Eine Leben ganz für die Musik

Von: Sandra Kinkel
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Franz Mohr hat eine Schwäche für Bienenstich. Klar, dass es diesen Kuchen zu seinem Geburtstag gab.

Merzenich. Wenn Franz Mohr anfängt zu erzählen, möchte man sich am liebsten zurücklehnen und zuhören. Der frühere Chef-Konzerttechniker von „Steinway & Sons“ in New York ist ein unglaublich guter Erzähler.

Und er hat in seinem Leben unglaublich viel erlebt. Mohr ist in Düren in der heutigen Sachsenstraße aufgewachsen. Beim schrecklichen Angriff des 16. Novembers 1944 ist einer seiner beiden Brüder ums Leben gekommen. Der andere ist im Krieg gefallen. „Es war schlimm für meine Eltern, dass ich nach New York ausgewandert bin“, sagt Franz Mohr. „Aber ich habe dort mein Glück gefunden.“

Außergewöhnliches Gehör

Franz Mohr hat ein außergewöhnliches Gehör, und er stammt aus einer musikalischen Familie. Weil er aufgrund von immer wiederkehrenden Sehnenscheidenentzündungen kein Berufsmusiker werden konnte, hat er eine Lehre als Klaviertechniker gemacht und die nach anderthalb Jahren, also in deutlich verkürzter Zeit, mit der Meisterprüfung vor der IHK Aachen beendet. 1962 ist Franz Mohr mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern nach Amerika gegangen. „Ich hatte in einer Zeitung gelesen, dass ein Pfarrer Auswanderern helfen würde. Und so war es auch.“

In New York hat Franz Mohr sich von Anfang an heimisch gefühlt – beruflich und privat. Ziemlich schnell nach seiner Ankunft in den USA wurde Mohr Assistent des damaligen Chef-Klavierstimmers Bill Hupfer. Schon bald hat er dessen Position eingenommen. Weltberühmte Pianisten wie Vladimir Horowitz oder Maurizio Pollini wollten sich ihre Konzertflügel am liebsten nur von ihm stimmen lassen. Einige hat er sogar auf ihren Konzertreisen um die ganze Welt begleitet. „Ich weiß gar nicht, ob ich ein besserer Klavierstimmer bin als andere“, sagt Franz Mohr und lacht sein unnachahmliches Lachen. „Aber ich liebe Menschen und kann gut mit ihnen umgehen. Auch wenn sie etwas schwierig sind, wie einige der Pianisten.“ Er habe einfach einen guten Draht zu den Künstlern. Und vor allen Dingen eine riesige Portion Humor. Als der berühmte Arthur Rubinstein einmal kurz vor Konzertbeginn einen Auftritt absagen wollte, weil der junge Franz Mohr die Klaviertasten gereinigt hatte und die jetzt für den Maestro zu rutschig waren, ist der Klaviertechniker kurzerhand mit einer Dose Haarspray auf die Bühne gegangen. „Die Leute haben geklatscht, und ich habe mich verneigt“, sagt Mohr und lacht.

„Aber das Spray hat die Tasten griffig gemacht, Rubinstein konnte spielen.“ Er sei immer dann glücklich gewesen, so der dreifache Vater, wenn die Pianisten auch glücklich gewesen seien. „Das war immer mein Ziel. Und besonders wohl haben wir uns in den alten Konzerthallen gefühlt. Da gibt es einfach die allerbeste Akustik. Am meisten liebe ich die Carnegie Hall in New York.“

Ein Leben ohne Arbeit kann Franz Mohr sich genauso wenig vorstellen wie ein Leben ohne Musik. „Wenn ich nicht mehr arbeiten kann“, sagt der Mann, der seinen Dürener Dialekt auch nach 52 Jahren Amerika immer noch nicht abgelegt hat, „gehe ich ein wie eine Primel.“ Am Samstag startet er eine große Tournee durch Österreich, die Schweiz und Luxemburg. Demnächst wird er mit dem berühmten chinesischen Pianisten Lang Lang einen Flügel für ein Instrumentenmuseum in Arizona aussuchen. „Mit Lang Lang habe ich noch nie zusammengearbeitet“, sagt Franz Mohr. „Aber vielleicht kommt das noch.“

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