Einer der dienstältesten Pädagogen geht in Pension

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Der dienstälteste Lehrer in der Schulleitung eines Dürener Gymnasiums: Horst Dahmen. Gestern hatte der 65-jährige Pädagoge seinen letzten Schultag. Unser Bild zeigt ihn vor der Turnhalle mit dem „Burgau“-Schriftzug. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Nur wenige Menschen schaffen es heute noch, 40 Jahre im Beruf zu stehen. Horst Dahmen ist einer von ihnen: Der 65-Jährige ist stellvertretender Schulleiter am Dürener Burgau-Gymnasium und hatte am Freitag seinen letzten Schultag. Nun steht er vor seinem verdienten Ruhestand. Welchen Blick hat ein Mann mit seiner Erfahrung auf den Schulalltag?

Was hat seinen Beruf ausgemacht, welche Erinnerungen bleiben haften? Darüber sprach DN-Redakteur Ingo Latotzki mit Horst Dahmen.

Ist Lehrer immer Ihr Traumberuf gewesen?

Horst Dahmen: Ja. Ich hatte gute Vorbilder. Das war damals unser Klassenlehrer und ein Geschichtslehrer. Ich wollte zudem Hobby und Beruf verbinden. Der Sport war bei mir immer die Nummer 1, und so stellte sich nur noch die Frage, welches Fach ich dazu nehme. Es wurde schließlich Englisch.

Sie sind viele Jahre in der Schulleitung tätig gewesen. Was waren Sie lieber? Ganz normaler Lehrer oder Schulmanager?

Dahmen: Eigentlich ganz normaler Lehrer, und ich habe es in den letzten Jahren etwas bedauert, nur wenig zu unterrichten. Gerade der Kontakt zu den Schülern hält einen geistig jung. Und wenn man dann noch positive Resonanz bekommt, kann man, glaube ich, nicht so viel falsch gemacht haben. Ich wollte eigentlich nie in die Schulleitung. Damals bin ich aber überredet worden, wahrscheinlich, weil ich die Fähigkeit habe, strukturiert und zügig zu arbeiten. Außerdem denke ich, dass ich kommunikativ bin und diplomatisch sein kann.

Machen Sie Klischees über Lehrer wütend, etwa wenn es heißt: die sind eh nur auf Ferien aus...

Dahmen: Nein, wütend macht mich das nicht. Das kann man, wenn es tatsächlich ernst gemeint ist, im persönlichen Gespräch richtig stellen. Ich hätte jeden gerne eingeladen, mich mal eine Woche zu begleiten.

Was zeichnet einen guten Lehrer aus?

Dahmen: Als allererstes eine natürliche Autorität. Wenn er das nicht mitbringt, kann er fachlich noch so gut sein, er wird immer Probleme haben. Viele haben diese Autorität und wenn sie dann noch gut mit den jungen wie den älteren Schülern umgehen können, sind sie gute Lehrer.

Kann man sich Autorität auch aneignen?

Dahmen: Bedingt. Es gibt sicher Hilfestellungen über die Mimik und Gestik oder in der Frage des Auftretens und in der Ansprache. Der Schlüssel für den Erfolg eines Lehrers ist aber die natürliche Autorität.

Die man nicht lernen kann...

Dahmen: Kaum.

Sie blicken auf 40 Jahre Lehrer-Dasein zurück, 38 Jahre sind Sie am „Burgau“. Wie haben sich in der Zeit Schüler verändert?

Dahmen: Sehr, glaube ich. Die Tatsache, dass wir soziales Lernen und Ganztagsunterricht anbieten müssen, weil sich vielfach die Familienstrukturen verändert haben, spricht für sich. Außerdem hat die digitale Medienwelt einen erheblichen Einfluss. Ich glaube, dass sich die Schüler in eine Richtung entwickelt haben, in der wir sehr viel mehr erzieherisch eingreifen müssen.

Gelingt das?

Dahmen: Vielleicht deshalb nur bedingt, weil wir ja auch noch einen Lehrauftrag haben. Die Erziehung kann nicht unsere Hauptaufgabe sein, wir müssen auch noch Stoff vermitteln, gerade auf dem Gymnasium. Bei all den Beratungen und Hilfen, die wir bieten, fehlt uns häufiger die Zeit.

Was war für Sie das positivste Erlebnis in Ihrer Laufbahn?

Dahmen: Positiv war immer, wenn ich ein persönliches Feedback bekommen habe. Vor drei Monaten rief mich jemand an, den ich vor 20 Jahren im Unterricht hatte. Und der sagte mir, dass er mit meinem Unterricht damals sehr zufrieden war. Er wohne in Frankfurt und hätte mir das immer mal sagen wollen. Das sind Momente, die einen auch ein bisschen stolz machen.

Und negative Erlebnisse?

Dahmen: Na ja,Wenn man Schüler oder Kollegen durch Tod verliert. Das sind Erlebnisse, die man nicht vergisst.

Freuen Sie sich auf den Ruhestand?

Dahmen: Da sind wir bei der Geschichte mit dem lachenden und weinenden Auge. Nach 40 Jahren müssen auch mal Jüngere ran, die vielleicht andere Vorstellungen haben. Ich werde aber die Schüler vermissen und die Kollegen, die immer mitzogen und auf die ich mich verlassen konnte. Sonst wäre vieles, was wir erreicht haben, nicht möglich gewesen, beispielsweise der Mensabau und die Über-Mittag-Betreuung. Von der Arbeit in der Schulleitung, glaube ich, werde ich mich recht bald trennen können.

Was haben Sie für Pläne? Man hört, Sie wollten sich als Gasthörer an der Uni in Köln einschreiben?

Dahmen (lacht): Das stimmt. Lehrer kommen aus diesem Kontext nicht so einfach raus. Mich interessieren vor allem die Fachbereiche Erdkunde, Physik und Kunst. Ich hätte auch gerne Geografie studiert, Vulkanologie finde ich sehr spannend. Dazu will ich mich ehrenamtlich engagieren. Und zuhause ist auch einiges liegen geblieben, ich habe genug zu tun.

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