Dürener Vielfalt im Glauben

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
6316158.jpg
Der „Engel der Kulturen“ rollte zur „Nacht der offenen Kirchen“ durch Düren und machte auch vor dem Rathaus Station. Foto: Sandra Kinkel

Düren. „Ich bin auch sonntags oft in der Kirche, weil ich im Chor singe. Aber es ist heute Abend einfach etwas ganz anderes. Eine tolle Stimmung.“ Yasemin Tuncay ist 14 Jahre alt und steht hinter einem Cocktailstand. Sie mixt alkoholfreie Drinks. Das allein ist zunächst nichts Ungewöhnliches, aber der Cocktailstand, an dem Yasemin arbeitet, steht mitten in der Christuskirche.

Es ist Freitagabend, kurz nach 21 Uhr. Über hundert Menschen sitzen in der Kirche, trinken Cocktails und beobachten die atemberaubenden Tanzdarbietungen der „East Breaker“, einer Break-Dance-Gruppe aus dem Dürener Osten. Traditionell wird die Christuskirche bei der „Nacht der offenen Kirchen“ in Düren zur Jugendkirche, das war auch diesmal, bei der zehnten Auflage der Kirchennacht, nicht anders. Aber auch in den anderen neun Dürener Gotteshäusern, die sich an der Aktion beteiligten, war am Freitag jede Menge los, die Menschen genossen die etwas andere Form von Kirche. Und sie genossen die Vielfalt, die Düren offenbar auch in religiöser Hinsicht zu bieten hat.

„Für mich“, sagt Helena Sieger (28), „ist dieser Abend eine Gelegenheit, Kirche und meinen Glauben noch einmal neu zu entdecken.“ Sie hadere, so die zweifache Mutter, oft mit der Amtskirche. „Aber heute Abend“, sagt sie, „habe ich wieder eine gute Stimmung, gute Gemeinschaft erfahren. Das ist schön.“

„Engel der Kulturen“

Einer der Schwerpunkte der „Nacht der offenen Kirchen“ war das Projekt „Engel der Kulturen“, mit dem das Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt, schon am Freitagnachmittag ein gewaltiges Zeichen für interkulturellen Dialog, Toleranz und Religionsfreiheit gesetzt hatte. An der Kirche St.-Joachim in Nord-Düren machten sich weit über hundert Menschen auf den Weg, um an der Ditib-Moschee in der Veldener Straße, der ehemaligen Synagoge in der Schützenstraße, am Rathaus und an der Christuskirche mit Vertretern der abrahamitischen Religionsgemeinschaften zu beten.

„Es ist das menschliche Miteinander, das zählt“, betonte Bürgermeister Paul Larue bei seiner Ansprache vor dem Rathaus. „Wir stehen hier unter einem Todesengel, der uns daran erinnert, was passiert, wenn die Würde des Menschen eben nicht unantastbar ist, sondern wenn falsche Ideologien Oberhand gewinnen.“ Bei der „Nacht der offenen Kirchen“ wurde der „Engel der Kulturen“ noch einmal in der Marienkirche aufgegriffen. „Ich war den ganzen Nachmittag dabei“, sagt Hanni Mischke (78). „Ich kann mich noch sehr genau an den Krieg erinnern. Und es hat mich beeindruckt und auch glücklich gemacht zu sehen, dass Vertreter verschiedener Religionen so friedlich und fröhlich miteinander beten können. Diese Vielfalt brauchen wir.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert