Düren - Dürener berichtet über seine Arbeit in Yad Vashem

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Dürener berichtet über seine Arbeit in Yad Vashem

Von: Andreas Bongartz
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Berichtete von seiner zweijährigen Arbeit in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem: Moritz Povel zu Gast im Stadtmuseum Düren. Foto: Bongartz

Düren. Das hat Bernd Hahne auch noch nicht oft im Stadtmuseum erlebt: Gut eine Stunde lang herrschte am Donnerstagabend dort andächtiges Lauschen, hingen mehr als 50 Besucher an den Lippen des 27-jährigen Moritz Povel.

Der gebürtige Dürener hat von 2011 bis 2013 als Volontär der katholischen Kirche in Deutschland (entsandt von der Deutschen Bischofskonferenz, der Maximilian-Kolbe-Stiftung sowie der Jesuitenmission in Nürnberg) in Israels Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gearbeitet. Über seine Arbeit und seine Erlebnisse während dieser zwei Jahre berichtete der Student jetzt im Rahmen des Vortrags „Die Erinnerung ist lebendig“. Der Titel der Veranstaltung von pax christi und Dürener Geschichtswerkstatt beinhaltet auch schon die Hauptbotschaft, die Povel aus seiner Zeit in Israel mitgebracht hat: „Die Erinnerung an den Holocaust ist in Israel überaus präsent“, erzählte der 27-Jährige, der mittlerweile in London Politikwissenschaft studiert. Eine Aussage, die zunächst nicht besonders verwundert, die israelische Erinnerungskultur entwickele sich jedoch dynamisch.

Als Beispiele hierfür führte Povel den Museums-Neubau von Yad Vashem auf, der wie ein Keil durch den Berg der Gedenkstätte getrieben wurde, sowie die sich ändernde Formsprache von Gedenkmälern. In dem neuen Museum würden die individuellen Schicksale von Opfern in den Vordergrund gestellt. Auf diese Weise könne man anfangen, die anonyme Grausamkeit des Holocaust zu verstehen, so Povel. Die pädagogische Arbeit mit Einzelschicksalen sei dabei wirkungsvoller, als die mit Zahlen oder schockierenden Fotos. Letztere würden sogar eher zu einer emotionalen Überforderung der Menschen führen. Povel: „Wir wollen das Individuum aus der Statistik und der Anonymität des Grauens heraus holen.“

Den unbekannten Opfern der Schoah ein Gesicht geben – daran hat Moritz Povel während seiner zwei Jahre in Israel konkret gearbeitet. In Vad Yashem war der Dürener in der Abteilung „Gerechten unter den Völkern“ tätig. Die „Gerechten unter den Völkern“ sind Nicht-Juden, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um Juden vor dem Holocaust zu retten. Povels Aufgabe bestand darin, Berichten von solchen Rettungen nachzugehen, um Belege für ihre Echtheit zu finden, damit der Staat Israel die Retter mit dem Ehrentitel „Gerechte(r) unter den Völkern“ auszeichnen kann.

So berichtete Povel über die Recherche einer bewegenden Geschichte zweier jüdischer Frauen, die trotz Rettungsversuchen schließlich in Auschwitz umkamen. Es gelang ihm, mithilfe so genannter Gedenkblätter Kontakt zu der Schwägerin einer der beiden Frauen namens Edith Meyer aufzunehmen. „Ich habe der Schwägerin die Geschichte von Edith Meyer am Telefon erzählt“, sagte Povel. „Die Frau war mir unglaublich dankbar, dass sie so das Schicksal ihrer Verwandten heraus gefunden hat. Auch weil die Rettungen oder Rettungsversuche für die Holocaust-Überlebenden bedeuten, dass es immer einen Funken Hoffnung, das Gute in der Zeit des Bösen gab.“

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