Erhält Kreis einen Doppelnamen?

Von: Volker Uerlings und Stephan Johnen
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Nach den erfolgreichen JÜL-Kfz-Kennzeichen gibt es jetzt Pläne, den Kreis Düren in Düren-Jülich umzubenennen.

Düren/Jülich. Die Bemerkung fiel eher beiläufig, erzielte aber Wirkung. Beim Parteitag der Jülicher CDU vor 180 Mitgliedern ließ der Kreistagsabgeordnete Helmuth Hoen aus Jülich wissen, dass sich für den Nordkreis eine positive Entwicklung abzeichne.

Nach den überaus erfolgreichen JÜL-Kfz-Kennzeichen und den Plänen, in der Herzogstadt ein „kleines Kreishaus“ einzurichten, fehle nur noch das „Sahnehäubchen“: die Umbenennung des Kreises Düren in Düren-Jülich. Das ist keine neue Idee, denn sie war schon vor über 40 Jahren im Vorfeld der kommunalen Neugliederung in vieler Munde. Sie hat aber bis heute das Potenzial, die Gemüter zu erhitzen.

Zuletzt war der Jülicher Sozialdemokrat Martin Marquardt mit diesem Unterfangen gescheitert. Warum jetzt ein weiterer Vorstoß? Unsere Zeitung hat Landrat Wolfgang Spelthahn dazu befragt, der Augen- und Ohrenzeuge beim Jülicher Parteitag gewesen ist. Spelthahn: „Hier geht es nicht um Eitelkeiten oder Geschenke, sondern um das berechtigte Interesse des Kreises und der großen Unternehmen, sich im Wettbewerb der Regionen neu zu positionieren. Deshalb werden auch die großen wissenschaftlichen Einrichtungen wie Forschungszentrum, aber auch die Fachhochschule ein großes Interesse daran haben, dass der Name ihres Standortes Jülich auch im Kreisnamen sichtbar wird.“

Spelthahn betrachtet einen „Doppelnamen“ als „Ausdruck wechselseitiger Wertschätzung der beiden großen Städte im Kreis“, ist also selbst auch ein Befürworter. Er hat zudem die Akten der Vergangenheit studiert: „Vor der kommunalen Neugliederung, also vor über 40 Jahren, lag dieser Vorschlag auf dem Tisch und ist dann quasi über Nacht verschwunden. Warum das so war, weiß ich nicht, da kann man nur spekulieren. Jedenfalls gab es auch Ausarbeitungen, warum es sinnvoll sei, beide Städte, die einmal Kreisstadt gewesen sind, in einem gemeinsamen Kreisnamen zu führen.“

Natürlich sei Düren die erheblich größere Stadt, aber durch das Forschungszentrum – größter Arbeitgeber der Region mit 5700 Beschäftigten –, den Fachhochschul-Campus und die Solarforscher in Jülich sei das kleinere Mittelzen-trum im Kreis international bekannter. „Und wenn wir durch einen Doppelnamen der einen Stadt etwas geben, ohne der anderen etwas zu nehmen, kann ich darin keinen Nachteil entdecken“, sagt Spelthahn. „Das wäre für die gesamte Region identitätsstiftend.“

Wer soll denn die Kosten übernehmen, die eine Änderung von hunderten Ortsschildern, Briefpapieren und anderem sicher verursacht? Der Landrat: „Ich bin mir sicher, dass hierfür Sponsoren gefunden werden, da habe ich Signale vernommen. Ob das dann kostendeckend ist oder nicht, lässt sich zu einem so frühen Zeitpunkt aber noch nicht sagen.“

Es verwundert nicht, dass der erneute Vorstoß bei der CDU in Jülich fast Jubel hervorrief. Stadtverbandschef Elmar Fuchs sah gar eine grundlegende „Wende“, denn bislang sei die zweitgrößte Stadt im Kreis immer „unter Wert verkauft“ worden, die jüngsten Entwicklungen stimmten ihn hoffnungsvoll. Auf Kreisebene gibt es zumindest keine ungeteilte Zustimmung. So spricht sich der Dürener Bürgermeister Paul Larue deutlich gegen eine Änderung des Kreisnamens aus – und nicht nur er.

Kein Nostalgie-Freund

„Ich bin kein Freund von Nostalgie“, lehnt Niederziers Bürgermeister Hermann Heuser Überlegungen, den Namen des Kreises zu ändern, ab. „Die kommunale Neugliederung 1972 war eine richtige Entscheidung, wir sollten das Rad nicht zurückdrehen. Der Kreis Düren hat sich gut entwickelt“, sagte er unserer Zeitung auf Nachfrage. Bestrebungen „aus dem Nordkreis“, den Namen zu ändern, habe es immer wieder gegeben. „Solche Vorstöße sollten nicht befeuert werden“, unterstreicht Heuser. Es gebe sicherlich gute Argumente, Jülich in den Namen aufzunehmen. Schließlich sei auch der Wissenschaftsstandort bekannt. Doch die Argumente gegen eine Änderung würden überwiegen. Ortsschilder, Briefköpfe, Urkunden: „Allein die Kosten einer Umstellung sprechen dagegen.“ Dürens Bürgermeister Paul Larue kann sich nicht vorstellen, dass es im Kreistag „eine Mehrheit geben wird“. Wie bereits vor einigen Jahren werde der Versuch einer Umbenennung wohl scheitern. „Düren ist Kreisstadt, daher heißt der Kreis Düren Kreis Düren. Wenn wir die Geschichte weiterstricken, stelle ich mir die Frage: Was machen die anderen Orte im Kreis?“ So große Ortsschilder gebe es nicht. „Wenn das ein Aprilscherz sein soll, dann kommt er zur falschen Zeit“, urteilt Hürtgenwalds Bürgermeister Axel Buch. Eine Namensänderung lehnt auch er ab.

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