Düren - Erst Verkäuferin, dann Autorin

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Erst Verkäuferin, dann Autorin

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Mirjam Pressler (73) zählt zu den erfolgreichsten deutschen Kinderbuchautoren. In Düren hat sie Schülern des Stiftischen Gymnasiums aus ihren Büchern vorgelesen. Die Jugendlichen waren begeistert. Foto: S. Kinkel

Düren. In der Mensa des Stiftischen Gymnasiums hätte man die berühmte Stecknadel fallen hören können, so aufmerksam waren die Schülerinnen und Schüler der beiden achten Klassen bei der Lesung mit Mirjam Pressler. Mirjam Pressler ist 73 Jahre alt und zählt zu den erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchautoren Deutschland.

„Ihre Bücher“, erklärt Deutschlehrer Dr. Achim Jaeger, „sind auch regelmäßig Schullektüre.“ So wie das Buch „Nathan und seine Kinder“, aus dem Mirjam Pressler bei ihrem Besuch in Düren vorgelesen hat und das die Stift-Schüler bereits im Schulunterricht gelesen hatten. „Mit hat das Buch gefallen“, sagt Kathrin Rau. „Und ich finde es toll, dass wir Frau Pressler persönlich kennenlernen können.“ Das ist eine Erfahrung, die Dr. Jaeger oft macht. „Die Kinder genießen den Kontakt zu den Schriftstellern. Und das ist ja auch genau das, was wir mit unseren Lesungen erreichen wollen.“

Gerade in der heutigen Zeit, wo viele Kontakte doch rein virtuell seien, komme es immer mehr auf persönliche Treffen an. Mirjam Pressler sieht das ähnlich. „Das Buch hat eine enorme Konkurrenz durch andere Medien“, sagt sie. „Und das bedeutet ganz oft eine enorme Verflachung. Ich hoffe schon, dass ich durch meine Geschichten erreiche, dass Kinder und Jugendliche wieder mehr zum Buch greifen.

Und möglichst nicht nur zu Fantasy-Romanen.“ Normalerweise, ergänzt Mirjam Pressler dann noch, ließen junge Leute sich schon gerne vorlesen. „Damit kann man sie auch packen. Ich glaube aber nicht, dass gleich viele Fragen gestellt werden. Das liegt aber dann am Alter.“ Und genau in diesem Punkt hatte die Autorin sich mächtig getäuscht.

Die „Stiftler“ hatten jede Menge Fragen vorbereitet – und trauten sich auch, sie zu stellen. „Warum sind Sie eigentlich Schriftstellerin geworden“, wollte ein Mädchen wissen und hat Mirjam Pressler mit dieser Frage wirklich eine besondere Geschichte entlockt. Eigentlich hat Mirjam Pressler nämlich Kunst studiert. Sie wollte Malerin werden. Dann hat sie geheiratet, zwei Töchter bekommen. „Ich war ziemlich schnell wieder geschieden und musste Geld verdienen. Dazu habe ich einen Jeansladen eröffnet.“ Als ihr acht Jahre später der Mietvertrag gekündigt wurde, hat sie einen Halbtagsjob im Büro angenommen. Und angefangen, Bücher zu schreiben.

„Das Buch ‚Nathan und seine Kinder‘ habe ich geschrieben, weil meine Töchter in der Schule das Theaterstück ‚Nathan der Weise‘ lesen mussten. Und ich es schade fand, dass sie dieses tolle Stück als Gelaber bezeichnet haben. ‚Nathan der Weise‘ ist die Grundlage für mein Buch.“ Grundsätzlich, erklärte Mirjam Pressler den Schülern aber dann noch, sei die „beschädigte Kindheit und Jugend“ ihr Thema. „Kindheit war früher ganz anders als heute,“ sagt sie. „Allein schon durch den Krieg.“ Eigentlich, konterte Mirjam Pressler auf die Frage, wie sie die Themen für ihre Bücher finden würde, schreibe sie aber über das, was sie interessiere. „Ich hoffe einfach, dass das, was mich interessiert, auch andere Leute spannend finden. Und bis jetzt hat das ja auch geklappt.“

Übrigens wird es in diesem Jahr noch eine weitere Lesung am Stiftischen Gymnasium geben. Dann allerdings mit einem völlig anderen Schwerpunkt. Im November kommt Lyriker Bas Böttcher nach Düren – und wird mit den jungen Leuten über seine Gedichte diskutieren.

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