Enten machen alle Kinder satt

Von: Margret Vallot
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Träumen nachts von Enten: Richard Müllejans und Josef Simons (v.l.). Foto: Margret Vallot

Düren. Ein Spektakel, das seinesgleichen sucht in der gesamten Region findet am Samstag am Ufer der Rur zwischen Johannesbrücke und Annakirmesplatz statt: Mindestens 3500 kleine Enten und über 200 große Enten werden nachmittags die Rur gelb färben.

Gut 3000 Dürener werden zuschauen, schätzt Richard Müllejans, der nicht nur Chef des Dürener Servicebetriebs ist, sondern auch noch Präsident des Lions Clubs Düren-Rurstadt. In letztgenannter Funktion zeichnet Müllejans verantwortlich für das 3. Dürener Entenrennen.

Die Veranstaltung hat hohen Unterhaltungswert. Sie war 2008 noch „ein fantastischer Blödsinn”, schaffte es aber im vorigen Jahr schon ins Fernsehen. Der Grund, weshalb so viele Menschen mitmachen und zuschauen ist jedoch: Die Aktion hat einen wohltätigen Hintergrund, sie hat das Ziel - wie es die Mitglieder des Lions Clubs formulieren - „einen nachhaltigen gesellschaftlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation junger Menschen in Ausbildung” zu leisten.

20.000 Euro sammelten die Veranstalter im letzten Jahr für wohltätige Zwecke ein. In diesem Jahr will man mindestens den doppelten Betrag an den Bürgermeister weiterleiten, vielleicht noch mehr. Die komplette Summe wird für das Projekt „Kein Kind ohne Mahlzeit” zur Verfügung gestellt.

Richard Müllejans bekommt leuchtende Augen, wenn er von Projekten erzählt, „wo denen geholfen wird, die Hilfe benötigen”. Und in den Schulen, wo mit dem Ganztagsunterricht die Schulspeisung wieder aktuell geworden ist, ist Hilfe nötig.

In manchen Klassen sitzen nämlich Kinder, die warten bis andere zu Ende gegessen haben „und nehmen sich dann die Reste von denen”. So wurde es den Mitgliedern des Lions Clubs „von Lehrern in Düren”, wie Müllejans sagt, berichtet.

Wie funktioniert nun diese Sponsoring-Aktion, die offiziell vom eigens gegründeten Förderverein des Lions Clubs veranstaltet wird? Ganz einfach: Kleine Plastikenten wurden zu fünf Euro pro Stück verkauft, große Enten sind eigentlich „Dankeschön-Enten”. Die bekommt man, wenn man mindestens 100 Euro spendet, und darf sie noch verschönern.

Große Enten wurden originell herausgeputzt, mal mit Sommerhütchen, mal mit Badekappe oder einem auffallend komischen Gebiss. Sie stapelten sich bis Samstag in den Regalen eines Abstellraums beim Service-Betrieb (DSB).

Zunächst gehen um 14.30 Uhr die Großen an den Start. Den „Enten-Rennparcour” baut übrigens am Samstag ab 10 Uhr die Feuerwehr Derichsweiler auf. Nach den großen schwimmen die kleinen Enten um die Wette, jede mit einer Nummer versehen und mit der Chance auf Gewinn. Die Gewinne können sich sehen lassen: Flachbildschirm-Fernseher, Computer, Fahrrad, Restaurant-Gutscheine und viele Trostpreise.

Drei Stunden dauert diese Veranstaltung, ihre Vorbereitung allerdings Wochen und Monate. Von „unheimlich viel Arbeit” spricht auch Richard Müllejans. Warum tut sich jemand mit Fulltime-Job das an? Zunächst, „weil es wahnsinnig viel Spaß macht”. Aber hauptsächlich, weil man anderen etwas Gutes tun kann, „die es wirklich nötig haben”.

An Bildungsmaßnahmen konzentriert teilnehmen zu können, nicht von Hunger abgelenkt zu sein, das muss laut Müllejans schlicht jedem Kind ermöglicht werden. Bildung und Integration seien die „Schlüsselfragen der Zukunft”.

Von Kritikern großer Spendenaktionen wird oft gesagt, mit den Aktionen werde die Öffentliche Hand dazu ermuntert, eigene Aufgaben in die Hände von Privatleute abzugeben. Konkret: Es brauche sich also ein Bürgermeister gar nicht mehr um das nötige Kleingeld für die Schulspeisung zu bemühen, das werde ja schon vom Lions Club oder einem anderen Sponsor erledigen.

Richard Müllejans kennt diese Kritik. „Ich glaube, dass unser Staat nicht mehr alles tun kann, was er tun müsste”, sagt er. Auch die Kommunen sieht er belastet mit Ausgaben, die in Berlin beschlossen, aber von dort nicht finanziert werden.

In Kommunen wie Düren müssten Gebäude geschlossen, Schulen zusammengelegt werden. Aus purer Geldnot. Da sei Hilfe notwendig. Wer nun Müllejans und seine Helfer Rudi Seebald, Uschi Reepel, Horst Reiermann und Josef Simons unterstützen will, kann am Samstag noch vor Ort bis 14 Uhr ein Entchen kaufen.
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