger im Haushalt helfen, Julia Tendyra hat sich vorgenommen, auf Nuss-Nougat-Creme zu verzichten und Anna-Lena möchte nicht so viele Süßigkeiten essen. „Ich finde das sehr wichtig”, sagt Julia Schnellers.

Sinnvoller Verzicht

„Wenn ich verzichte, denke ich immer an Menschen, die arm sind oder denen es nicht so gut geht wie mir. Durch das Verzichten kann ich mich besser in deren Lage versetzen.” Der Dürener Kinder- und Jugendpsyhologe Dr. Bodo Müller vom Birkesdorfer St.-Marien-Hospital hält es durchaus für sinnvoll, wenn auch schon kleinere Kinder in der Fastenzeit auf Dinge verzichten. „Natürlich können sie nicht auf Nahrung verzichten”, so Müller. „Das geht auf keinen Fall für Jungen und Mädchen unter zwölf Jahren. Das wird auch von allen Religionen so akzeptiert.”

Den Gebrauch von Handy, Flimmerkiste und Computer einzuschränken, sei, so Müller, dagegen durchaus sinnvoll. „Das kann ein wirkungsvoller Beitrag zur Suchtprävention sein.” Auch kann sich Müller vorstellen, dass übergewichtige Kinder die Fastenzeit zum Anlass nehmen, ihre Ernährung umzustellen. „Aber ich spreche nicht von Diäten. Die führen in nicht wenigen Fällen zu einer Essstörung.”

„Ein bisschen unangenehm ist es schon”, sagt Julia Snellers, „wenn ich kein Fernsehen gucke, weil ich mir das vorgenommen habe, und mein Bruder schon. Aber wenn ich es geschafft habe, ist das ein tolles Gefühl. Wahrscheinlich muss das ein bisschen weh tun.” Das „Weh tun” ist für Schulseelsorger und AG-Leiter Michael Kruese gar nicht so entscheidend.

„Wichtig ist doch, dass man durch den Verzicht entdecken kann, dass man ein freier Mensch ist. Man kann frei entscheiden, in der Fastenzeit kein Fernsehen zu gucken. Und genauso gut kann man danach aber entscheiden, einmal einen ganzen Tag zu schauen.”

Teilnahme am Jugendkreuzweg

Die Schulseelsorger Michael Kruse und Rudi Hürtgen bieten am Freitag, 19. März, um 17 Uhr in der Marienkirche einen Jugendkreuzweg mit dem Thema „Kreuz-Worte” an. Jugendgruppen sollen je eine Station des Kreuzweges vorbereiten, anlehnend an die sieben Worte Jesu am Kreuz. Wer mitmachen möchte, kann sich an Michael Kruse unter mailto:kruse@ schulseelsorge-dueren.de oder an Rudi Hürtgen unter huertgen@schulseelsorge-dueren.de wenden.
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