Kreuzau - Ein größeres Feuer mit weniger Qualm?

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Ein größeres Feuer mit weniger Qualm?

Von: Dietmar Engels
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Leere Getränkekartons sind we
Leere Getränkekartons sind wertvoller Rohstoff aber auch eine Geruchsquelle. Foto: imago/bonn-sequenz

Kreuzau. Es kommt häufiger vor, dass sich im Kreuzauer Gemeinderat alle Kommunalpolitiker einig sind, und dennoch stundenlang diskutieren, um zu einem allseits akzeptierten Endergebnis zu kommen.

So auch am Mittwoch, als der Antrag der Papierfabrik Niederauer Mühle zur Debatte statt, auch auf der neuen Papiermaschine 3 die aus Getränkekartons gewonnenen Rohstoffe verarbeiten zu dürfen. Der am Schluss einstimmig gefasste Beschluss macht die Zustimmung von der Beantwortung einer langen Reihe von sachlichen Fragen im Zusammenhang mit dem Vorhaben abhängig.

Der Kamin soll Abhilfe schaffen

Bisher wandern die zerrupften alten Getränkekartons (Markennamen Tetrapak, Combibloc und so weiter) nur in die Papiermaschine 2. Das ist - kurz gesagt - mit Gestank verbunden, unter dem die Bürger in unmittelbarer Nachbarschaft zu leiden haben.

Wie die höchst unangenehmen Gerüche genau entstehen, weiß offenbar niemand so genau. Die in dieser Frage tätige Bürgerinitiative befürchtet, dass die Belästigungen noch zunehmen, wenn der Änderungsantrag des Unternehmens genehmigt wird.

Die Firma selbst sieht das ganz anders: Im Zusammenhang mit der PM3 sei ein 55 Meter hoher Kamin gebaut werden, der die Geruchsemissionen deutlich verringern werde. Bisher stand lediglich ein 32 Meter hoher Kamin für die Abluft zur Verfügung.

Die Damen und Herren Kommunalpolitiker, insbesondere die, die dem Umweltausschuss angehören und das Thema sehr eingehend erörtert haben, bezweifeln die Behauptung des Unternehmens. Der Umweltausschuss formulierte deshalb eine lange Reihe von Fragen, deren Beantwortung Klarheit bringen soll. Darin geht es zum Beispiel (wie bereits am Mittwoch berichtet) unter anderem auch um die Aussagen in den vorliegenden Gutachten und die sorgfältige Überprüfung der Luft- und insbesondere auch der Abwasserqualität.

Vieles im Änderungsantrag der Niederauer Mühle kommt vielen Ratsmitgliedern merkwürdig vor. So darf des Unternehmen bisher 200 Tonnen Getränkekartons pro Tag verarbeiten.

Mit der Erhöhung auf 230 Tonnen wäre der Gemeinderat nach Klärung der offenen Fragen durchaus einverstanden.

In ihrem Antrag spricht die Firma selbst von einer täglichen Anliefermenge von bis zu 470 Tonnen. Wenn davon tatsächlich nur 200 oder 230 Tonnen am Tag verarbeitet würden, müsste der große Rest ins Außenlager, was insbesondere in der wärmeren Jahreszeit zu Problemen führen kann: Die Sonne heizt die Kartonberge auf und begünstigt die Zersetzung des übrig gebliebenen Inhalts, was zu Gestank führt.

Und was ist, wenn die Verarbeitungsmenge dann doch erhöht werden sollte? Ein SPD-Ratsmitglied brachte es auf den Punkt: „Ein größeres Feuer mit weniger Qualm? Das ist doch Unsinn!”

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Heidbüchel schlug vor, die an sich unstrittige Stellungnahme in allen besprochenen Punkten aufrecht zu erhalten, am Anfang jedoch den Satz „Die Gemeinde Kreuzau lehnt die Änderung der Betriebsgenehmigung ab” einzufügen.

Das lehnte die CDU entschieden ab. Der Fraktionsvorsitzende Ingo Eßer: „Wer immer diesen Satz bei der Bezirksregierung liest, der liest doch gar nicht weiter. Und es doch unser gemeinsames Interesse, dass wir schlüssige Antworten auf die vielen Fragen bekommen”.

Nach einer Sitzungsunterbrechung kam man einvernehmlich überein, die kommunale Stellungnahme so beginnen zu lassen: „Die Gemeinde Kreuzau hat erhebliche Bedenken gegen die Erteilung der Genehmigung. Sie kann ihre Zustimmung nur dann erteilen, wenn die folgende Punkte (besagte zahlreiche Fragen) hinreichend beantwortet sind”.
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