Dürens Gedächtnis wächst und wächst

Von: Ingo Latotzki
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Alles in allem kommt das Stadt- und Kreisarchiv Düren auf 1,5 bis zwei Kilometer Regale, gefüllt mit historischem Material. Leiter Helmut Krebs (rechts) und Dr. Horst Wallraff blättern in alten Dürener Zeitungsbänden, die im Haus der Stadt lagern. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Das Gedächtnis von Düren wächst und wächst. Jedes Jahr wird es größer und besteht mittlerweile aus Material, das 1,5 bis zwei Kilometer Regale füllt. 20.000 Bände kommen dazu, alles in allem zig Tausende Dokumente, eng beschriebene Buchseiten, Fotos, Urkunden, Karten. Was für ein Wissen. Jeder, der etwas über Düren erfahren möchte, kann das Gedächtnis bemühen: die Rede ist vom Dürener Stadtarchiv.

Ein Blick in den Lesesaal. Oben im Haus der Stadt hat das Archiv seine Räume, gleich neben der Stadtbücherei. Es ist still, so wie es angenehm ist, wenn gelesen und geforscht wird. Nehmen wir an, Sie möchten etwas über die Geschichte von Schloss Burgau erfahren. Dann würden Ihnen die Mitarbeiter Material zusammen suchen und Sie könnten Akten wälzen, Zeitungsausschnitte betrachten und Urkunden einsehen.

Doch es geht nicht nur um Dürener Geschichte. Das Archiv ist für Stadt und Kreis zuständig und sammelt Material darüber hinaus. Horst Wallraff, promovierter Historiker und seit drei Jahren im Archiv beschäftigt, grenzt ein: Sein Haus ist an allem Historischen aus der Eifel, dem Bonner, Kölner und Aachener Raum sowie bis zum Niederrhein hin interessiert. „Das Archiv ist wie eine Badewanne, in der der Stöpsel nicht gezogen wird, weshalb sie immer weiter vollläuft“, sagt Wallraff. Dabei sei die Menge an Literatur, die im Lesesaal vorgehalten wird, beachtlich; viele andere Archive hätten eine solche Vielfalt nicht zu bieten.

Die Bände sind das eine. Das andere sind Akten, Urkunden, Fotos, Zeitungsausschnitte und Dokumente aller Art, die im Magazin gelagert werden. Hier ist das archiviert, was die Mitarbeiter im Lauf vieler Jahre für würdig befunden und gesammelt haben. Akten aus dem Dürener Rat- und Kreishaus etwa. 10.000 seien es jährlich, sagt Helmut Krebs, der Leiter des Archivs.

10.000. Was für eine Zahl. Und alles will ausgewertet werden. Diplom-Archivar Krebs nickt und lächelt. Dann zeigt er auf ein Zitat, das er sich auf den Schreibtisch gelegt hat. „Die Basis einer gesunden Ordnung ist ein großer Papierkorb.“ Das hat Schriftsteller Kurt Tucholsky notiert. Und so verfahren Krebs uns seine Kollegen auch. 95 Prozent des Materials wird entsorgt. Sonst würde das Archiv nicht zwei Kilometer Regale füllen, sondern ein Vielfaches davon.

Doch was kommt in den Müll, was wird verwahrt? Das ist immer die Frage. „Wir müssen erkennen, was später geschichtlich bedeutsam sein könnte“, sagt Historiker Wallraff. Ein Beispiel: Wenn das Dürener Rathaus eine Akte übersendet, in der es um den Bau einer Turnhalle in Derichsweiler geht – was dann? Archivieren, wegwerfen? „Wir würden das Wesentliche behalten, weil nur so in späteren Zeiten noch dokumentiert werden kann, dass es die Halle tatsächlich gegeben hat“, sagt Wallraff. Rechnungen von Handwerkern aber würden sicher entsorgt. Tucholsky lässt grüßen.

Das alles klingt nicht nur nach einer Menge Arbeit, das ist es auch. Drei Vollzeitstellen hat das Archiv, verteilt auf sechs Beschäftigte. Damit, so Leiter Krebs, könne nur das Niveau gehalten werden. Publikationen, die eigentlich auch notwendig seien, könne es nicht oder kaum geben. Die Zeit reicht nicht. Wenn, dann muss in der Freizeit gearbeitet werden. Horst Wallraff ist etwa damit beschäftigt, die Geschichte der Dürener Annakirmes aufzuarbeiten, um sie über den Dürener Geschichtsverein zu veröffentlichen. Helmut Krebs hat in der Vergangenheit wie Wallraff auch einige Werke zur lokalen Historie vorgelegt.

Natürlich sind auch diese Bücher in den Regalen im Haus der Stadt und füllen das Dürener Gedächtnis. Archive zu unterhalten zählt zu den Pflichtaufgaben einer Kommune. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass Städte und Gemeinden ihre Historie dokumentieren. Kommunale Büchereien gehören nicht zu den pflichtigen, sondern zu den freiwilligen Leistungen einer Kommune.

Wer recherchieren möchte, muss nicht unbedingt angestaubte Karteikarten benutzen. Längst sind Nachforschungen digital über die Homepage der Stadt Düren möglich. So sind Quellen zu finden und zu entdecken. Vorausgesetzt, sie wurden irgendwann festgehalten. Anders geht es nicht. „Was nicht in den Akten ist, ist nicht in der Welt“, sagt Horst Wallraff. Angemerkt

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