Eine Stadt aus Wellpappe, die es sonst nirgendwo gibt

Von: Isabelle Hennes
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Martin Spengler ist Bildhauer.
Martin Spengler ist Bildhauer. Im Rahmen des Dürener „Summers of Paper” hat er sein Atelier ins Papiermuseum verlegt. Foto: Isabelle Hennses

Düren. An den Werkzeugen, mit denen Martin Spengler seine Arbeit erledigt, hat sich nicht viel geändert. Vor seinem Studium der freien Kunst war er Zahntechniker - jetzt ist er Bildhauer. Dass er sich für ein Kunststudium entschieden hat, kommt nicht von ungefähr.

Schon sein Großvater hat die Bildhauerei als Hobby betrieben. Martin Spengler ist 37 Jahre alt. Momentan verbingt er im Rahmen des „Summer of Papers” viel Zeit in Düren. Täglich können Besucher des Papiermuseums den gebürtigen Kölner bei seiner Arbeit beobachten.

Seit drei Jahren beschäftigt er sich mit seiner Städteserie. Das Matrial, mit dem er arbeitet, ist Karton; sein Werkzeug ein selbstentwickelter Cutter mit einem speziellen Griff. Die entstehenden Wellpappenreliefs sollen den Eindruck einer Stadtidee vermitteln. „Es geht um eine Satdt, die überall sein könnte: ohne ein individuelles Straßenleben, ohne architektonische Besonderheiten”, erklärt Spengler seine Kunstwerke. „Die Idee der Stadt steht im Vordergrund.”

Als Vorlage für seine Kunstwerke nutzt er sowohl eigene, als auch fremde Fotos von Städten. Allerdings werden diese nicht einfach eins zu eins auf den Wellpappenreliefs abgebildet, sondern während der Bearbeitung setzt Spengler ihnen seinen eigenen Stempel auf.

Im vergangenen Jahr ist er in Athen gewesen, um Ideen für seine Städtereihe zu sammeln. „Man kann als Künstler nicbt ständig neue Sachen entwickeln, weil einfach das Geld dafür fehlt”, erläutert Spengler. Während seiner Zeit als Kunststudent habe er teilweise 12 000 Euro Materialkosten pro Jahr ausgegeben. Dieses Geld müsse erstmal verdient werden. „Da habe ich manchmal auf Heizung und gutes Essen verzichtet.” Nur alle zwei Jahre könne er in einen Prototyp investieren, mehr ginge nicht.

Der Verzicht hat sich gelohnt: Durch die Arbeit in der Kunstszene als Student habe er Kontakte zu interessanten Leuten knüpfen können, die ihm heute zugute kommen, zum Beispiel wenn es darum geht, mit einem Galleristen in Kontakt zu treten. Am Prototyp zur Städtereihe habe er sechs Monate gearbeitet, das Kunstwerk hat eine Größe von 2,20 Meter mal 3 Meter. Auf Farben verzichte er bei seiner Arbeit: „Durch die schwarz-weiß Färbung kommt der Raum viel besser zur Geltung.”

Die Ideen seiner Werke enstehen zunächst in seinem Kopf. Dann dauert es ein bis zwei Jahre, bis es Vorskizzen gibt. „Während eines Projekts bin ich aber im Kopf dann immer schon beim nächsten”, berichtet Spengler. Er versteht seine Tätigkeit als Job, denn schließlich möchte er von seiner Arbeit leben können. „Es ist eine Arbeit ohne Ferien. Ich habe eine Woche mit sechs oder sieben Arbeitstagen.” Nach einer Ausstellung könne es vorkommen, dass er erstmal eine Woche krank ist. „Mein Hauptziel ist es, in ein bis zwei Jahren mal ohne schlechtes Gewissen eine Woche frei zu haben”, sagt Spengler. Ob sich sein Werk in Düren viele Leute anschauen, darüber habe er sich wenig Gedanken gemacht. „Mir geht es um das Wecken von Interesse.”

Seit der Eröffnung seines Ateliers ist das gelungen. Vergangenen Sonntag haben rund 70 Museumsbesucher bei ihm vorbeigeschaut, innerhalb der Woche sind es häufig Schulklassen, die Spengler Fragen zu seinem Dasein als Künstler und zu seinem Werk stellen. Ein Ziel hat er dann doch noch für die Zukunft: Anstelle seines Cutters möchte er sich ein automatisch betriebenes Werkzeug anfertigen lassen, damit er seine Arbeit weiter präzisieren kann.
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