Ein halbes Jahrhundert als Heiliger Nikolaus unterwegs

Von: Gudrun Klinkhammer
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So wird aus Adi Heimbach der Nikolaus: Seit 50 Jahren mimt der Rommelsheimer den Bischof von Myra. Foto: gkli
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Mit Gewand, Bart, Mitra und Bischofsstab haben ihn schon unzählige Kinder und Erwachsenen gesehen. Foto: gkli
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Waltraud Fuchs, die Frau von Nikolaus Adi Heimbach, kümmert sich mit um die Verkleidung und hilft ihrem Mann gelegentlich beim Anlegen der verschiedenen Kleidungsteile. Foto: gkli

Rommelsheim. Was passiert, wenn der Nikolaus vor erwartungsvollen Augen die Treppe herunterfällt? Oder wenn der Heilige Mann in vollem Ornat Auto fährt und neben ihm plötzlich die Polizei aufkreuzt? Adi Heimbach aus Rommelsheim weiß es, ist der gebürtige Eggersheimer doch seit genau 50 Jahren als Bischof Nikolaus unterwegs.

Als Adi Heimbach klein war, besuchte stets am Vorabend des 6. Dezembers der Nikolaus die Familie. Der 68-Jährige erinnert sich: „Als Kind hatte ich große Ehrfurcht vor dem Heiligen Mann, ebenso vor seinem Gehilfen, dem Hans Muff, der ständig polterte und mit Ketten rasselte.“ Mutter oder Großmutter hielten den kleinen Jungen im Arm, so dass große Angst nicht aufkam. Am Nikolausabend gab es Nüsse, Plätzchen und mittendrin eine Apfelsine, die aber zunächst nicht berührt werden durfte.

Diskussionen und Technik

„Das hat sich heute grundlegend geändert“, weiß Adi Heimbach. Als Bischof Nikolaus möchte er den Kindern und Erwachsenen, die er besucht, auf keinen Fall Angst einjagen. Aber manchmal wünscht er sich schon ein wenig mehr Respekt. Inzwischen ist es so: „Die Kids diskutieren mit dir und man muss auch als Nikolaus unglaublich viel von moderner Technik verstehen.“

Als Adi Heimbach 18 Jahre alt war, wurde er zunächst gefragt, ob er im Ort den St. Martin mimen könne. Gesagt, getan. Hoch zu Ross absolvierte der gelernte Maschinenschlosser die St.-Martins-Kür. Nach dieser gut gemeisterten Aufgabe fragte ihn der damalige Ortsvorsteher, ob er nicht auch noch den Nikolaus machen könne. Adi Heimbach sagte zu.

Seither war er in unzähligen Auftritten der Heilige Mann. Im Fliegerhorst agierte er für die Kinder der Offiziere und wurde mit einem knallroten Feuerwehrauto und Blaulicht vorgefahren. Im eigenen Betrieb, den Ford-Werken in Düren, las er auch dem Werksleiter kräftig die Leviten. Und im Kirchspiel Hochkirchen, das aus fünf Ortschaften besteht, bestreitet er als Nikolaus die Altennachmittage und zieht durch so manchen Kindergarten. „Egal, ob Alt oder Jung, die sitzen alle mit glänzenden Augen da, wenn sie den Heiligen Nikolaus sehen“, sagt Adi Heimbach über die verschiedenen Generationen.

In diesem Jahr startete Adi Heimbach seine Auftritte als Nikolaus bereits am 29. November im Wissersheimer Kindergarten. Am Freitagabend übernimmt er gleich drei Jobs und am 6. Dezember stehen vier Termine an.

In der Regel geht auch alles glatt. Die Utensilien liegen im Auto, umgezogen wird sich meist in einer Garage. Die Geschenke für die Kinder – die übrigens in den vergangenen Jahrzehnten immer üppiger wurden – warten verpackt vor der Haustüre und werden buchstäblich eingesackt, bevor es losgeht.

Einen Lerneffekt hatte ein Auftritt vor einigen Jahren in Eschweiler über Feld. Durch den hochgezogenen Bart und die tief in das Gesicht gezogene Mütze beschlug die Brille. Adi Heimbach alias Heiliger Nikolaus übersah die Stufen zu seinen Füßen und purzelte vor den Augen der Familie glatt eine Treppe hinunter. Heute noch sagt er erleichtert: „Zum Glück hatte ich mir nicht wehgetan. Ich bin aufgestanden und zog vor den verblüfften Zuschauern einfach mein Ding durch.“

Das Wichtigste am ganzen Auftritt ist, dass die Verkleidung so dicht ist, dass Bekannte keine Möglichkeit haben, den Nikolaus zu enttarnen. Handschuhe, Stulpen, dicke Stiefel und ein Messgewand, das bis auf den Boden reicht, sorgen für eine nahezu komplette Verhüllung.

Kinder gucken ganz genau

„Gerade die Kinder gucken höllisch genau hin“, weiß Heimbach. Eine Falle stellen für alle Beteiligten auch Schnuller da. Früher sackte Adi Heimbach die bei den Kindern so beliebten Teile gerne ein und nahm sie mit nach Hause, was nicht selten zur Folge hatte, dass abends die Väter vor der Türe des Nikolaus‘ standen und den Nucki zurückerbaten, weil die Kleinen ohne dieses Ding nicht schlafen konnten. Adi Heimbach sagt schmunzelnd: „Nachdem ich das ein paar Mal erlebt hatte lasse ich die Nuckis heimlich im Haus der Kinder zurück.“

Ans Aufhören denkt Adi Heimbach gelegentlich. Möglicherweise wird für ihn das 70. Lebensjahr eine Grenze darstellen, eventuell wird er aber auch dann aufhören, „wenn der Osterhase die Eier legt und gleichzeitig der Weihnachtsmann Geschenke verteilt“.

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