Düren - Epoche des Ersten Weltkriegs wird gerade aufgearbeitet

Epoche des Ersten Weltkriegs wird gerade aufgearbeitet

Von: Ingo Latotzki
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Dürener Tageszeitungen berichteten in den Tagen rund um den Kriegsausbruch intensiv im überregionalen Teil, aber auch auf lokaler Ebene. Die Ausgaben sind im Stadtarchiv einzusehen. Foto: Ingo Latotzki
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So wurde zur zeit des Ersten Weltkrieges in Düren gekocht.
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Vorsitzender des Trägervereines Stadtmuseum: Bernd Hahne.

Düren. „Und dann kam auch ich dran, Soldat zu werden. Es war in der Oberprima im 2. Tertial, dass ich meine Einberufung bekam, im Jahr 1916. Der Krieg dauerte schon drei Jahre, er hatte sich fest gefahren. (...) Mein Herz war sehr schwer und traurig. Und da habe ich Vaters Rotwein rausgeholt und habe ihn mit ein paar Kameraden ausgetrunken. Der Wein hat uns allen gut getan.“ Diese Zeilen stammen von Hans Guder, einem Dürener, der an beiden Weltkriegen teilnehmen musste.

Guder (1898 - 1978) schildert seine Erinnerungen in einem Tagebuch, das auszugsweise im Dürener Stadtmuseum anlässlich der Ausstellung zum Ersten Weltkrieg an der Arnoldsweiler Straße zu lesen ist. Diesem Krieg, dessen Ausbruch sich zum 100. Mal jährt, beleuchten wir ab heute in einer umfänglichen Serie im überregionalen Teil. Bestandteil sind auch Geschichten aus dem Dürener Land, es geht unter anderem um Düren als Garnison- und Lazarettstadt.

Wie war das Leben in Düren, als der Krieg Ende Juli ausbrach, unter welchen Bedingungen verbrachten die Menschen die nächsten vier Jahre? „Das ist gar nicht so einfach zu beschreiben“, sagt Bernd Hahne, Vorsitzender des Trägervereines für das Stadtmuseum. Die Quellenlage ist nicht üppig. Dennoch bietet die Ausstellung einen Einblick ins alltägliche Leben: Fotos, Berichte, Bücher, Broschüren, Koch-Utensilien, Helme, Töpfe, Kannen... Die Macher aus der Geschichtswerkstatt haben mit Hilfe der Bevölkerung und nachfolgenden Generationen von Kriegsteilnehmern eine Menge zusammen getragen. Beendet ist das Projekt damit noch lange nicht. Nach Abschluss der aufwendigen Recherchen soll wieder ein üppiges Buch über die Zeit erscheinen, ähnlich wie es auch über Dürens „Goldene Jahre“ von 1871 bis 1914 geschehen ist.

Wichtige Quelle für die Nachforschungen sind die Tageszeitungen aus der damaligen Zeit. Natürlich berichteten die Dürener Blätter, vor allem im überregionalen Teil, aber auch auf lokaler Ebene. Der Zufall wollte es, dass zum Kriegsausbruch in Düren die Annakirmes lief. Selbstredend wurde nicht wie sonst gefeiert. In der Rubrik „Aus Stadt und Kreis“ vom 27. Juli 1914 heißt es: „Echte, rechte Kirmesstimmung kam nicht auf. Das lag nicht nur am schlechten Wetter, sondern auch am Ernst der politischen Lage. Die Frage: Gibt es Krieg? wurde von jedermann erhoben.“

Die Antwort auf diese Frage wurde nur wenige Tage später endgültig gegeben. In Düren beschloss der Rat unter Führung von Bürgermeister August Klotz „Maßnahmen zur Schaffung von Lebensmitteln für den Notfall“. In einem Ratsprotokoll ist die Rede davon, dass 50 Doppelzentner Weizenmehl angekauft werden sollten. „Und im Keller lagen meine Kameraden, 24 tot, 22 schwer verletzt. Eine englische Schiffsgranate hatte das Haus durchschlagen und war im Keller mitten unter meinen Kameraden krepiert.“

Wieder aus den Lebenserinnerungen von Hans Guder, der in Flandern um sein Leben bangte. Ebenso wie die Menschen in Düren am 1. August 1918, als die Innenstadt bombardiert wurde und zehn Einwohner sofort, sechs später starben. In der Stadt war gegen 9.20 Uhr eine telefonische Alarmierung aus Köln eingegangen. Sofort wurde die Feuerglocke am Rathaus geläutet, die aber vom gleichzeitig turnusmäßigen Läuten der Annakirche übertönt wurde, während Fabriken telefonisch aufgefordert wurden, ihre Sirenen in Ganz zu setzen. Auch das ist im Stadtmuseum nachzulesen, inklusive der Auflistung von Opfern, die der Presse entnommen wurde. Und wieder wollte es der Zufall, dass zur Zeit des Bombenangriffs Annakirmes war.

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