Düren - Experten streiten über den TV-Konsum von Schülern

Experten streiten über den TV-Konsum von Schülern

Von: kin
Letzte Aktualisierung:

Düren. Marc (Name geändert) sagt, dass er jeden Tag neun Stunden vor der Glotze hängt.

„Mindestens. Ich gucke alles. Actionfilme am liebsten, aber auch MTV und Galileo.” Marc geht auf eine Dürener Hauptschule. Seine Hausaufgaben mache er irgendwie nebenbei. Oder gar nicht. Aber größere Probleme in der Schule hätte er keine. Jedenfalls noch nicht.

So wie Marc geht es den meisten seiner Klassenkameraden. Zwar hängen nicht alle neun Stunden vor Fernseher und Computerspiele, alle haben aber beides in ihrem Zimmer. Aber welche Auswirkungen hat Medienkonsum auf die Leistungen der Kinder? Wie viel Fernsehen am Tag sollte erlaubt sein? Und sind Kinder, die viel vor dem Bildschirm hocken deswegen automatisch die schlechteren Schüler?

Pauschal mit Ja oder Nein will der Dürener Kinder- und Jugendpsychologe Dr. Bodo Müller, 42, Chefarzt am St.-Marienhospital, diese Fragen nicht beantworten. „Die Dosis macht das Gift”, sagt der Mediziner, „Vor dem vierten Lebensjahr ist Fernsehen für Kinder nicht gut. Danach ist es wichtig, dass die Kinder in Anwesenheit ihrer Eltern ausgewählte Sendungen gucken. Bis zum 15. Lebensjahr gehören weder Fernseher noch der Computer ins Kinderzimmer.”

Müller ist dagegen, die neuen Medien kategorisch für Kinder und Jugendliche abzulehnen. „Den Umgang damit müssen Kinder lernen. Damit werden sie überall konfrontiert.”

Müller: „Wer vor den Hausaufgaben Computer spielt, kann sich danach Dinge schlechter merken. Und auch vor dem Einschlafen sollten Kinder und Jugendliche möglichst nicht vor dem Computer sitzen. Wenn man das berücksichtigt, können Medien aber durchaus Vorteile bringen. ”

Dagegen sagt Jutta Erhardt, Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche: „Die Höhe des Medienkonsums von Kindern und Jugendlichen wirkt sich unmittelbar auf die schulischen Leistungen aus.” Und Hauptschullehrer Peter Erken wird sogar noch deutlicher: „Wer viel Fernsehen guckt, ist der schlechtere Schüler. Weil er gewohnt ist, alles in Häppchen von anderthalb Minuten präsentiert zu bekommen.”

Außerdem seien Übermüdung, Unkonzentriertheit und die Tatsache, dass viele wegen Fernsehen und Computer keine Zeit mehr für ihre Hausaufgaben hätten, die Folge des Medienkonsums.” Mit klaren Richtlinien, wie viele Stunden vor dem Bildschirm pro Tag in Ordnung sind, tun die Experten sich schwer. „Ich empfehle 15 Stunden in der Woche für Jugendliche”, so Jutta Erhardt. „Aber das muss man wirklich ganz individuell von Fall zu Fall entscheiden.”
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