Dürener Papierfabrik Reflex meldet Insolvenz an

Von: Burkhard Giesen
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Ein Unternehmen in Schieflage: Das Dürener Reflex-Werk an der Veldener Straße meldet Insolvenz an. Zirka 30 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. \ Foto: Ingo Latotzki

Düren. Insolvenzverwalter strahlen selten Pessimismus aus. Das liegt in der Natur der Sache. Bei Dr. Mark Boddenberg ist das nicht viel anders. „Die Auftragsbücher sind voll, die Planung ist solide, wir sind voll handlungsfähig und bieten ein komplettes Portfolio“, sagt Boddenberg, seit Dienstag vom Amtsgericht Aachen bestellter Insolvenzverwalter für das kriselnde Dürener Werk Reflex Premium Papier AG an der Veldener Straße.

Drei Monate Insolvenzverwaltung in Eigenregie hat das Unternehmen hinter sich, einen weiteren Sanierungsplan vor sich, um dauerhaft am Markt bestehen zu können. Fast genau 100 Mitarbeiter sind im Werk beschäftigt, in Glanzzeiten, als man noch zur Zanders-Gruppe gehörte, waren es mal 1300 Beschäftigte.

„Ich bin angetreten, um alles vollständig zu sanieren“, sagt Boddenberg, der im Rahmen der eigenverantwortlichen Insolvenz schon als Sachwalter fungierte und den Beschäftigten nun Zuversicht vermittelt: „Natürlich hätte ich gerne einen starken Investor. Es rechnet sich aber auch so.“

Bis es sich rechnet, muss Boddenberg den Betrieb umstrukturieren, Kosten senken, Arbeitsplätze abbauen. Mit dem Betriebsrat verhandelt er über einen Sozialplan. Genaue Zahlen können weder Boddenberg noch Betriebsratsvorsitzender Norbert Werres derzeit nennen, aber bis zu einem Drittel der Beschäftigten könnten ihren Job verlieren.

Boddenberg will aber auch andere Stellschrauben nutzen. So hat er den Vertrag mit dem Energieversorger gekündigt, um günstigere Konditionen auszuhandeln. Ein entscheidender Punkt, denn neben der Krise auf dem Markt für grafische Papiere haben auch die hohen Energiekosten mit dafür gesorgt, dass das Unternehmen rund drei Millionen Euro Schulden angehäuft hat.

Vorgesehen sind zudem die Umstellung von einem Vier- auf ein Drei-Schichtensystem sowie die Konzentration auf ein Portfolio, das von den Kunden angenommen wird. Überhaupt die Kunden: Ernst Ungermann von der Gewerkschaft IGBCE sagt es so: „Wenn die Kunden zu ihrem Lieferanten stehen, haben wir eine gute Chance.“

Auch Betriebsratsvorsitzender Norbert Werres lobt die Anstrengungen von Boddenberg. „Die drei Monate in Eigenverwaltung waren eine verlorene Zeit. Der Insolvenzverwalter packt das Problem ganz anders an, als die bisherige Geschäftsführung.“ Werres glaubt an die Zukunft des Unternehmens: „Wir wollen nicht, dass hier die Lichter ausgehen. Wir haben eine Chance.“

Ob Boddenberg diese eine Chance nutzen kann, dürfte sich schnell entscheiden. Er wird in den nächsten Tagen alle Kunden aufsuchen und sie von der Stärke des Unternehmens überzeugen. „In den nächsten drei Monaten wird sich zeigen, wie der Markt reagiert“, betont er. Dass das funktionieren kann, hat der Übergang von Tedrive zu Neapco gezeigt. Boddenberg war daran beteiligt.

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