Ein Geschichtsprojekt: „Der Frieden braucht Menschen“

Von: Stephan Johnen
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Ein Zeichen für den Frieden in der Welt: Die Schüler des Vossenacker Franziskus-Gymnasiums haben am letzten Schultag vor den Sommerferien auf dem benachbarten Soldatenfriedhof eine 245 Quadratmeter große Taube „gezeichnet“. Foto: Jan Kappen
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Mehrere mit Kameras ausgerüstete Drohnen kreisten über den Köpfen der Schüler, Lehrer und Franziskaner und zeichneten die Aktion aus verschiedenen Blickwinkeln auf. Im September soll der entsprechende Film gezeigt werden. Foto: Stephan Johnen

Vossenack. Das Bild war eindrucksvoll. Etwa 500 Schüler und Lehrer des Franziskus-Gymnasiums hatten sich am letzten Schultag vor den Sommerferien nach dem Gottesdienstbesuch auf dem Vossenacker Soldatenfriedhof versammelt.

„Jedes Kreuz steht für zwei Menschen, die den Tod fanden. Zwei Menschen, die nicht viel älter als unsere Abiturienten waren. Zwei Menschen, deren flehenden Rufe nach Leben nicht gehört wurden“, erinnerte Geschichtslehrer Clemens Amendt an die Opfer des Zweiten Weltkriegs und alle Opfer von Gewalt weltweit. „Menschen brauchen Frieden – und der Frieden braucht Menschen“, sprach Amendt mahnende Worte.

Seine wahre Kraft entfaltete dieses mit Menschen gezeichnete Bild auf dem Soldatenfriedhof aus der Luft: Die allesamt mit strahlend weißen Hemden oder Polo-Shirts bekleideten Lehrer und Schüler bildeten eine gigantische, mehr als 20 Meter lange Friedenstaube. Einzelne Farbpunkte waren die Franziskaner in ihrem Habit. Zwei Drohnen, die in etwa 70 Metern Höhe über der Kriegsgräberstätte kreisten, hielten das eindruckvolle Geschehen fest. Zum Abschluss kam Bewegung in das Bild: Die Schüler ließen mehrere weiße Tauben steigen.

Diese nicht alltägliche Friedensaktion der Schulgemeinde ist Teil der Auseinandersetzung mit den Kriegsgeschehnissen 1944/45 im Hürtgenwald. Der Kreis Düren hatte Clemens Amendt und seinen Geschichtsprojektkurs im vergangenen Jahr damit beauftragt, sich mit der Frage nach der Aufarbeitung und Dokumentation der Kriegsjahre auseinanderzusetzen und die Dokumentationstafeln auf der Gedenkstätte der „Windhund-Division“ zu überarbeiten.

Die Idee, am letzten Schultag vor den Sommerferien ein Zeichen für den Frieden zu setzen, ist innerhalb dieses Projektkurses entstanden. Vier Kameras waren im Einsatz, um die Aktion zu dokumentieren. Im September, wenn die Schüler ihre Ergebnisse auf einer Fachtagung mit Schulministerin Sylvia Löhrmann vorstellen möchten, soll auch der Film gezeigt werden. In Abwandlung eines Liedtitels der „Höhner“ stand die Aktion unter dem Motto „Frieden – wenn nicht jetzt, wann dann?“

„Auch wenn die schrecklichen Kriegsereignisse hier im Hürtgenwald vor fast 70 Jahren für Schüler zunächst nur ein historisches Erlebnis darstellen, wollen wir mit dieser und anderen Aktionen eine Brücke vom Gestern zum Heute schlagen“, sagt Clemens Amendt. Zumal sich die Franziskaner verpflichtet hätte, „gerade an diesem Ort“ den Friedensgedanken als Erziehungsauftrag wahrzunehmen.

„Es ist einfacher, einen Krieg zu beginnen als den Frieden zu wahren“, erklärt Oberstufenschüler Michael Gratias, wie der Gedanke zu dieser Aktion im Projektkurs reifte. „Gerade wir jungen Menschen müssen uns wohl viel öfter bewusst machen, wie gut wir es haben, dass wir ohne Krieg, Leid und Hunger aufgewachsen sind und leben“, fügt Ann-Christin Schleupner hinzu.

Die Neugestaltung der Informationstafeln am „Windhunde“-Mahnmal soll vielmehr auf die „jungen Generationen“ zielen, die Krieg nur als abstrakten Begriff kennen. Sie sollen dazu angeregt werden, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, von ihr zu lernen. „Auch den Aufbau der Tafeln würden wir gerne ändern“, sagt Martin Kreutz. Krieg bedeute nicht nur das Geschehen auf dem Schlachtfeld. Das Leiden der Zivilbevölkerung, die Geschichte der „einzelnen Menschen“ soll viel stärker als bisher eingebunden werden.

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