Evivo: Reicht es noch für die Playoffs?

Von: Guido Jansen
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Routiniers wie (von links) Chr
Routiniers wie (von links) Christian Dünnes Stefan Hübner (links) und Ilja Wiederschein fehlen dem Evivo-Team derzeit an allen Ecken und Enden.

Düren. Der Manager spricht von einem Horrorszenario. Und genau das muss der Volleyball-Bundesligist Evivo Düren in den kommenden drei Spielen abwenden. Das besagte Szenario tritt ein, wenn Düren die Playoffs verpasst. Dann fehlen in einer sportlich und finanziell ohnehin schwierigen Saison wichtige Sponsoren-Prämien.

Um das zu verhindern, muss der Drittletzte Düren morgen um 16 Uhr beim Vorletzten EnBW TV Rottenburg gewinnen. Der Grund, dass es überhaupt zur schlechtesten Saison seit 13 Jahren kommen konnte, liegt nicht nur auf dem Spielfeld.

In leisen Untertönen hat die Evivo-Führungsetage verlautbaren lassen, dass Fehler beim Zusammenstellen der Mannschaft passiert sind. Für diese Fehler gilt ein alter Spruch: Im Nachhinein ist man immer schlauer.

Der große Fehler: Die Mannschaft ist zu unerfahren. Keiner der Spieler war bisher in seiner Karriere ein zentraler Leistungsträger. Jeder hat bisher von einem Volleyballer in den eigenen Reihen profitiert, zu dem er aufschauen konnte. Beispiel Matthias Böhme.

Der gehörte in seinen Jahren bei den Netzhoppers Königs Wusterhausen immer zu den besten Angreifern der Liga. Ein wichtiger Grund, warum „Matze” in der Angriffsstatistik so weit vorne war: Böhme konnte unbekümmert drauflos schmettern. Er hatte mit Manuel Riecke einen der besten Spielmacher der Liga neben sich, der ihm die Bälle auf den Punkt genau auflegte.

Auf hohem Niveau

Das ist in Düren nicht mehr der Fall. Hier verteilen der 21-jährige Merten Krüger und Tomas Kocian, der seine erste Bundesliga-Saison spielt, die Bälle. Beide erfüllen das wichtigste Kriterium für Spielmacher noch nicht. Die Besten ihres Faches in der Bundesliga haben bereits viele Jahre Erfahrung auf hohem Niveau hinter sich.

Ein Blick in die Fußball-Bundesliga bekräftigt dagegen den Spruch, dass es keine jungen und alten Spieler gibt, sondern nur gut und schlechte. Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach sind mit jungen Mannschaften äußerst erfolgreich.

Das Argument gilt im Volleyball nur bedingt, für Zuspieler gar nicht. Volleyball ist schneller und komplexer als Fußball. Ein Angriff mit drei Ballkontakten dauert drei Sekunden. Zeit, die Situation auszuloten, gibt es nicht.

Das Auge für den freien Mitspieler, wie im Fußball, gibt es im Volleyball nicht. Ein Spielmacher muss intuitiv in der Zehntelsekunde reagieren. Das ist in den meisten Fälle eine Sache von viel Arbeit und Erfahrung. Dürens junge Zuspieler sind fleißig und auf dem Weg dahin. Aber sie sind noch nicht angekommen.

Erfolg hängt an Namen

In der vergangenen Saison war Evivo am Ende erfolgreich, obwohl es mit Merten Krüger den jüngsten Passverteiler der Liga hatte. Der Erfolg ist an Namen geknüpft.

Am Ende war Stefan Hübner fit und verlieh der Mannschaft damit viel Sicherheit und Selbstvertrauen. Und Düren hatte Christian Dünnes. Der ist, wie kein anderer Angreifer in der Bundesliga, in der Lage, zu kompensieren.

Wenn der Spielaufbau nicht gut funktionierte, gab es immer noch Dünnes, der weiß, wie er auch einen schlecht vorbereiteten Angriff noch in einen Vorteil für seine Mannschaft verwandelt. Dieser kompensierende Faktor fehlt Evivo.

Jede Mannschaft braucht ein oder zwei Spieler, die dem Rest der Mannschaft Stabilität und Sicherheit vermitteln. Sei es, weil sie enorm beständig darin sind, die gegnerischen Aufschläge zu entschärfen.

Der Spielmacher profitiert davon, weil er dann keinen Notpass spielen muss, sondern alle Optionen hat. Ein routinierter Zuspieler kann Wackler im Spielaufbau mit der zweiten Ballberührung ausgleichen.

Und ein Angreifer wie Dünnes kompensiert mit dem dritten Kontakt, wenn zuvor nicht viel gepasst hat. Diese Fähigkeit des Kompensierens kommt bei Evivo zu kurz. Kein Mannschaftsteil ist in der Lage, Wackler wieder auszugleichen. Stattdessen werden die Probleme größer. Darüber ist Evivo in dieser Saison zu oft gestolpert.

Stefan Hübner hätte dieser kompensierende Faktor im Dürener Spiel sein sollen. Aber der ehemalige Weltklasse-Blocker hat sich im dritten Spiel verletzt und vor einem Monat seine Karriere beendet. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Saison mit dem 36-Jährigen besser gelaufen wäre, ist hoch.

Die Evivo-Führung ist das Risiko eingegangen und hat auf den verletzungsanfälligen Hübner als Fundament gesetzt. Es hätte funktionieren können.

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Ebenso leise wie das Eingeständnis einer unglücklichen Personalplanung war aus der Evivo-Führungsetage jetzt zu hören, dass die nächste Mannschaft mehr Routinie haben soll. Routine kostet Geld. Ein Teil dieses Geldes soll aus den Playoff-Prämien kommen. Darum geht es morgen in Rottenburg.
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