Merzenich - Einbahnstraßenkonzept: Gelhausen stellt Not-Stopp und Abstimmung in Aussicht

Einbahnstraßenkonzept: Gelhausen stellt Not-Stopp und Abstimmung in Aussicht

Von: Markus Niederhöfer und Burkhard Giesen
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Die Verkehrsplaner Thomas Rödel und Kai Pachan erläutern mit Bürgermeister Georg Gelhausen und Moderator Stephan Johnen (von rechts) das Verkehrskonzept für Merzenich. Foto: Markus Niederhöfer

Merzenich. Gleich zwei Versprechen musste der Merzenicher Bürgermeister Georg Gelhausen (CDU) am Samstag in der Weinberghalle bei der Diskussion um das heftig umstrittene Einbahnstraßenkonzept für die Kommune abgeben: Ja, man werde den Modellversuch abbrechen, sollte es zu Problemen kommen.

Und: Bei einem erfolgreichen Verlauf des Tests sollen die Bürger möglichst über eine endgültige Umsetzung entscheiden können.

Ein ganzheitliches Konzept für die Regulierung der Verkehrsprobleme in der Gemeinde – das ist es, was sich sowohl die Merzenicher Bürger als auch die beauftragten Verkehrsplaner Thomas Rödel und Kai Pachan wünschen. Dass die Umsetzung dieses Konzeptes alles andere als einfach ist, wurde in der Informationsveranstaltung schnell deutlich.

Moderiert von Stephan Johnen, erläuterten zunächst Thomas Rödel und Kai Pachan das Verkehrskonzept, das im Sommer in einem Versuch getestet werden soll. Es sieht im Wesentlichen eine Einbahnstraßenregelung in Verbindung mit Tempo-30-Zonen vor, um so den Durchgangsverkehr möglichst auf die Umgehungsstraßen zu leiten. „Während der Entwicklung unserer Ideen haben wir viele Problemnennungen und Lösungsvorschläge erhalten, die wir in dem Konzept berücksichtigen“, betonte Kai Pachan.

Eines der Probleme aus Sicht der Planer: Komplette Fahrverbote oder Sperrungen seien rechtlich nicht umsetzbar. Auch die Einrichtung von Mittelinseln, Zebrastreifen, Kreisverkehren oder Rad- und Fußwegen hätte aufgrund von hohen Auflagen und Platzmangel wenig Aussicht auf Erfolg.

Die Einbahnstraßenregelung betrifft im Kernmodell den Bereich Dürener Straße/Bahnstraße/Lindenstraße. Zudem sollen sogenannte „unechte“ Einbahnstraßen eingerichtet werden. Auch der Radverkehr würde profitieren, da ein freier Fahrstreifen für Radfahrer entstehe. Der Stau, der sich regelmäßig am Lindenplatz entwickelt, würde nach Ansicht der Planer entfallen und auch die dadurch bedingten Verspätungen der Buslinie.

Das bezweifeln viele der rund 450 Bürger, die zu der Veranstaltung gekommen waren. Das größte Problem: Es entstünden deutliche Umwege für Einheimische. Zudem wird befürchtet, dass sich die Einbahnstraßen zu „Raser-Strecken“ entwickeln oder auf beiden Seiten parkende Autos Busse künftig noch mehr behindern könnten. Auch der ehemalige Bürgermeister Hermann-Josef Werres riet vehement von der Einbahnstraßenregelung ab. Der Durchgangsverkehr würde morgens und abends stattfinden, darauf solle man sich konzentrieren und keine Dauerbelastung schaffen.

Viele äußerten zudem Bedenken zu den Tempo-30-Zonen. Ohne Kontrolle würden die neuen Regeln nicht eingehalten. Bürgermeister Georg Gelhausen sind beim Thema Tempokontrollen jedoch die Hände gebunden. „Es ist aufgrund der Vorgaben vom Kreis sehr schwer, regelmäßige Radarkontrollen durchzuführen. Im Dialog mit der Polizei wollen wir jedoch erreichen, dass der Modellversuch von Kontrollen begleitet wird“, betonte er.

Klares Stimmungsbild: Nein

Das Stimmungsbild bei der Versammlung war eindeutig, wenn auch nicht repräsentativ: Die Mehrheit der anwesenden Bürger lehnte das Einbahnstraßenkonzept ab. Am 17. Mai muss der Rat nun entscheiden, ob der Modellversuch wie geplant durchgeführt werden soll. Gelhausen: „Wir werden jetzt ein Feinkonzept erstellen und die Anregungen einarbeiten. Zudem wollen wir überlegen, wie Varianten aussehen könnten. Auf dieser Grundlage kann der Rat entscheiden.“

Gelhausen selbst sprach sich klar für den Modellversuch aus. „Es wird sich sehr schnell zeigen, ob es funktioniert. Sollte es zu Problemen kommen, muss man den Stecker ziehen. Sollte es erfolgreich sein, wäre es gut, wenn die Bürger vor einer endgültigen Einführung selbst darüber abstimmen dürften.“ Dieses Verfahren will Gelhausen auch dem Gemeinderat vorschlagen.

 

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