Eine Strickerin setzt in Düren farbige Akzente

Von: Margret Vallot
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Umgarnt seit Monaten den öffentlichen Raum in Düren: Jasna Strick. Sie und ihre Kolleginnen und wenigen Kollegen machen graue Städte ein wenig bunt. Im Hintergrund: die Marienkirche. Foto: Margret Vallot

Düren. Im Stadtpark und in der Fußgängerzone, an diversen Geländern und an Laternenpfählen hat man sie schon gesehen: kleine, farbenfrohe Handarbeiten von Jasna Strick. Alle Teile sind sorgfältig gearbeitet und liebevoll montiert. Wer sie bemerkt, fragt sich im Vorübergehen: Wer macht so etwas und warum?

Anderthalb Stunden hat Jasna Strick an der kleinen Schnecke gearbeitet, die sie jetzt mit braunen Fäden am Geländer der Außentreppe des Hoesch-Museums anbringt. Wie lange die Schnecke dort bleiben darf, weiß Jasna nicht. Sie überlässt ihre Arbeit sozusagen ihrem Schicksal. Mit ihren Handarbeiten mischt sich die Dürenerin seit Sommer vorigen Jahres in die Gestaltung des öffentlichen Raums ein und ist zugleich Teil einer internationalen Bewegung. In der ganzen Bundesrepublik und auch in den USA ist die „Yarn Bombing” genannte Veränderung von Geländern und Statuen, Bäumen, Gittern und Fassaden zu beobachten. Mit Jasna ist diese Bewegung an der Rur angekommen.

Ist „Yarn Bombing” Kunst? „Es ist Streetart”, sagt die 23-Jährige, die 2008 ihr Abitur auf dem Rurtal-Gymnasium absolvierte und jetzt in Düsseldorf Germanistik studiert. Als Träger für ihre Kunst wählt sie bewusst Objekte im öffentlichen Raum „die Arbeit soll allen gehören”, erklärt sie.

Als gestrickte oder gehäkelte Graffiti werden die Teile auch bezeichnet, die allerdings eindeutig und wohl auch bewusst feminin daherkommen. Als eine Art Ergänzung zur männlich dominierten Graffiti-Szene sieht Jasna ihre Aktivitäten, und so charakterisieren mittlerweile auch Fachleute in einschlägigen Büchern das „Yarn Bombing”. In Düren beobachtet die Strickerin gern die Passanten, und wie sie auf das plötzliche Auftauchen von bunten Handarbeiten reagieren. Viele sind misstrauisch. Die Strickarbeit wirkt verstörend, obwohl sie hübsch anzusehen ist.

Mehrere Anliegen verfolgt die junge Frau mit ihren gestrickten Verschönerungen: So soll ein typisch weibliches Handwerk mit einem verstaubten Image quasi rehabilitiert und ins Blickfeld gerückt werden. Jasna möchte außerdem kreativ werden, ohne einen Auftraggeber und ohne Besitzansprüche zu erheben. Es soll etwas entstehen, das allen gehört „so wie der öffentliche Raum allen Dürenern gehört”. Sie möchte nicht zuletzt Akzente setzen an Orten, Plätzen und Stellen in der Stadt, die sie entweder besonders schön oder besonders hässlich findet. Bevorzugt werden Farben und Formen, die graue Städte wieder bunt machen.

Dabei fragt sie sich gelegentlich schon: „Ist das jetzt eigentlich Sachbeschädigung?” Und sie gibt zu, sie weiß es nicht. In anderen Städten sind übrigens schon deutlich größere Arbeiten aufgetaucht. Das sind Gemeinschaftsarbeiten, erzählt die junge Frau. Strickerinnen arbeiten nicht immer allein. Im Gegenteil.

Ohne Auftrag ein Geländer zu schmücken, das muss im Museum gefallen haben. Der Schnecke erging es besser als ihren Vorgängern: Sie war am Abend noch nicht verschwunden.
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