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Dürener Steinmetz als Wandergeselle unterwegs

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
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Neun Wandergesellen haben den 27-jährigen Christian Mörkens aus Arnoldsweiler (vierter von links) nach Hause begleitet. Der junge Steinmetz war genau drei Jahre und einen Tag auf der Walz.
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Im Herbst fängt Christian Mörkens an zu studieren.

Düren. „Am meisten gereizt hat mich die Freiheit.“ Christian Mörkens aus dem Dürener Stadtteil Arnoldsweiler ist 27 Jahre alt und von Beruf Steinmetz. „Irgendwann kam in unseren Betrieb ein Wandergeselle. Und hat ziemlich viel erzählt.“ Christian Mörkens war von seinem wandernden Kollegen fasziniert.

„Ich bin immer schon gerne gereist“, erzählt er. „Und hier tat sich mir plötzlich die Möglichkeit auf, zu arbeiten um zu reisen. Und zu reisen, um zu arbeiten.“

Im Internet hat Christian Mörkens sich über Wandergesellen informiert, sehr schnell ist er auf die Seite einer der ältesten Wandergesellenvereinigungen, nämlich der „Gesellschaft der rechtschaffenen fremden und einheimischen Maurer- und Steinhauergesellen“ gestoßen. „Deren Werte“, sagt Mörkens, „sind Ehrlichkeit, Sauberkeit und Genauigkeit. Damit konnte ich mich sofort gut identifizieren.“

Christian Mörkens ist regelmäßig zu den Gesellenabenden der Vereinigung gegangen, am 26. April 2010 hat er sich dann auf den Weg gemacht. In seiner Gesellenkluft und mit nicht viel mehr als seinem „Stenz“, dem typischen Knotenstock der Wandergesellen, und einem kleinen Bündel Gepäck. Jetzt, ziemlich genau drei Jahre und einen Tag später, ist er wieder zurück nach Hause gekommen.

„Meine Familie und meine Freundin waren ziemlich schockiert, als ich ihnen gesagt habe, dass ich auf die Walz gehen wollte. Aber am Ende haben mich doch alle unterstützt.“ Um in die Wandergesellenvereinigung aufgenommen zu werden, musste Christian Mörkens neben seinem Gesellenbrief nachweisen, dass er ledig, kinderlos, schulden- und straffrei ist. „Dann gibt es ein Aufnahmeritual, das aber nicht verraten wird.“ Als Zeichen für die Zunft der Steinmetze hat Christian Mörkens zuguterletzt Hammer und Meißel als Ohrring bekommen.

In ganz Deutschland machen sich jährlich etwa 500 Wandergesellen auf den Weg, etwa zehn Prozent von ihnen sind Frauen. 15 Kollegen haben Christian Mörkens in Arnoldsweiler abgeholt und ihn die erste Zeit begleitet. „Man muss gewisse Regeln lernen. Das kann man am besten unterwegs.“ Eine der Regeln besagt zum Beispiel, dass Mobiltelefone absolut tabu sind. „Internetcafés sind okay. Und man kann natürlich auch Leute fragen, ob man mal telefonieren darf. Meistens darf man auch.“

Christian Mörkens hat auf seiner Walz (fast) die ganze Welt gesehen. Er war überall in Europa, in Thailand, Marokko, Indonesien, Malaysia und Australien. „Ich musste nie betteln“, sagt der junge Mann. „Ich habe überall Arbeit gefunden, wenn auch nicht immer in meinem Beruf. “ Einmal konnte er statt Bezahlung einen Paragliding-Schein machen. „Das war krass.“ Fast überall, so Mörkens weiter, sei er mit offenen Armen empfangen worden. „Ich habe in den drei Jahren nur eine einzige brenzlige Situation erlebt. In einem Judenviertel in Marokko bin ich mit Steinen beworfen worden. Ansonsten waren die Leute alle sehr nett und hilfsbereit. Ich habe tolle Menschen kennengelernt.“

Christian Mörkens hat seine Walz genossen, die Freiheit, die er gesucht hat, hat er gefunden. Täglich. „Ich bin aber auch froh jetzt wieder zu Hause zu sein. Mein eigenes Bett zu haben, meine eigene Tür hinter mir zumachen zu können. Und nicht überall nur Gast zu sein.“ Im Oktober fängt Christian Mörkens in Aachen ein Designstudium an. „Ich kann mir vorstellen, danach als Berufsschullehrer zu arbeiten“, sagt er. „Aber ganz sicher bin ich mir noch nicht.“

Grundsätzlich, so Mörkens, habe die Walz ihm ein Stück Gelassenheit gegeben. „Ich bin ohne Geld los und ohne Geld wieder zurück gekommen. Ich weiß jetzt, dass ich es mit meiner Arbeit überall schaffen kann.“ Übrigens bleibt man sein Leben lang Wandergeselle. „Das ist eine Verpflichtung für immer. Und ich möchte jungen Kollegen meine Erfahrungen weitergeben.“

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