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Eiskalt und nass: Aktivisten geben nicht auf

Von: Margret Vallot
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Unter dem Motto „jetzt aufbäumen für Wald und Klima“ bauen die ehemaligen Waldbesetzer ihr neues Camp aus. Ihr Protest gegen den Braunkohletagebau motiviert sie. Bei Schnee, Regen und Wind wollen sie ausharren. Foto: Margret Vallot
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Elf Zelte, zwei Wohnwagen und eine Küche gibt es in dem Camp.

Morschenich. Auf einem Acker bei Morschenich hocken zwei junge Leute unter einer Plastikplane und klammern sich an ihre heißen Kaffeetassen. Sie frühstücken. Gerade sind sie aus ihren Zelten gekrabbelt. Der Wind pfeift eisig über die Plane hinweg bis in den nahen Wald hinein. Nebel hängt über den kahlen Bäumen und komplettiert das trostlose Bild.

Vor wenigen Wochen wurden diese junge Erwachsenen als „Waldbesetzer“ bundesweit bekannt. Ihr Protest gegen den landschaftsfressenden Braunkohletagebau war via Bildschirm in allen Haushalten zu sehen. Das hat ihnen Zulauf gebracht.

„Noch viel zu wenig Menschen wissen über den Braunkohletagebau und seine Auswirkungen Bescheid. Wir wollen, dass sich das ändert“, sagt Wilm Görlich (24). Wer nämlich Einzelheiten erfahre, „der ist empört“. Wie schon im ersten Protestcamp scheinen auch in dem neuen bei Morschenich die Männer und Frauen aus ganz Deutschland zu kommen.

Elf Zelte stehen jetzt am Waldesrand, außerdem zwei alte Campingwagen, ein Bauwagen, ein alter Lkw. „Privat mitgebracht und Spenden...“, heißt es lakonisch auf die Frage, wer das alles zur Verfügung stellt. 20 Personen sollen es sein, die auf dem Acker leben, der „noch nicht“, wie sie sagen, RWE gehört, aber schon als Abbaugebiet vorgesehen sei.

Um nachts nicht zu erfrieren, haben sie sich Paletten in die Zelte geschoben, darauf wurden Isomatten und Decken gelegt. In Thermoschlafsäcken liegt man warm, angeblich auch bei Temperaturen unter Null.

Muss man sich das antun? Wurde nicht schon genug Aufmerksamkeit erzielt? „Wir haben unser Ziel, RWE zu stoppen, noch nicht erreicht“, sagt Lukas Bals (29). Das rheinische Braunkohlerevier als „einer der größten Klimakiller Europas“ schädige Mensch und Natur. Dem müsse man sich in den Weg stellen.

Die Gruppe hat allen Ernstes vor, den Winter auf dem Feld zu verbringen. Die Polizei wird sie wohl diesmal nicht vertreiben. Der Landwirt unterstützt den Protest gegen RWE. Auch der Verein „Buirer für Buir“ und eine Initiative Bergbaugeschädigter sehen die Aktivisten mit Sympathie und helfen. Kaffe und Tee, Brennholz und Kleidung werden gebracht. Eine gewisse Infrastruktur im Camp steht, in dem Bauwagen ist es mollig warm, es gibt einen Ofen, und reichlich Brennholz liegt bereit.

Die Wasserkanister sind voll, Töpfe, Pfannen und Geschirr stehen wieder in den Regalen. Erde wird ausgehoben, um eine tieferliegende Feuerstelle zu errichten. Eine Dame aus Buir kommt vorbei und bringt Kaffee und Tee. „Wir haben schon Angst“, sagt sie, vor dem Feinstaub, der neuen Autobahn ganz in Nähe der Gärten, vor der Abbruchkante, vor Hangrutschungen und einer Wertminderung der Häuser, vor Streit in der Familie, der wegen Entschädigungssummen entsteht. Summen, über die nicht gesprochen werden darf, weil RWE dies angeblich so in die Verträge schreibt.

Warm, aber sehr eng ist es in der Baubude, die Stimmung bei den Aktivisten ist gedrückt. „Das ist hier eine von den typischen Umsiedlungen von RWE“, sagt Lukas Bals mit Ironie in der Stimme. Das Sommercamp mit dem Kontakt zu den Tieren des Waldes hat ihm deutlich besser gefallen.

Etliche Besetzer vermissen seit der Räumung Rucksäcke, Fahrräder, Schlafsäcke und persönliche Dinge. An Kisten mit Walnüssen erinnern sie sich. Keinem ist klar, nach welchen Paragrafen sie womöglich eines Tages verurteilt werden. Vorerst werden im Camp Rinnen ausgehoben, ein Feuerplatz wird wasserfest gemacht, und wenn jemand alte Türen bringt, kommt doch noch Freude auf.

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