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Dürens Jugendamt feiert 90. Geburtstag

Von: Ingo Latotzki
Letzte Aktualisierung:
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Ansgar Kieven (rechts) und Arno Riesenberg mit der Jubiläums-Dokumentation. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Hunger. Durst. Alles in Schutt und Asche, nach wie vor. Es ist der 23. Juli 1945, als Wilhelm Reinartz den Auftrag erhält, ein Stadtjugend- und Wohlfahrtsamt einzurichten. In einem Verwaltungsbericht schreibt er, es sei „nichts hierfür vorhanden, außer den Hilfsbedürftigen selbst, die bei der Rückkehr zur Heimat bestohlen, hier von ihren einstigen Wohnstätten nur noch Trümmer vorfinden. Ein schon bestehendes Amt (Ernährung) musste eine Zimmerecke hergeben, um dem Wohlfahrtsamt als Notunterkunft zu dienen“.

Wilhelm Reinartz war der erste Leiter des Jugendamtes, er wirkte von 1945 bis 1965. Als er anfing, gab es das Jugendamt schon seit 21 Jahren. Gegründet wurde es 1924, vor 90 Jahren also, am Mittwoch findet deshalb auf Schloss Burgau ein Festakt statt. Bestimmt wird da an die Zeiten erinnert, als das Jugendamt sich vor allem mit Grundbedürfnissen der Menschen beschäftigen musste, mit Ernährung beispielsweise.

Das war in den 1920er Jahren so, als der Erste Weltkrieg noch nicht lange vorbei war, und das war nach der Nazizeit genauso. Hunger, Durst. Dazu gesundheitliche und hygienische Probleme. Die Menschen hatten nicht viel und mussten sehen, wie sie über die Runden kommen konnten. Viele Frauen, Witwen und sonst alleinstehend, zogen ihre Kinder ohne Vater auf.

Das Jugendamt, das vor dem Zweiten Weltkrieg womöglich im alten Rathaus an der Ecke Marktplatz/Weierstraße gesessen hat (ganz klar ist das nicht), hatte die Aufgabe zu sehen, wo Hilfe möglich war. In einem Bericht über das „Wohlfahrtswesen der Stadt Düren 1921 - 1925“ ist zu lesen, dass die Jugendhilfe in Jugendfürsorge und Jugendpflege unterschieden wurde. Jugendfürsorge beschäftigt sich „mit der Sorge für die körperlich, geistig oder sittlich mangelhafte ... Jugend“. Die Jugendpflege will „das sich innerhalb der Gesellschaftsordnung bewegende Kind sozial tüchtiger und brauchbarer machen“.

Zum 90. Geburtstag bringt das Amt eine Festschrift heraus, die Arno Riesenberg redaktionell begleitet hat. Riesenberg berichtet, dass sich in den 1960er Jahren die Arbeit des Jugendamtes sehr verändert hat. Seit dem spielen wissenschaftliche Theorien eine wesentliche Rolle. Psychologische Betrachtungen, soziologische, pädagogische. Aus den Fürsorgerinnen wurden mehr und mehr Diplom-Sozialarbeiter und -pädagogen.

Fragen wie: Warum ist das so? Und: Was kann man tun? beherrschten die Arbeit, zumal mehr juristische Sachverhalte, etwa bei Sorgerechtsverfahren, zu berücksichtigen waren. Zu der Zeit dachte noch niemand ans Internet mit all seinen Auswirkungen auf die Entwicklung von Jugendlichen. Heute, sagt Jugendamtsleiter Ansgar Kieven, haben seine Kollegen und er es häufiger mit Aggression, Schulverweigerung, Mobbing in sozialen Netzwerken und Kindern und Jugendlichen zu tun, die aus ihren Familien herausgenommen und etwa in Heimen untergebracht werden müssen.

Es geht schon lange nicht mehr nur um Grundbedürfnisse wie Hunger und Durst. Und dennoch ist das Thema nicht ganz vom Tisch. Häufiger werden Kinder ohne Frühstück in die Kita geschickt, sind schlecht ernährt und verwahrlost – obwohl nichts mehr in Schutt und Asche liegt.

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