Düren - Ein Schrotthändler im Dauerstress

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Ein Schrotthändler im Dauerstress

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
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Schrotthändler Gerd Saengersdorf hat derzeit viel zu tun. Dank der Abwrackprämie werden in Düren viel mehr Autos verschrottet als sonst. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Gerd Saengersdorf ist in diesen Tagen ziemlich im Stress. Mindestens vier Überstunden täglich fallen für den 43-Jährigen an, und das, obwohl er für seinen Betrieb an der Brückenstraße in Düren sogar einen zusätzlichen KFZ-Mechaniker eingestellt hat.

Und alle seine sieben Mitarbeiter auch um die sechs Überstunden pro Woche „schieben”. Gerd Saengersdorf ist Schrotthändler. Seit 20 Jahren schon, seit sieben mit eigenem Betrieb. Offiziell heißt das Autoverwerter, aber Saengersdorf ist auch nicht beleidigt, wenn man ihn Schrotthändler nennt. „Das sagt der Volksmund halt, das ist okay.”

In normalen Zeiten hatte Gerd Saengersdorf pro Monat in seinem Betrieb 30 Autos zu verwerten, in guten Zeiten manchmal auch 40. „Aber im Februar 2009 waren es 378 Fahrzeuge. Dank der Abwrackprämie.”

Für Saengersdorf sind die 2500 Euro Umweltprämie, die das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) auszahlt, wenn man sich für sein mindestens neun Jahre altes Fahrzeug ein neues Auto zulegt, ein Segen, jedenfalls noch. „Im Augenblick haben wir sehr viel Arbeit. Und das ist natürlich toll. Aber was ist, wenn alle ein neues Auto haben und die Aktion vorbei ist?”

Wer heute sein altes Auto zu Gerd Saengersdorf auf den Schrottplatz bringt, muss zunächst mit Hilfe des gelernten KFZ-Mechaniker-Meisters ziemlich viel Papierkram erledigen. Saengersdorf: „Wir füllen einen Verwertungsnachweis aus mit Informationen über den Halter, das Fahrzeug und unseren Betrieb. Dann geht der Fahrzeughalter zum Straßenverkehrsamt, meldet das Auto ab, kriegt einen Stempel und kommt wieder zu mir zurück. Und dann stellen wir den Antrag zur Umweltprämie an das Bundesamt. Von dort werden auch die 2500 Euro überwiesen. Das Auto bleibt hier, und wir erledigen den Rest.”

Will heißen, das Fahrzeug wird auseinandergebaut. Alle Flüssigkeiten wie Benzin, das Scheibenwischwasser, Öl oder die Bremsflüssigkeit müssen raus, danach werden Teile wie Motor oder Antriebswelle ausgebaut. Auch noch gut erhaltene Autotüren oder Kotflügel werden abmontiert.

Saengersdorf: „Diese Sachen können wir dann verkaufen. Und das ist auch das, woran wir verdienen.” Der Rest des Autos wird abgeholt und geschreddert. Daran verdiene er nichts mehr, sagt Saengersdorf. Die Schrottpreise seien im Keller. Und überhaupt könne er sich wegen der Masse an Arbeit glücklich schätzen, dass die Autowrackteile bei ihm noch kostenlos abgeholt würden.

Alles in allem, betont Saengersdorf, hätten er und seine Mitarbeiter sehr viel Arbeit, weswegen für die Halter der alten Fahrzeuge noch einmal eine Gebühr von 50 Euro plus Mehrwertsteuer an den Schrotthändler fällig wird. Saengersdorf: „Dafür bekommen die Leute von mir aber ja auch einen Stempel, der 2500 Euro wert ist.”

Übrigens ist Gerd Saengersdorf froh, dass die Regelungen zur Abwrackprämie mittlerweile modifiziert worden sind, und die Fahrzeugbriefe nicht mehr beim Schrotthändler bleiben. „Erstens spart das Verwaltungsarbeit”, so der Dürener Schrotthändler, „und zweitens ist damit endlich der Verdacht vom Tisch, dass wir die Autos gar nicht verschrotten, sondern illegal weiter verkaufen.”

Bei manchen Fahrzeugen, die zu Gerd Saengersdorf zum Verwerten und Verschrotten gebracht werden, blutet dem Mann schon ein bisschen das Herz. „Da sind echt gute Autos dabei”, sagt er. „Aber da kann man nichts machen.”

Gerd Saengersdorf muss langsam wieder an seinen Arbeitsplatz. Ein Kleinwagen muss dringend auf die Arbeitsbühne gebracht werden. „Ich habe echt zu tun”, sagt er entschuldigend. Aber er lächelt dabei. „Arbeit ist ja eigentlich sehr gut. Und bis wir hier all die Arbeit der Abwrackprämie erledigt haben, haben wir noch mindestens zwei Jahre zu tun. Das macht Mut.”
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