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Elite-Studi statt Vorzeige-Kicker

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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Ex-Junioren-Nationalspieler Henning Sauerbier hat den Entschluss, in New York zu studieren, nicht bereut. Foto: G. Jansen

Düren. Bereut hat er seinen Entschluss nicht. „Keine Sekunde”, sagt Henning Sauerbier. Im vergangenen Jahr hat der 21-Jährige eine spektakuläre Entscheidung getroffen. Er hat sich gegen eine mögliche Karriere als Fußball-Profi entschieden.

Studium an der Columbia University in New York statt Bayer Leverkusen. So lauten die Prioritäten im Leben des Henning Sauerbier. „Fußball-Profi zu werden ist ein Traum. Keine Frage. Aber in New York zu leben und an der Columbia-Uni zu studieren, das ist mein neuer Traum.”

Die Hochschule, die der Dürener jetzt besucht, ist eine Elite-Universität. Nicht im Sinne deutscher Elite-Unis. In den jährlichen Ranglisten der besten Hochschulen weltweit taucht die Columbia regelmäßig unter den besten zehn auf. Eine deutsche Hochschule sucht man unter den besten 50 vergebens.

Mit dem Kicken aufgehört hat Sauerbier aber nicht. Der ehemalige Junioren-Nationalspieler spielt in der so genannten Ivy-League. Das bedeutet Efeu-Liga und bezeichnet - nicht nur im Sport - die alt-eingesessenen, führenden Hochschulen in den Vereinigten Staaten. In der Fußball-Liga der besten Unis wurde der 21-Jährige jetzt zum besten Neuankömmling der Saison gewählt. Sport ist an den Ivy-League-Schulen Nebensache. Allerdings eine Nebensache, die die Amerikaner sehr erst nehmen.

„Das Niveau dort ist etwa mit der NRW-Liga bei uns vergleichbar”, so Sauerbier. Die NRW-Liga ist die fünfte Liga und semi-professionell. „In Sachen Athletik und Kampfbereitschaft ist die Ivy-League sogar besser. Die Trainingsmöglichkeiten sind so professionell wie bei Bayer Leverkusen.” Lediglich das Taktische und Technische hinke etwas hinterher.

„Die Amerikaner haben es eben nicht so mit Fußball.” Das stört Henning Sauerbier nicht. Denn auch sein Hauptaugenmerk liegt auf dem Studium. „So viel gelernt wie in den vergangenen Monaten habe ich noch nie”, berichtet er nach den ersten Monaten seines Economics-Studiums, das mit Volkswirtschaftslehre vergleichbar ist. Das Niveau an der Hochschule sei sehr hoch. Nicht nur aufgrund der guten Lehre. „Jeder Student hier bringt sein eigenes, großes Talent mit. Das ist das Interessante.” Genau so wie die Verschiedenheit der Studierenden. „Da gibt es die Kinder von Super-Reichen. Aber genau so Kinder aus einfachen Verhältnissen. Das macht keinen Unterschied. Was zählt ist, dass die Leistungen stimmen.”

Das amerikanische Grundprinzip der Chancengleichheit schimmert durch. Auch, was das Thema Kosten angeht. Etwa 45.000 Euro kostet ein Jahr Studium in New York mit allem Drum und Dran - Kosten, die Sauerbier nicht alleine tragen muss, da er durch die Uni finanziell sehr stark unterstützt wird.

Ganz unwichtig ist der Fußball für Sauerbier aber nicht geworden. Sport-Stipendien gibt es an den Ivy-League-Hochschulen nicht. Trotzdem hat ihm der Fußball geholfen, den Studienplatz zu bekommen und auch zu finanzieren. Denn der Notendurchschnitt von 1,4, den Sauerbier bei seinem Abitur am Burgau-Gymnasium hatte, hätte für die Columbia nicht gereicht. Dem Abitur in Deutschland stellt der Dürener übrigens ein gutes Zeugnis aus. „Ich muss jetzt zwar viel lernen. Aber trotzdem war die Schule zu Hause eine gute Vorbereitung.”

Fasziniert ist der Dürener vom Aufbau seines Studiums. Die Columbia legt großen Wert auf eine breite Allgemeinbildung. Am Anfang gibt es Vorlesungen, in denen die wichtigsten Werke der Philosophie, Literatur und Kunst intensiv besprochen werden. Der Gilgamesch-Epos wird durchgearbeitet, genau so wie der Koran und die Bibel. Das Verhältnis zwischen Studenten und Dozenten sei sehr unkompliziert.

„Du schreibst einem Professor eine Mail und hast 15 Minuten später eine Antwort”, schildert Sauerbier die Kommunikation. Überfüllte Hörsäle kennt der Dürener nicht, dafür aber das Prinzip der Chancengleichheit. Begabung und Fleiß führen zu Erfolg. Derartige Chancen gibt es in Deutschland nicht. Selbst bei König Fußball. Denn da spielt Glück eine große Rolle.
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