Dürener Mahnmale sollen „Steine des Anstoßes“ sein

Von: Ingo Latotzki
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Eine von zehn Stelen im Dürener Stadtgebiet steht vor dem Amtsgericht an der August-Klotz-Straße. Die Geschichte dieser Denkmäler ist nun in einer neu aufgelegten Broschüre nachzulesen. Foto: Ingo Latotzki
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Eine von zehn Stelen im Dürener Stadtgebiet steht vor dem Amtsgericht an der August-Klotz-Straße. Die Geschichte dieser Denkmäler ist nun in einer neu aufgelegten Broschüre nachzulesen. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Die zehn Stelen in Düren sollen „Steine des Anstoßes“, Erinnerung und Mahnung sein. 1988 fasste der Stadtrat die Entscheidung, den renommierten Bildhauer Ulrich Rückriem aus Köln mit der Fertigung eines dezentralen Mahnmals für die jüdischen Opfer des Dritten Reichs (1933 bis 1945) zu schaffen.

Rückriem fertigte daraufhin die zehn Steinblöcke, die zwar von Natur aus stumm, aber dennoch über die acht Jahrzehnte zurückliegenden Gräueltaten in Düren sprechen sollen. Die Stelen stehen an Orten, an denen Menschen gefangen gehalten und gefoltert wurden, zudem dort, wo einst eine Synagoge stand (Schützenstraße).

Die Geschichte der Stelen ist nun in einer neu aufgelegten Broschüre der Stadt Düren dargestellt worden. Jedes einzelne Denkmal ist mit einem von Bernd Hahne (Geschichtswerkstatt Düren) getexteten Artikel versehen, der aus Merzenich stammende Fotograf Otto Böhr hat die Denkmäler mit der Kamera dokumentiert. Hahne hat jedem seiner überarbeiteten zehn Stelen-Texte ein prägnantes Zitat vorangestellt. Eines sei hier aufgrund seiner Symbolik für die Nazizeit erwähnt, es geht um die Stele am Amtsgericht an der August Klotz-Straße: „Recht ist, was dem deutschen Volke nützt, Unrecht, was ihm schadet. Die Quellen, aus denen dieses Recht erkannt wird, sind die Grundsätze und Zielsetzungen des nationalsozialistischen Staates und der den Staat tragenden Bewegung. Das Programm der NSDAP ist daher geltendes Recht.“

Hahne stellt in seinem Text fest, „dass insbesondere die nationalsozialistische Propaganda nie einen Hehl daraus machte, wie sie das Recht in ihrem Sinne umzuformen gedachte, um es für ihre Zwecke nutzbar zu machen.“ Mehrmals wöchentlich wurde damals im „Westdeutschen Beobachter“, einer Zeitung, die auch lokal berichtete, unter der Rubrik „Dürener Gerichtschronik“ mit „unverhohlener Befriedigung“ (Hahne) über die Aburteilung von „jüdischen Rassenschändern“, „marxistischen Elementen“ und sonstigen „Volksschändern“ berichtet. Ähnliche Geschichten sind über die restlichen neun Stelen zu lesen, zudem ein Nachwort, in dem Bernd Hahn notiert, dass es durchaus weitere Stelen in Düren hätte geben können.

So hätten sich Schulen angeboten, die die Flagge der Hitler-Jugend hissten, um ihre Verbundenheit deutlich zu machen. Ebenso hätte es eine Stele auf dem Grundstück eines namhaften Dürener Unternehmens geben können, das der SA schon 1932 einen Versammlungsraum zur Verfügung stellte und „auch sonst reichlich Hilfe bot“ (Hahne).

Auch wenn die Stelen „Steine des Anstoßes“ seien und in diesem Sinne sprechen sollen, gelte daneben auch das Wort des Bildhauers Rückriem als geistigem Vater der Stelen. Er sagt: „Aber jeder Stein, bei dem die Leute nicht wissen, was er darstellen soll, ist sowieso ein Denk-mal-darüber-nach“. Bürgermeister Paul Larue nannte die Broschüre einen „guten Wegweiser,“ Sparkassen-Chef Uwe Willner, dessen Haus das Projekt unterstützt, sagte: „Die Gräueltaten der Nazizeit dürfen nicht in Vergessenheit geraten.“

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