Ein Kreuzweg, der Kontroversen auslöst

Von: Bert van Londen
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: Ende gut, alles gut. Der aus
Ende gut, alles gut. Der ausführende Künstler, Pater Laurentius Englisch (rechts) und der Klosterobere, Guardian Bruder Wolfgang Mauritz freuen sich, dass der kunstvolle Kreuzweg seinen endgültigen Bestimmungsort im Vossenacker Franziskanerkloster gefunden hat. Foto: van Londen

Vossenack. Pünktlich, zwischen Fastenzeit und dem Osterfest, finden in der Krypta des Klosters Vossenack 14 Stationen eines ganz besonderen Kreuzgangs ihren endgültigen Bestimmungsort. Das eindringliche Kunstwerk aus dem Atelier des bekannten Künstler, Pädagogen und Franziskanermönches Pater Laurentius Englisch (OFM), hat in den vergangenen Jahren eine wahre Odyssee hinter sich gebracht, bevor es nun wieder zu seinem Entstehungsort zurückgekehrt ist.

Ursprünglich wurde der Kreuzweg für die Katholische Kirchengemeinde in Monschau-Kalterherberg konzipiert. Doch Pater Laurentius wäre nicht er, wenn die einzelnen Stationen keinen - ihm typischen - zeitgenössischen Bezug hätten, der die Menschen wachrüttelt und antreibt, darüber kontrovers nachzudenken und zu reden. So auch in Kalterherberg.

Am Ende der Überlegungen und Diskussionen entschlossen sich die Pfarrgremien, den Kreuzweg lieber nicht in ihrer Kirche St. Lambertus aufzustellen. Die Verunsicherung durch die kritische und zeitgenössische Darstellung schien den Verantwortlichen zu unkalkulierbar. Im Anschluss ging der Kreuzweg zur Pfarrkirche Heilig Kreuz der Franziskaner Gemeinschaft in Essen. Aber auch dort führten die 14 Stationen zu allerlei Kontroversen, so dass sie nun dorthin zurückgelangten, wo sie sicher auch am besten aufgehoben sind - ins Franziskanerkloster nach Vossenack.

Seit dem Mittelalter ist es eine gute Tradition, die Stationen des Kreuzweges in Andachten zu betrachten. Ungezählte Menschen fanden und finden immer wieder beim Beten des Kreuzwegs Kraft und Trost, ihr eigenes Leiden in der Nachfolge Christi besser zu bewältigen. „Der Mensch ist ein Augenwesen”, erklärt Pater Laurentius und schuf deshalb einen Kreuzweg, der den Gläubigen ermöglicht, mit dem ganzen Körper zu beten.

„Die Stationen sind so konzipiert, dass der Betrachter mit ihnen kommuniziert. Das heißt, man schaut nicht, was in dem Bild passiert, sondern was das Bild mit dem Betrachter macht. In diesem Weg erkennt sich der Mensch selber mit all seinen Nöten, in seiner Brüchigkeit und Endlichkeit”, so der Künstler und Seelsorger weiter. „Jeder kann sich alleine aufmachen, die Stationen für sich selbst zu entdecken”, lädt der Klosterobere, Guardian Bruder Wolfgang Mauritz, interessierte Menschen ein. „Unser Kloster steht da jedem offen.”

Doch was ist neben der Besonderheit, dass sich diese kunstvolle Meditation auch alleine - ohne begleitende Andacht - erschließt, so außergewöhnlich? In all seinen Kunstwerken spürt der Betrachter die kosmopolitischen Wurzeln des Ordenspriesters. Ihm ist es wichtig, seine Kunst nicht im luftleeren Raum zu belassen, sondern er stellt immer auch einen zeitgenössischen Bezug zum Leben und Glauben her.

Dabei kann er durch sein vielseitiges und profundes Wissen auf eine ihm eigene Melange aus unterschiedlichen Kulturen, geschichtlichen Zusammenhängen, Mythologien, Mystik, Politik, Psychologie und Religion zurückgreifen. Wie selbstverständlich finden diese Betrachtungsweisen auch in seinem Kreuzweg genau den Raum, die seine Kunst so unverwechselbar und nachhaltig macht.

Szenen, beispielsweise aus Auschwitz, der Kirchengeschichte, dem Leidensweg Jesu und regionalen Besonderheiten wirken in der Tat kritisch nach, jedoch nicht, ohne immer wieder gekonnt den Spannungsbogen zur Erlösung durch die Hinwendung zum Glauben zu spannen.

Die Intention des vielseitigen Künstlers wird an jeder Station überdeutlich. Seine herausgearbeiteten Überhöhungen in Acryl, Holz und Terrakotta scheinen freudig und tröstend mitzuteilen: „Der Geschundene ist der Gekrönte. Der Tote ist der Lebende!”

Stellvertretend für die vielschichtige und künstlerisch hochwertige Arbeit, die gleich mit mehreren und unterschiedlichsten Techniken wie Relief, Malerei oder Collagen umgesetzt wurde, sei hier die erste Station erwähnt. In ihr wird Jesus zum Tode verurteilt. Neben dem gefesselten und mit Dornen gekrönten Jesus, der wie in einem Grab zwischen den Hölzern des Kreuzes gezwängt dem römischen Statthalter vorgeführt wird, ergießt sich aus einem Krug Wasser über ein Foto, das die Kalterherberger Bevölkerung während der Zeit des Nationalsozialismus auf dem Dorfplatz zeigt, während sie über aktuelle Geschehnisse informiert werden.

Das Wasser sammelt sich in der so genannten Schüssel des Pilatus, so wie sie noch heute in der Liturgie - der Priester wäscht seine Hände in Unschuld - eingesetzt wird. Allerdings ist das Tablett so abgebildet, dass der Betrachter sich darin widerspiegelt. Pater Laurentius Botschaft: „Richte nicht über andere. Weder über andere, noch über dich selbst! Das ist befreiend und erlösend. Man möchte Beispiele nennen, wie der Andersdenkende oder andere Religionen.” Pater Laurentius weiß: „Indem ich mir ein Bild von meiner Not mache, habe ich sie bewältigt.”
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