„Equal Pay Day“: Frauen müssen oft um ihren Lohn kämpfen

Von: Burkhard Giesen
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Zum „Equal Pay Day“ hat Gewerkschaftssekretär Ludger Bentlage nur einen Wunsch: faire Bezahlung. Foto: B. Giesen

Düren. Wenn man Gewerkschaftssekretär Ludger Bentlage fragt, wie viele Frauen aus dem Kreis Düren er beraten muss, weil sie sich ungerecht bezahlt fühlen, muss er nicht lange überlegen: „Im Jahr sind das 80 bis 90 Fälle.“ Und das nur für seinen Bereich, die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Wer glaubt, dass die Zeiten vorbei sind, in denen Frauen weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, der täuscht sich. Nicht umsonst wird am Donnerstag mit dem so genannten „Equal Pay Day“ daran erinnert, dass für Arbeit auch eine gerechte Entlohnung erfolgen muss – speziell für Frauen. Bentlage kann die ungleiche Bezahlung von Frauen an zwei simplen Beispielen deutlich machen. „In der Gastronomie werden geringfügig Beschäftigte ganz oft als Aushilfen eingestellt. Der Einsatz erfolgt dann meist nach Bedarf und den Frauen wird ganz oft gesagt, dass sie als Aushilfe nicht unter den Tarifvertrag fallen“, so Bentlage.

Zweites Beispiel: Frauen würden oft als Beikoch eingestellt. Bei einer Vollzeitstelle stehen ihnen dann 1529 Euro zu. Bentlage: „Das Problem dabei ist, dass die Frauen im Laufe der Zeit aber sehr schnell nicht mehr als Beikoch, sondern als Köchin eingesetzt werden, aber in ihrer alten Tarifgruppe bleiben.“ Der Arbeitgeber spart so im Monat 136 Euro, wenn aus der Beiköchin gar eine Alleinköchin wird sind es schon 636 Euro im Monat.

Bentlage: „Meine Erfahrung ist, dass die Betroffenen oftmals selbst darauf achten müssen, ob sich ihre Tätigkeit ändert und sie in eine andere Tarifgruppe eingestuft werden müssten. Die Betroffenen haben aber meist Angst, dies einzufordern, weil auch sehr schnell mit der Entlassung gedroht wird.“ Unterschiede zwischen dem kleinen Restaurant oder dem überregional agierenden Burger-Bräter sieht Bentlage dabei nicht: „In der Systemgastronomie gibt es das gleiche Problem.“

Wenn Bentlage von 80 bis 90 Fällen im Kreis Düren im Jahr spricht, in denen er sich dafür einsetzen muss, dass betroffene Frauen leistungsgerecht bezahlt werden, hat er noch eine andere Zahl parat: „Dass Arbeitgeber die ungerechte Bezahlung in diesen Fällen einsehen, erlebe ich deutlich weniger als fünf Mal im Jahr.“ Und so landen denn auch 80 Prozent der Fälle vor Gericht – „mit relativ hoher Erfolgsquote“, wie Bentlage berichtet.

Dabei verfolgt er noch einen ganz anderen Ansatz. Das macht er an einem Fall aus Düren deutlich: „Die Frau wurde unter Tarif bezahlt, hat morgens um 5.30 Uhr angefangen und bis 15 Uhr gearbeitet, danach hat sie dann ihr Kind und den Haushalt versorgt. Als sie zu mir kam, war sie vollkommen ausgebrannt.“ In dem Fall stand für Bentlage nicht ausschließlich ein Rechtsstreit über die richtige Einstufung in den Tarif im Vordergrund.

„Wir haben uns erst mal um eine gesundheitliche Stabilisierung gekümmert, der Frau zu einer Reha-Maßnahme verholfen und dann mit ihr gemeinsam eine andere Arbeitsstelle als Verkäuferin finden können.“ Diese Hilfe zur Selbsthilfe ist für Bentlage selbstverständlich geworden. „Es ist oft so, dass ich erst versuche, das Selbstbewusstsein der Frauen zu stärken. Ich rede mit ihnen über die Wertigkeit ihrer Arbeit. Der 2. Schritt ist dann, dass man g überlegt, welche Alternativen es zu ihrem jetzigen Arbeitsplatz gibt. Daraus folgt in vielen Fällen bei den Frauen eine Weiterbildungsmaßnahme, um die Alternative zu verwirklichen“, erzählt Bentlage.

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