Erdrutsche auch im Tagebau Hambach?

Von: Volker Uerlings
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Wolfgang Schaefer (Niederzier)
Wolfgang Schaefer (Niederzier): „Da ist eine Rutschung passiert.” Foto: Uerlings
Wolfgang Schaefer (Niederzier)
Wolfgang Schaefer (Niederzier): „Da ist eine Rutschung passiert.” Foto: Uerlings

Hambach. RWE Power versetzt Berge. Aber bleiben die auch stehen? Auf diese kurze Formel lassen sich Mutmaßungen bringen, die das Netzwerk Bergbaugeschädigter nun öffentlich geäußert hat.

Nach dem Studium von Luftbildern hegen der Niederzierer Ingenieur Wolfgang Schaefer und Mitstreiter den Verdacht, dass es auch am Rand des Tagebaus Hambach sogenannte Hangrutschungen gegeben haben soll, denn im Tagebau Inden gab es einen solchen im Frühjahr 2010. Die Erdbewegungen unmittelbar zu Füßen der Sophienhöhe sollen indes von erheblich größerem Ausmaß im Vergleich zu Inden gewesen sein. RWE Power weist das in aller Schärfe zurück. Tagebaudirektor Hans-Joachim Bertrams legt sich fest: „Auf der Sophienhöhe hat es nie Hangrutschungen gegeben - weder im Kleinen noch im Großen.”

Wolfgang Schaefer kann das nicht glauben. Auf gleich zwei Bildschirmen zu Hause vergleicht er die zum Teil amtlichen Luftbilder, die er käuflich erworben hat, und stellt Veränderungen in der ihm nahen Landschaft fest, Millimeter für Millimeter. Für die gibt es seiner Meinung nach keine plausiblen Erklärungen, die mit dem normalen Tagebaubetrieb zu tun haben. Er hat sich selbst auch hinterfragt und einen externen Geologen mit seinen Vermutungen konfrontiert. Am Ende kam er zu dieser Erkenntnis: „Verflixt noch mal, da ist eine Rutschung passiert!”

Was macht den Mann so stutzig? Der aus Schaefers Sicht „verdächtige” Bereich hat sich im Jahr 2000 als fester Grund am Fuße der Sophienhöhe dargestellt, war also nicht Bestandteil des „Lochs”, sondern dessen Rand. Dieses Areal war begrünt, hatte viele Wege, und dort befand sich eine Motocross-Strecke eines Motorsportclubs.

Sieben Jahre später sieht das Luftbild anders aus. Der nach Wolfgang Schaefers Ansicht im Jahr 2000 bereits „fertige” Bereich ist nun wieder grau-braun, Wege sind unterbrochen, und vor allem: die Motocross-Strecke wurde nach Nordosten verlegt. Das, so meint er, hat viel zu viel Geld gekostet, als dass es Zufall sein könnte. Vor allem sehen er und das Netzwerk, für das er spricht, unveränderte „Landzungen”, die sich nach sieben Jahren an einer völlig anderen Position befinden. Ihr Rückschluss: Das war kein Eingriff von außen, sondern eine Erdbewegung, die RWE hat kommen sehen.

Das Unternehmen ist für seine mitunter bedächtigen und knappen Reaktionen bekannt, in diesem Fall aber regelrecht entrüstet: „Es ist bedauerlich, dass mit diesen haltlosen Vorwürfen der Versuch unternommen wird, Anwohner wie auch die vielen Besucher der Sophienhöhe zu verunsichern.”

Pressesprecher Lothar Lambertz wird auf Anfrage konkreter: „Es war von Anfang an vorgesehen, in dem genannten Bereich weiter anzuschütten. Der Absetzer hat absolut planmäßig verfüllt.” Den Eindruck, dass ein im Jahr 2000 bereits „fertiger” Bereich nach sieben Jahren wieder moduliert und verändert worden sei, erklärt er so: Dort habe es eine „Zwischenbegrünung” gegeben. Das Unternehmen erklärt zudem, dass eine Verlegung der Motocrossstrecke von Beginn an geplant gewesen sei. Tagebauchef Bertrams: „Dass die Sophienhöhe erweitert wird, ist schon in den Braunkohle- und Rahmenbetriebsplänen aus den 70er Jahren erkennbar. Die Unterlagen sind einsehbar.” Die für Bergbau zuständige Bezirksregierung Arnsberg hat dem „Netzwerk” mitgeteilt: „Die von Ihnen auf der Innenkippe des Tagebaus Hambach interpretierten Innenkippen-Hangrutschungen hat es nicht gegeben.” RWE-Power-Sprecher Lambertz erklärt: „Wir können solche Planänderungen nicht einfach vornehmen, ohne die Behörden oder zumindest das Bergamt einzuschalten.”

Wolfgang Schaefer und das Netzwerk sind nicht überzeugt. Sie recherchieren weiter.
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