Einfach kopieren? Das geht gar nicht

Von: mv
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Oberstudiendirektor Jürgen Pfaff.

Düren. „Nein, das sage ich ihnen nicht”, erklärt Schulleiter Wilhelm Gödde auf die Frage, wie er denn eigentlich herausfindet, ob seine Schüler und Schülerinnen bei einer Facharbeit einen fremden Text übernommen und als ihren eigenen dargestellt haben.

Verständlicherweise schweigt der Pädagoge, denn dass Schüler plagiieren, „ist an der Tagesordnung”. Die Kinder in den Klassen 5 und 6 schreiben, glaubt man Gödde, vorzugsweise bei Wikipedia ab. Den Kleinen kann der Pädagoge das gar nicht mal verübeln, „die lernen ja noch.”

Wie man zitiert, was geistiges Eigentum ist, wie man Quellen angibt und warum korrektes Arbeiten in der Wissenschaft sehr wichtig ist, das wird den Jugendlichen im Wirteltor-Gymnasium (GaW) Zug um Zug beigebracht. Trotzdem gebe es „jedes Jahr” welche, die sich - etwa in Klasse 9 - bei Referaten mit fremden Federn schmücken. Manche Texte würden 1:1 übernommen, was den Mädchen und Jungen mit den neuen elektronischen Mitteln allerdings auch leicht gemacht wird. „Meistens genügt aber schon eine einzige Nachfrage, und es wird offensichtlich, dass kopiert wurde”, weiß der erfahrene Pädagoge. Plagiate im Referat schlagen sich negativ auf die Note nieder.

In der Oberstufe, besonders im letzten Jahr, müsse dann aber Schluss sein „mit dem Räubern”. Wobei auch das geschickte Zitieren und Kombinieren von Texten eine gute Sache sei. Hat aber jemand weite Teile einfach nur abgeschrieben, „und es ist praktisch keine eigene Leistung da”, dann gelte das als Täuschungsversuch, Note ungenügend sei die Folge. Und: „Auch das kommt vor.”

Schließlich berichtet Gödde doch noch von den „plagiat-findern”, die im Internet vorhanden sind. „Die werden in der Hochschule Maastricht eingesetzt”, sofern eine Arbeit nicht nur auf Papier, sondern auch elektronisch vorliegt. Im Gymnasium am Wirteltor müssen alle Arbeiten in den genannten beiden Formaten abgeliefert werden.

Im Stiftischen Gymnasium werden die Facharbeiten (jede etwa zehn Seiten lang) bisher nur auf Papier abgegeben. Oberstudiendirektor Jürgen Pfaff teilt allerdings auf Nachfrage mit, dass im Zusammenhang mit den Vorgängen um den Ex-Verteidigungsminister überlegt wird, die Arbeiten auch in elektronischer Form zu verlangen. Sie könnten dann leichter auf Plagiate hin untersucht werden.

Wie Pfaff belegen kann, gibt sich sein Gymnasium jede erdenkliche Mühe, den Jungen und Mädchen die Bedeutung von geistigem Eigentum zu erklären. Es gibt eine Schüler-Info-Veranstaltung, es gibt eine Handreichung in schriftlicher Form, wo das Zitieren und Angeben von Quellen genau erklärt wird. Außerdem unterschreiben die Schüler eine Erklärung, „die vorliegende Arbeit selbstständig verfasst” zu haben.

Pfaff, Vater einer studierenden Tochter, hat erlebt, dass die jüngeren Schüler „Weltmeister sind in copy & paste”, wobei sie oft nicht mal gelesen haben, was sie abgeben. Und dass an der Hochschule „ratzfatz exmatrikuliert wird, wer betrügt”. Die Plagiat-Diskussion sei wegen der technischen Möglichkeiten zu einer wichtigen Aufgabe der Schule geworden. Und in den letzten Tagen seien auch Kollegen mit Doktor-Titel auf die Berliner Vorgänge hin angesprochen worden.
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