Dürener Tageseltern: Echte Alternative zum Kindergarten

Von: Sandra Kinkel
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Tagesmutter oder Kindertagesstätte? Seit 25 Jahren kümmert sich der Verein „Dürener Tagesmütter und -väter um die Ausbildung und Vermittlung von Tageseltern. Foto: stock/epd
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Elke Nellessen (70) ist seit knapp zwei Jahren Vorsitzende des Vereins „Dürener Tagesmütter- und väter“. Die Juristin und Mutter zweier Kinder hat die Nachfolge von Frauke Weißenborn angetreten. Foto: Kinkel

Düren. Die kleine Mara (acht Monate) wird bei einer Tagesmutter groß. „Ich wollte mein Kind so klein noch nicht in den Kindergarten tun“, sagt Maras Mutter Tanja Junkersdorf (34) aus Düren. „Ich möchte sie lieber in einem kleineren Rahmen betreut wissen. Häuslich. Persönlicher.“ Das, was Frau Junkersdorf sagt, hören die Verantwortlichen des Vereins „Dürener Tagesmütter und -väter“ häufiger.

Der Verein wurde am 21. Februar gegründet, feiert in diesem Jahr also sein 25-jähriges Bestehen. „Als wir angefangen haben“, sagt Vereinsvorsitzende Elke Nellessen, „war der Idee der Tagespflege für Kinder in Deutschland noch ganz neu. Der Impuls kam seinerzeit aus Frankreich.“

Damals wie heute stand die politische und gesellschaftliche Forderung im Raum, für Kinder unter drei Jahren eine „adäquate Betreuung“ zu finden. „Daran hat sich nichts geändert“, so Elke Nellessen. „Auch nicht, seitdem es für Kinder unter drei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz gibt.“

Es würden, so Nellessen weiter, immer mehr Fachkräfte gebraucht. „Gut ausgebildete Eltern gehen früh zurück in den Beruf. Ich glaube, dass der Bedarf an gut ausgebildeten Tagesmüttern- und vätern sogar steigen wird.“ Elke Nellessen kann sich sogar vorstellen, dass Betriebe für ihre Mitarbeiter irgendwann einmal Kontingente bei Tagesmüttern erfragen. „Aber das ist im Augenblick noch Zukunftsmusik.“

So wie vor 25 Jahren die Arbeit des Vereins „Dürener Tagesmütter- und väter“ auch Zukunftsmusik war. Anfangs haben die Gründungsmütter und -väter mit viel Idealismus und Engagement alles ehrenamtlich organisiert. Von der Akquise der Tagesmütter über die Einsatzplanung bis hin zu Fortbildungen. Erst später wurde mit Michaela Luber eine hauptamtliche Diplom-Pädagogin eingestellt.

Der Verein mit heute rund 200 Mitgliedern hat Verträge entworfen, einen Rahmen für die Vermittlung von Tageseltern geschaffen – und die Verantwortlichen hatten auch schon früh eine klare Vorstellung davon, was eine „adäquate Versorgung“ ist. Elke Nellessen: „Seit 2005 ist eine Qualifizierung für Tageseltern verpflichten, Wir bilden unsere Tagesmütter und -väter schon seit 1997 in einem Qualifizierungskurs Kindertagespflege mit Zertifikat des Bundesverbandes für Kindertagespflege aus.

Jedes Jahr findet mindestens ein solcher Qualifizierungskurs statt, über 200 Tageselten haben schon daran teilgenommen. Im Augenblick hat der Verein 115 Tagesmütter- und väter vermittelt. Auch wegen der fundierten Ausbildung wurden die „Dürener Tagesmütter und -väter“ von den Jugendämtern von Stadt und Kreis Düren als freier Träger der Jugendhilfe anerkannt.

Wer als Tagesmutter arbeiten möchte, braucht mehr als die Zertifizierung. Tageseltern müssen ein polizeiliches Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis vorlegen. Elke Nellessen: „Natürlich müssen auch die Räume geeignet sein, um Kinder zu betreuen. All das prüft unser Verein sehr gründlich.“ Erst wenn alle Voraussetzungen stimmen, kann von Stadt und Kreis eine Pflegeerlaubnis erteilt werden. Michaela Luber hat im vergangenen Jahr über 500 Beratungsgespräche geführt. Nellessen: „Wir versuchen, durch eine gute Vorbereitung möglichst punktgenau zu vermitteln. Meistens klappt das auch.“

Neben der Arbeit vor Ort sind Elke Nellessen und ihre Mitstreiter auch politisch aktiv. Schon früh hat sich die Dürener Gruppe dem „Bundesverband für Kindertagespflege“ angeschlossen. Zum Beispiel fordern die Verantwortlichen des Dürener Vereins, dass Tagesmütter leistungsgerecht bezahlt werden. Anfangs haben die Tageseltern 1,89 DM pro Kind und Stunde bekommen, heute sind es immerhin 4,30 Euro. Elke Nellessen: „Urlaub- und Krankenzeiten werden allerdings nicht bezahlt. Tageseltern haben zudem einen immer höheren bürokratischen Aufwand.“

Natürlich, so Nellessen weiter, sei es nicht gerecht, Tagesmütter genauso wie Erzieherinnen zu bezahlen. „Die haben ja eine viel längere Ausbildung. Aber auch deren Gehalt ist meiner Meinung nach viel zu niedrig.“ Ein Thema, dass der Vereinsvorsitzenden auch auf den Nägeln brennt, ist Vertretungssituation. „Da müssen wir in Zusammenarbeit mit Stadt und Kreis Regelungen schaffen, die Vertretungsplätze vorsieht. Das ist bisher nicht der Fall.“

Es ist Frau Nellessen ein Anliegen, dass die Tagespflege und die Betreuung in der Kindertagesstätte zwei nebeneinander stehende Angebote sind. „Das sind zwei unterschiedliche Ansätze. Tagespflege darf kein Ausweichmodell sein. Eltern haben das vielmehr das Wahlrecht.“ So wie die Mutter von der kleinen Mara eben auch.

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