„Eine Oase der Friedfertigkeit ist Düren nicht”

Von: Margret Vallot
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Angeklagte und Zeugen von Verbrechen durchschreiten dieses eindrucksvolle Portal. Dahinter wird Recht gesprochen. Foto: Margret Vallot

Düren. In der Kriminalitätschronik der Stadt Düren wird ein Verbrechen mit Sicherheit Erwähnung finden: der brutale Überfall auf ein Juwelier-Ehepaar am Abend des 21. September diesen Jahres. Zwei alte Menschen, 73 und 74 Jahre alt, die sich ohnehin gegen Jüngere nicht wehren können, wurden brutal zusammengeschlagen. Wegen Schmuck. Wegen ein paar Armbändern, Ringen und Uhren.

Bis heute haben sich die beiden Überfallenen noch nicht erholt, sie befanden sich wochenlang in Lebensgefahr. Und die Polizei hat laut Staatsanwaltschaft derzeit noch nicht mal einen konkreten Hinweis auf die Täter.

„Eine Oase der Friedfertigkeit ist Düren nicht”, sagt Oberstaatsanwalt Robert Deller spontan auf die Frage, ob es sich in Düren gefährlicher lebt als anderswo. Deller ist immer dann als Ansprechpartner für die Presse zuständig, wenn an der Rur ein Verbrechen wie Mord und Totschlag, Vergewaltigung oder Raub geschieht. In Aachen, wo Deller ebenfalls den Überblick hat, gebe es wegen der Größe der Stadt selbstverständlich mehr Kriminalität. Aber, so Deller, „Düren ist nicht ohne!”.

Beim Rückblick auf das, was skrupellose Menschen 2010 an der Rur anrichteten und wofür sie sich vor Gericht verantworten mussten, gibt der Oberstaatsanwalt zu bedenken: Die Nähe zur Grenze bewirke, dass die Zahl der Delikte und Anklagen wegen Drogenbesitz hier erheblich höher ist als anderswo. So hatte das Dürener Schöffengericht auch 2010 wieder mehrfach über Täter zu richten, die - um an Geld für Drogen zu gelangen - außer Rand und Band gerieten. Gleichwohl: Die Verurteilung ist Routine im Amtsgericht.

Spektakulär war indes 2010 der Fall des 44-Jährigen, der Kinder von seinem Computer aus in ihren Zimmern ausspähte. Der Prozess lief unter großem Medieninteresse ab, der Angeklagte kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Für Kriminalrat Ingo Wünsch, Leiter der Direktion Kriminalität in Düren, gehört genau diese neue Form kriminellen Handelns zu dem, was er mit 2010 für immer verbinden wird. Er und seine Kollegen mussten sich 2010 außerdem mit „phishing” und „skimming” befassen, also mit einer Betrugsserie an Geldautomaten, von der viele Menschen betroffen waren und sind. Auch das hatte es zuvor im Kreis Düren in dem Ausmaß noch nicht gegeben.

Gelegentlich standen 2010 auch Erwachsene vor Gericht, weil sie ihre Meinungsverschiedenheiten nicht mit Worten, sondern handgreiflich austrugen. Im Januar wurde eine Dürenerin verurteilt, weil sie mit einem Küchenmesser auf ihren Ehemann losgegangen war. Im Februar stand ein 32-Jähriger vor Gericht, der seinen Gegner mehrfach in Gesicht und Bauch getreten hatte. Ebenfalls im Februar ging es vor Richter Hans-Georg Wingen um einen Mann, der einen Rentner krankenhausreif geschlagen hatte. Der Rentner hatte lediglich um Einhaltung der Nachtruhe in einem Mietshaus gebeten.

Im April ging es vor Gericht um einen 38-Jährigen, der seinem Gegenüber ein Messer in den Bauch gerammt hatte. Das Gericht befand allerdings: Es war Notwehr. Im April stand außerdem ein Mann vor Gericht, der seine Frau so sehr gewürgt hatte, dass sie schlimme Würgemale am Hals davontrug. Und in Langerwehe schießt im Sommer ein Sohn (32) mit dem Luftgewehr auf seinen Vater (60).

Zwei Tote hat jener junge Mann auf dem Gewissen, der sich im August vor Gericht verantworten musste. Betrunken hatte er sich ans Steuer seines Wagens gesetzt, kam in rasender Fahrt von der Straße ab, was seine beiden Beifahrer (23 und 22 Jahre alt) nicht überlebten.

Im Dezember schreckte zuletzt der Fall einer Toten, die im Nordpark auf einer Bank sitzend gefunden wurde, die Öffentlichkeit. Sie wies Stichverletzungen im Oberkörper auf und konnte zunächst nicht identifiziert werden. Vom Täter gibt es, genau wie im Fall des Juwelier-Ehepaares noch keine Spur.
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