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Eine Frau, die ihre Hilfe anbietet

Von: Sandra Kinkel
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Elke Stöber besucht alle Neugeborenen in Düren. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Elke Stöber ist eine fröhliche, sympathische Frau. Eine, die auf Menschen zugehen kann. Und genau das sind Eigenschaften, die die 50-Jährige für ihren Job auch dringend braucht. Seit April vergangenen Jahres besucht die Diplom-Sozialarbeiterin alle Eltern neugeborener Babys an der Rur. Im Auftrag der Stadt Düren.

Über 200 Familien hat Elke Stöber schon besucht, und dabei durchweg positive Erfahrungen gemacht. „In der Schwangerschaft und rund um die Geburt gibt es für die Frauen und die Familien jede Menge Hilfe und Information. Aber danach hört das dann plötzlich bis zum Kindergarten auf. Und genau da möchte ich ansetzen.”

Elke Stöber kommt mit umfangreichem Informationsmaterial und kleinen Geschenken zu den Familien, rund eine Stunde dauert ihr Besuch.

„Vorher bekommen die Leute einen Brief vom Jugendamt, in dem mein Besuch angekündigt wird. Und selbstverständlich können die Leute auch sagen, dass sie nicht wollen, dass ich sie besuche. Und dann mache ich das auch nicht.”

Aber: Elke Stöber kontrolliert die Familien nicht. „Ich gucke mir nicht die Kinderzimmer an, und es kommt auch vor, dass ich die Babys überhaupt nicht zu Gesicht bekomme.” Elke Stöber will beratend tätig sein, bei Bedarf stellt sie auch Kontakte zu anderen Stellen her. „Ich sage den Eltern zum Beispiel, wo sie wirtschaftliche Hilfen bekommen können. Oder wo es Kinderbetreuung für Alleinerziehende gibt.” Viele seien anfangs skeptisch, so Stöber. „Aber nach meinem Besuch sind sie froh über die vielen Informationen, die sie bekommen haben.”

Natürlich, so Elke Stöber weiter, sei sie auch schon in Familien gewesen, wo die Eltern offenbar mit einem Säugling überfordert waren. „Und das spreche ich dann auch an. Und sage den Eltern, wo sie Hilfe finden. Aber noch mal: Ich habe keine Kontrollfunktion.”

Das sieht auch Manfred Savelsberg, Leiter des Dürener Jugendamtes so: „Der Neugeborenen-Besuchsdienst gehört natürlich zum Aktionsprogramm âFrühe HilfeÔ. Und ganz sicher geht es auch um Prophylaxe. Aber wir wollen den Leuten keine Angst machen, indem sie sich kontrolliert fühlen. Im Gegenteil: Wir wollen Schwellenängste vor dem Jugendamt abbauen.”

Elke Stöber geht noch einen Schritt weiter: „Klar, muss ich es den Kollegen vom Allgemeinen Sozialen Dienst melden, wenn ich denke, dass ein Kind absolut unterversorgt ist. Aber das müsste jeder Nachbar auch.” Zum Glück ist so ein Fall der 50-Jährigen aber bis jetzt noch nicht untergekommen. „In den allermeisten Familien ist alles in Ordnung, und kleine Schwierigkeiten lassen sich leicht durch die entsprechenden Beratungsstellen beheben.”

Elke Stöber hat eine Halbtagsstelle, deswegen besucht sie jetzt erst die Babys, die im September geboren sind. „Mehr als zehn, elf Besuche in der Woche schaffe ich einfach nicht.” Das sei schade, zumal sich ihre Besuche langsam rumsprechen würden.

Die Sozialarbeiterin, die übrigens selbst Mutter von fünf Kindern zwischen elf und 22 Jahren ist, ist überhaupt der Meinung, dass ihre Arbeit durchaus noch ausbaufähig sei. Sie fände es gut, wenn sie manche Familien noch ein zweites Mal besuchen könnte. „Einfach um zu gucken, wie die Leute mit den angebotenen Hilfen zurecht kommen. Oder ob sie sie überhaupt angenommen haben.

Aber das sieht die Stelle nicht vor. Ich besuche die Leute wirklich nur ein Mal.” Auch fehlt ihr im Augenblick einfach die Zeit, die Informationsmappe, die sie den Eltern mitbringt auf den neuesten Stand zu bringen. „Am einfachsten wäre es wirklich, eine zweite Halbtagskraft für den Besuchsdienst einzustellen. Aber das ist wohl aufgrund der aktuellen Haushaltslage nicht möglich.”

Manfred Savelsberg ergänzt: „Wir wollen auf jeden Fall verhindern, dass Ehrenamtliche diesen Besuchsdienst übernehmen.” Derzeit gäbe es interne Gespräche, wie man Elke Stöber unter die Arme greifen könne. „Denkbar wäre zum Beispiel, dass die Mitarbeiter der Familienzentren in ihrem Einzugsgebiet den ein oder anderen Besuch übernehmen. Oder Kollegen aus unserem ambulanten Dienst, wenn wir die zusätzlich beantragten vier Stellen bekommen.”

In neun Monaten 216 Familien besucht

Um die 800 Babys werden jedes Jahr in Düren geboren. Elke Stöber besucht pro Woche zehn bis elf Familien, das heißt, die Diplom-Sozialarbeiterin kann nur 400 Jungen und Mädchen pro Jahr zu Hause aufsuchen.

Zwischen April und Dezember 2009 hat Elke Stöber 216 Familien in Düren besucht. Acht Familien haben ihren Besuch abgelehnt, fünf haben ihr Begrüßungspaket im Rathaus abgeholt. Derzeit besucht Elke Stöber Eltern, deren Kinder im September geboren worden sind.

Nähere Informationen zum Besuchsdienst für Neugeborene gibt es unter 02421/252173.

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