Düren - Ein Multiplikator für Toleranz

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Ein Multiplikator für Toleranz

Von: Burkhard Giesen
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Jakob Richers geht im August für ein Jahr nach Jerusalem und arbeitet im Foto: Burkhard Giesen

Düren. Bis August will Jakob Richers noch Arabisch und Hebräisch lernen. Der Abi-Stress ist für den Noch-Schüler des Stiftischen Gymnasiums dann vorbei und Richers erfüllt sich einen Traum, den in dieser Form nicht so viele Jugendliche haben: er wird für ein Jahr, mitten in Jerusalem, einen Freiwilligendienst leisten.

Richers, der sich politisch bei den Jungsozialisten engagiert, wird knapp 13 Monate lang im Willy-Brandt-Zentrum arbeiten, das sich dem Austausch von israelischen, palästinensischen und deutschen Jugendlichen verschieben hat. Eine praktische Initiative für den Frieden in Nahost also, und ein „kleiner Beitrag”, den Richers für diesen Frieden beisteuern will. Dass er sich auf diesen Friedensdienst freut, spürt man förmlich. Er strahlt und und sagt Sätze wie „Das ist ein einzigartiges Projekt, und ich darf da einfach mitarbeiten.” Auch ganz ohne Berufsausbildung, einfach so nach dem Abitur.

Jakob Richers wird vor Ort helfen den Jugendaustausch zu organisieren, Jugendgruppen vor Ort betreuen, im politischen Café des Zentrums arbeiten - und vor allem sich selbst und seine Erfahrungen in politischer Arbeit einbringen. Schließlich geht es darum, den Dialog zwischen Israelis und Palästinensern zu fördern, verkrustete Strukturen aufzubrechen, neue Sichtweisen einzubringen. „Ich will das jetzt machen, weil ich davon überzeugt bin, dass es eine sehr wichtige Arbeit ist, zu der ich sonst vielleicht nie wieder komme”, sagt Richers, der vor zwei Jahren an dem Jugendaustausch mit der Stadt Nesher in Israel teilgenommen hat und auch 2009 einen Austauschschüler aus Israel in Düren zu Gast hatte.

„Unfassbar schön” sei die Region in Israel, die er damals besucht hat, weil er sich selbst mit jungen Israelis auseinandersetzen wollte und den Schulstoff „Nahostkonflikt” im 11. Schuljahr nicht als für ihn abgehandelt betrachtete.

„Dieser Austausch hat mich sehr stark geprägt”, sagt er. Ohne ihn würde er vermutlich den Freiwilligendienst nicht in Angriff nehmen. Denn: „Ich hatte in Israel tolle Begegnungen. Aber als ich wieder zurück war, habe ich gemerkt, dass das Bild nicht vollständig war. Ich hatte mit keinem Araber gesprochen.” Das kann er ab August nachholen und mit dazu beitragen, dass auch israelische mit arabischen Jugendlichen sprechen. Das geschehe noch viel zu wenig, weiß Richers nicht nur von seinem Austauschschüler.

Eine Vermittlerrolle will er dabei vor Ort nicht einnehmen, „aber wir können von unseren Erfahrungen erzählen”. Die seien oft ähnlich, sagt Bundestagsabgeordneter Dietmar Nietan, der Förderer des Willy-Brandt-Zentrums ist und Richers in Jerusalem besuchen will. „Wenn junge Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander reden, stellen sie fest, dass sie die gleichen Alltagsprobleme haben”, so Nietan. Kritisch sieht er, dass die Stadt Düren den Jugendaustausch mit Israel gestoppt hat. „Ich halte es für unüberlegt, so ein Projekt zu gefährden, junge Menschen für Multiplikatoren von Toleranz zu machen. Das ist unsensibel.” Jakob Richers sagt das mit seinen Worten: „Das ist unfassbar schade, dass der Jugendaustausch nicht weitergeführt werden kann.” Er hat bis heute davon profitiert.
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