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„Erinnern und wach bleiben“: Nachdenklich machende Gedenkfeiern

Von: han
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Eine Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof in Drove, die nachdenklich und bedrückt machte. Hans Küpper enthüllte einen Gedenkstein und schilderte bewegt das Schicksal der Familie Schwarz-Treu. Der Sohn der Familie war sein Schulkamerad gewesen. Foto: Hannes Schmitz
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Eindrucksvoll schilderten Schüler der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege der LVR- Klinik das Leben von Marcel Reich-Ranicki und bezogen in bewegenden Szenen Stellung gegen die NPD-Ideologie. Foto: Hannes Schmitz

Drove/Düren. Gegenwart und Vergangenheit trafen am Samstagabend zusammen. Während in einigen Festsälen der Beginn der Karnevalszeit gefeiert wurde, trafen sich mehrere hundert Bürgerinnen und Bürger an verschiedenen Stelen im Dürener Stadtgebiet sowie an Gedenkstätten im Kreis, um an den Jahrestag der Reichspogromnacht mit ihren schrecklichen und unmenschlichen Ereignissen zu erinnern.

Vielerorts wurden vor 75 Jahren Synagogen und andere jüdische Gebäude angezündet. Mit der „Reichskristallnacht“ und ihren Verwüstungen und Brutalitäten zog die Barbarei ins Land, in deren Verlauf die Deportation und der millionenfache Tod jüdischer Bürger in den Vernichtungslager folgte. „Erinnern und wach bleiben“ war die Devise der Gedenkfeiern, die in Drove unter dem Sinnspruch „Nazi-Terror 1938“ stand.

Über 100 Bürger aus der Gemeinde Kreuzau hatten sich am Denkmal an der Wewordenstraße eingefunden, wo einst die Synagoge stand, die in der Nacht vom 9./10. November 1938 von einem Terrorkommando bestehend aus „vier Dürener, vier Kreuzauer und einem Drover Nazi“ rekrutierte, wie Dr. Horst Wallraff in seinem Buch „Nationalsozialismus in den Kreisen Düren und Jülich“ beschreibt und darauf hinweist, dass „den nationalsozialistischen Brandstiftern und Schlägern“ niemand entgegengetreten sei.

Die Einstellung der Bevölkerung rief zu Beginn der Gedenkfeier auch Karl Josef Nolden vom Geschichtsverein ins Gedächtnis:“ Kleine, Große, Mächtige Arme, Gelehrte und Ungelernte, alle haben geschwiegen, wo es ihre Pflicht gewesen wäre, ihre Stimme gegen Unrecht und Unmenschlichkeit zu erheben.“ Er ließ aber auch keinen Zweifel daran, dass 1938 „eine Auflehnung gegen die Gewalt der Nazis lebensbedrohlich war“.

Bürgermeister Walter Ramm mahnte, dass sich solche Ereignisse nie wiederholen dürfen und „friedensfeindliche Bestrebungen im rechtsextremen Bereich zwingend ausgeschaltet werden müssen. Sie dürfen keinen Raum mehr für ihre zerstörerischen Aktivitäten haben“.

Erinnerungszug

Nach den eindringlichen Worten am Denkmal formierten sich die Menschen zu einem Erinnerungszug, der auf dem Weg zum jüdischen Friedhof an den Häusern Halt machte und der jüdischen Mitbürger gedachte, die einst dort wohnten.

Auf dem Friedhof erinnerte Horst Hechemer, Ortsvorsteher von Drove, nochmals an die Geschehnisse bevor Hans Küpper einen Gedenkstein zur Erinnerung an die jüdische Familie Schwarz-Treu enthüllte, „die 1942 deportiert und in Polen umgebracht wurden.

Als Kind hatte Hans Küpper mit Ludwig, dem Sohn der Familie Schwarz zusammen die erste und zweite Klasse der Schule besucht und oft zusammen gespielt. Verschieden Bürger und Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins finanzierten mit Spenden den Stein. Musikalisch begleitet wurde die Gedenkfeier vom Kirchenchor Drove/Stockheim.

Einen anderen Weg ging der Mittelkurs der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege der LVR-Klinik. In bewegten Szenen, die die Schüler mit Thomas Hax einstudiert hatten, erinnerten sie an das Leben des kürzlich verstorbenen Marcel-Reich-Ranicki und bezogen eindeutig Stellung als „Fratzenmenschen“ gegen die Pöbeleien der NPD im Zusammenhang mit dem Tode des bedeutenden Publizisten. Auf einem weißen Laken schrieben sie die Worte:“ Narrenhänden beschmieren Tisch und Wände!“

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