Ein Fan mehr für die deutsche Mannschaft

Von: Sandra Kinkel
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1100 Menschen feierten am Freitag beim Public Viewing auf dem Rathausvorplatz den Einzug der deutschen Mannschaft ins Halbfinale. Mittendrin Maike Strick, Rebecca Klook, Julian Blatzheim, Fabienne Schmitz und Larissa Blatzheim (von links). Foto: Sandra Kinkel
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Sylvie Druart-Kraus hat ihren Ehemann Heinz Kraus 1979 beim Schüleraustausch in Golzheim kennengelernt. Die Krankenschwester stammt aus der Nähe von Valenciennes.

Düren. „Jaaaaaaaaaaa!“ Der Jubel von Fabienne Schmitz (17) geht durch Mark und Bein. Gemeinsam mit ihren Freunden Maike Strick (17), Julian Blatzheim (17), Rebecca Klook (17) und Larissa Blatzheim (15) hat die Schülerin am Freitag den Einzug der deutschen Fußballnationalmannschaft ins Halbfinale gefeiert – zusammen mit 1100 Menschen beim Public Viewing auf dem Rathausvorplatz.

Die Stimmung ist gut, der Platz voller als bei den bisherigen Spielen der deutschen Elf. „Wir waren schon beim Spiel gegen die USA hier“, sagt Fabienne Schmitz. „Es ist einfach gut hier. Jeder macht mit und alle haben den gleichen Grund zu feiern und zu jubeln. Ich finde das toll.“

Zwei, die so wichtige Länderspiele wie Deutschland gegen Frankreich in einem WM-Viertelfinale lieber zu Hause gucken, sind die Französin Sylvie Druart-Kraus und ihr Ehemann Heinz Kraus. So auch am Freitag. Die beiden haben es sich im Wohnzimmer gemütlich gemacht (allerdings auf zwei getrennten Sesseln), auf dem Couchtisch stehen zwei Gläschen Muscat. Sylvie Druart-Kraus: „Im Herzen bin ich immer noch Französin. Und es reicht, wenn mein Mann mich beim Fußball immer ärgert. Da brauch ich nicht auch noch 1100 andere, die mich aufziehen.“ Als Mats Hummels in der 13. Minute das Tor schießt, sinkt bei Sylvie Druart-Kraus die Stimmung. Und von nun an wird auch nicht mehr geärgert. Im Gegenteil. Heinz Kraus: „Jetzt muss ich meine Frau ein bisschen trösten.“

Beim Schüleraustausch

Ihren Mann hat Sylvie Druart-Kraus vor 35 Jahren beim Schüleraustausch kennengelernt. „Ich bin in Dürens Partnerstadt Valenciennes zur Schule gegangen. Damals war ich eine Woche in zum Schüleraustausch in Golzheim und habe meinen Mann getroffen. Verliebt haben wir uns aber erst sehr viel später.“ Fußball, sagt die Krankenschwester weiter, sei in Frankreich ein großes Thema. „So ähnlich wie in Deutschland.

Die Franzosen feiern halt gerne.“ Sogar in ihrem kleinen Heimatort Berlaimont mit gut 3000 Einwohnern, etwa 25 Kilometer von Valenciennes entfernt, so Sylvie Druart-Kraus, gäbe es eine Art „Public Viewing“. „Nicht so groß wie in Düren, aber immerhin. Und einen Auto-Korso hatten wir nach dem Sieg gegen Algerien auch. Nach der Niederlage gegen Deutschland aber natürlich nicht.“ Die 51-jährige Französin hat sich Freitag immer informiert, was zu Hause in Frankreich los ist – und fleißig mit ihrer Schwestern Kurznachrichten ausgetauscht. „Französischer Beistand eben“, sagt Sylvie Druart-Kraus.

Den hat Georg Plönnes am Freitagabend nicht gebraucht – trotz der französischen Niederlage. Der Dürener lebt bereits seit sieben Jahren in Wissembourg im Elsass, arbeitet als Prokurist in einem Chemieunternehmen und ist mit einer Französin liiert. „Ich habe das Spiel im Garten einer Kneipe mit ganz vielen Freunden geguckt. Da haben Deutsche, Franzosen und auch Menschen anderer Nationalitäten friedlich zusammen gesessen und am Ende auch zusammen gefeiert.“ Überhaupt seien die Franzosen weniger fanatisch als die Deutschen – zumindest wenn es um Fußball geht. „In Frankreich war man froh, dass es kein Viertelfinale gegen Algerien gegeben hat“, so Plönnes. „Davor hatten die Franzosen Angst. Wegen der möglichen Reaktionen der Algerier auf eine Niederlage. Ich hatte Freitag überhaupt keine Probleme. Im Gegenteil: Für mich war es ein super Abend.“

Und auf dem Kaiserplatz? Da laufen gerade die letzten Minuten. Die Fans sind still geworden, total still. Die meisten gucken dauernd auf die Uhr, die Nachspielzeit läuft. „Mann, hoffentlich schießen die Franzosen jetzt nicht noch ein Tor“, murmelt Achim Hansen. Endlich ertönt der Schlusspfiff, die Hände gehen in die Höhe, die Menge jubelt, klatscht.

Bei Sylvie Druart-Kraus zeigt das Trösten des Ehemanns erste Wirkung. „Ich bin schon enttäuscht“, sagt die Französin. „Meine Mannschaft hat gut gekämpft und gut gespielt.“ „Vive lAllemagne“ ruft Ehemann Heinz aus dem Hintergrund, und spätestens da muss Sylvie Druart-Kraus auch wieder schmunzeln. „Genau“, sagt sie. „Beim Halbfinale am Dienstag hat Deutschland einen Fan mehr. Mich.“

Dann gibt es übrigens auch wieder ein Public Viewing. Anpfiff der Partie ist um 22 Uhr, Einlass auf dem Rathausvorplatz um 20 Uhr.

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