Dürenerin für Grimme Online Award nominiert

Von: kin
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Jasna Strick ist für den Grimme Online Award nominiert. Foto: Kinkel

Düren. „Am Schlimmsten waren die zwei Wochen, in denen ich nicht über die Nominierung sprechen durfte. Die Nachricht hat mich nämlich umgehauen.“ Gemeinsam mit Nicole von Horst aus Frankfurt und Anne Wizorek aus Berlin ist die Dürenerin Jasna Strick für den Grimme Online Award nominiert.

Für den Hashtag Aufschrei beim Nachrichtendienst Twitter. Der Hashtag Aufschrei bündelte innerhalb kürzesters Zeit viele Berichte über Alltagssexismus bei Twitter und hat vielen betroffenen Frauen geholfen, eine Form zu finden über ihre persönlichen Erfahrungen zu berichten.

Über 60 000 Tweets

„Es war in der Nacht zum 25. Januar, als Anne Wizorek die Idee zu dem Hashtag Aufschrei hatte“, erzählt Jasna Strick. Sie selbst und Nicole von Horst waren zwei der ersten, die sich daran beteiligt hatten. „Wir haben uns über Twitter kennen gelernt“, sagt Jasna Strick. Twitter, ein Internet-Kurznachrichtendienst, sei für sie und ihren Alltag schon sehr wichtig, so Jasna Strick. „Manchmal denke ich, zwischen meinem Gehirn und Twitter gibt es eine direkte Verbindung.“ In der Nacht, als der Hashtag initiiert wurde, habe sie vier Stunden vor dem Computer gesessen und unglaublich viele, persönliche Berichte von Frauen gelesen. Strick: „Zwischendurch habe ich auch immer wieder geweint.“ Mittlerweile gibt es weit über 60.000 Aufschrei-Tweets, Jasna Strick, Anne Wizorek und Nicole von Horst haben sogar einen eigenen Blog (www.alltagssexismus.de) initiiert.

Für die drei Frauen war übrigens nicht die Reportage über Rainer Brüderle der Anlass für Aufschrei. „Anlass war ein Blogartikel, den Anne im Internet gelesen hat. Ich bin auch nicht sicher, ober der Fall Brüderle wirklich dazu geführt hat, dass das Thema vernünftig debattiert worden ist.“ Alltagssexismus, so die Germanistikstudentin Jasna Strick, sei immer noch ein Thema. „Ich kenne kaum eine Frau, die keine Erfahrungen zu diesem Thema gemacht hat.“

Die Hand des Lehrers auf dem Knie der Schülerin, Belästigungen auf der Straße, Sexismus in der Werbung, viele Frauen hätten das im Laufe der Zeit verdrängt. „Deswegen hat Aufschrei bei vielen auch zu einer Retraumatisierung gefühlt.“ Grundsätzlich geht es Jasna Strick, Anne Wizorek und Nicole von Horst um strukturellen Sexismus, bei dem immer auch Machtbeziehungen eine Rolle spielten. Jasna Strick: „Im Netz wird das Thema viel differenzierter diskutiert als bei Günther Jauch auf der Couch. Und wir hoffen, dass wir auch den Anstoß für einen offeneren Umgang mit dem Thema in der Familien gegeben haben.“

Mittlerweile sind Jasna Strick und Nicole von Horst zwei von vier Autorinnen, die das Buch „Ich bin kein Sexist, aber... Sexismus erlebt, erklärt und wie wir ihn beenden“ geschrieben haben. Das Sachbuch wird Anfang Juni erscheinen. „Ich bin überrascht“, sagt Jasna Strick, „was unser Hashtag alles nach sich gezogen hat. Damit hatten wir nicht gerechnet. Aber das Größte ist natürlich die Nominierung für den Grimme Online Award.“

Darüber, was es zu gewinnen gibt, hat Jasna Strick sich noch nicht informierte. „Ich lasse mich überraschen, aber vielleicht gibt es ja nur Ruhm und Ehre.“ Übrigens ist Aufschrei der erste Hashtag, der für den Grimme Online Award nominiert ist. „Der Preis“, sagt Jasna Strick, „ist stellvertretend für alle, die sich an dem Hashtag beteiligt haben. Und das finde ich eine sehr schöne Sache.“

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