Erna Eckstein-Schlossmann: Ein Buch über das Leben der Medizinerin

Von: kin
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Dr. Lorenz Peter Johannsen au Düren hat soeben sein drittes Buch veröffentlicht. Foto: Sandra Kinkel

Düren. „Es war ein langer Weg“, sagt Dr. Lorenz Peter Johannsen, „vom stolzen Hitlerjungen in einem nationalsozialistisch geprägten Elternhaus bis hin zu einer völlig anderen Einstellung.“ Lorenz Peter Johannsen (79) ist diesen Weg gegangen.

Als 1988 zum ersten Mal ehemalige jüdische Mitbürger aus Israel zurück an die Rur gekommen sind, und er selbst mit diesen Menschen in Berührung gekommen ist, war das für den früheren Chefarzt der Dürener Kinderklinik eine Art Schlüsselerlebnis. Er hat angefangen, sich intensiv mit dem Schicksal von Juden auseinanderzusetzen. Gerade ist sein drittes Buch erschienen.

Nach der Biografie über den jüdischen Dürener Kinderarzt Dr. Karl Leven und einem Buch über jüdische Pädiater im Vorstand der Vereinigung rheinisch-westfälischen Kinderärzte hat Johannsen jetzt ein Buch mit Aufzeichnungen von Erna Eckstein-Schlossmann herausgegeben. „Eigentlich bin ich nirgendwo zu Hause“ heißt das 335 Seiten starke Werk. „Ich bin nur Herausgeber“, sagt Dr. Lorenz Peter Johannsen, „aber es war ein großer Irrtum, anzunehmen, dass das nicht so viel Arbeit ist. Es gibt in dem Buch sehr viele Anleitungen und Anmerkungen.“

Johannsen veröffentlicht in seinem Buch Tagebucheintragungen, Briefe und Vortragsaufzeichnungen von Erna Eckstein-Schlossmann, es gibt einen Tagebucheintrag von ihrem Ehemann Albert Eckstein. Insgesamt zeichnet Lorenz Peter Johannsen ein sehr authentisches Bild von Erna Eckstein-Schlossmann, die ebenfalls Kinderärztin war. Seine Quellen hat er unter anderem im Archiv der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und im Privatarchiv von Erna Ecksteins Sohn Peter im britischen Cambridge gefunden.

1895 geboren, war Erna Eckstein-Schlossmann christlich getauft, sie erfuhr erst spät von ihrer jüdischen Herkunft. 1925 hat sie ihren Ehemann Albert Eckstein geheiratet und mit ihm drei Kinder bekommen. 1935 ist die Familie nach Ankara in der Türkei ausgewandert. Johannsen: „Die Türkei war kein klassisches Immigrationsland, suchte aber nach westlichem Standard ausgebildete Wissenschaftler.“ Albert Eckstein hat in Ankara als Kinderarzt gearbeitet, die Familie hatte viele Freunde, war so etwas wie der gesellschaftliche Mittelpunkt der Stadt. Und so ist auch der Ausspruch von Erna Eckstein-Schlossmann zu erklären, die einmal gesagt haben soll, sie sei die Königin von Ankara.

Zurück nach Deutschland

1950 ist die Familie nach Deutschland zurückgekehrt, hier war Albert Eckstein Direktor der Universitätskinderklinik Hamburg-Eppendorf. Lorenz Peter Johannsen: „1959 ist er an einem allergischen Schock gestorben, und Erna Eckstein-Schlossmann ist zurück nach Ankara gegangen, wo sie als Verwaltungschefin in einem Krankenhaus gearbeitet hat.“ Wenn Dr. Lorenz Peter Johannsen über Erna Eckstein-Schlossmann und ihre Familie erzählt, ist es fast, so als würde er von Freunden erzählen. Dabei hat er seine Kollegin Eckstein.

Schlossmann, die erst mit 102 Jahren gestorben ist, nur einmal aus der Ferne bei einem Ärztekongress getroffen. Er hat sich aber bei den Recherchearbeiten zu seinem Buch mit Sohn Peter Eckstein angefreundet. Und bei seinen Forschungen hat er auch die Totenmaske von Albert Eckstein gefunden, die demnächst zurück an die Heinrich-Heine-Universität nach Düsseldorf gehen soll. „Es ist mit einfach wichtig“, so Johannsen, „die Spuren festzuhalten, bevor sie ganz verblassen. Und in die Zeit von damals einzutauchen, sie für die nachkommende Generation festzuhalten.“ Das ist Johannsen gelungen. Zwei Jahre hat er insgesamt an seinem Buch gearbeitet. Auch das ist ein langer Weg. Aber einer, den der Dürener gerne gegangen ist.

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