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Ex-Nachbarn treffen sich vor Gericht

Von: mv
Letzte Aktualisierung:

Düren. Aussage stand gegen Aussage, als am Dienstag das Schöffengericht eine schwere Entscheidung zu treffen hatte.

Mit vernichtenden Vorwürfen traktierten sich Nachbarn, die sich jahrelang blendend verstanden hatten, gegenseitig. Was war passiert?

Im März vorigen Jahres, nach einem Kinderfest, sei die Nachbarin abends noch auf einen Kaffee in sein Haus gekommen, sagte der Angeklagte.

Der 45-jährige Familienvater war mit seinem Sohn in Düren allein zu Haus, seine Ehefrau war bei den Eltern im Ausland.

Nachdem er den Kleinen gegen 22 Uhr ins Bett gebracht hatte, habe er der Nachbarin die Füße und den Rücken massiert. Dabei sei die Nachbarin zudringlich geworden. Der Angeklagte will sie dann aus dem Haus geschickt haben.

Unter Tränen

Ganz anders und unter Tränen schilderte die Nachbarin (32), was sich vor anderthalb Jahren ereignet haben soll. Der Angeklagte habe von sich aus angefangen, sie zu massieren, habe sie schließlich überall angefasst und sich um ihre Äußerungen nicht gekümmert.

Sie habe ihm wieder und wieder zu verstehen gegeben, dass seine Annäherungsversuche nicht erwünscht seien, doch habe er sich „rechthaberisch und in Macho-Art” darüber hinweggesetzt.

Die Frau schilderte die Situation so, als sei sie vor Schreck ganz starr und passiv geworden. An viele Einzelheiten, nach denen sie der Richter fragen musste, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, konnte sie sich nicht mehr erinnern.

Sie sagte, sie habe sich vor lauter Angst nicht körperlich zur Wehr gesetzt, sei schließlich aus dem Haus gerannt. Zum Äußersten sei es aber nicht gekommen.

Eingeschüchtert und verstört

Erst Tage später hatte sie angefangen, ihrem Ehemann Stückchen für Stückchen von der Sache zu erzählen und dann langsam ihrer Mutter und ihren Freundinnen.

Sie musste in psychologische Behandlung, die Eheleute sind inzwischen umgezogen.

Der Ehemann und eine Freundin wurden als Zeugen vernommen. Sie berichteten, wie eingeschüchtert und gänzlich verstört die 32-Jährige Tage und Wochen nach dem Vorfall gewirkt habe. Eine andere Zeugin wurde noch vernommen, doch klarer wurde der Fall nicht.

Für den Staatsanwalt war klar, dass der Angeklagte lügt. Er habe sein Opfer gezwungen, sexuelle Handlungen zu erdulden. Zu einem Jahr und vier Monaten Haft auf Bewährung wollte er den Mann verdonnert sehen.

Der Rechtsanwalt des Angeklagten fragte, wieso die Frau nicht um 22 Uhr aufgestanden und weggegangen sei und plädierte auf Freispruch.

Das Gericht sah die Schuld des Angeklagten nicht 100-prozentig erwiesen. „Im Zweifel sind wir gehalten, den Angeklagten freizusprechen”, teilte Richter Hans-Georg Wingen mit.
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