Düren - Düren schützt Verfasser kritischer Texte

Düren schützt Verfasser kritischer Texte

Letzte Aktualisierung:
stipendiaten_bu
Die Stipendiaten vor der Büste von Heinrich Böll: Fiston Nasser Mwanza, Camille Azankpo, Zhou Qing mit Bürgermeister Paul Larue (l.).

Düren. Das Heinrich-Böll-Haus in Langenbroich beherbergt zur Zeit drei Stipendiaten: Den Schriftsteller Fiston Nasser Mwanza aus der Demokratischen Republik Kongo, den Bildhauer und Maler Camille Azankpo aus Togo und den Schriftsteller Zhou Qing aus China. Bürgermeister Paul Larue begrüßte die Künstler jetzt bei einem Empfang im Rathaus und unterhielt sich mit ihnen über ihre Arbeit und ihre Pläne.

„Seit vielen Jahren übernimmt die Stadt Düren eine besondere Verantwortung für das Heinrich-Böll-Haus, obwohl es in der Nachbargemeinde steht, aus Respekt vor Person und Werk des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll und seiner Frau Annemarie”, erklärte Paul Larue, der Vorsitzender des Heinrich-Böll-Haus Vereins ist.

Camille Azankpo setzt im Heinrich-Böll-Haus bereits begonnene Projekte fort und hat ein neues gestartet. Der bildende Künstler setzte sich in Langenbroich erstmals mit dem Schriftsteller Heinrich Böll auseinander, der ihm vor seinem Aufenthalt unbekannt war, und fertigt zur Zeit Porträts von ihm und seinen Freunden. Das Ergebnis wird Mitte Januar im Papiermuseum gezeigt. Die offizielle Eröffnung der Ausstellung ist am Sonntag, dem 18. Januar, 12 Uhr.

Begleitend zu der Ausstellung wird es eine Lesung geben mit Fiston Nasser Mwanza, der Lyrik schreibt und Kurzgeschichten sowie Theaterstücke. „Mich in völliger Freiheit auf meine Arbeit konzentrieren zu können, ist der Hauptgrund für mich, in Langenbroich zu sein”, sagt er. „In meinem Land gibt es sowohl eine Zensur gegen kritische Texte als auch Repressalien gegen die Personen, die sie verfasst haben.”

Fiston Nasser Mwanza nimmt kritische Themen in den Blick: Er berichtet von Kinderarbeit in radioaktiven Minen, wo er selber als Kind gearbeitet hat, von Verge-waltigung von Frauen und von Kindersoldaten. Für ihn, der das erste Mal in Deutschland ist, ist es eine wichtige Erfahrung, in einem Land mit ganz anderer Sprache zu sein. Zur Zeit arbeitet er an einer Gedichtsammlung, die demnächst in Spanien veröffentlicht wird und an einem Roman, von dem er hofft, ihn im Heinrich-Böll-Haus fertig stellen zu können. Eine erste Kostprobe aus seinen schriftstellerischen Werk las er vor Schülerinnen und Schülern des Burgau-Gymnasiums, die seine Texte aus dem Französischen selber übersetzten.

Zhou Qing ist ein kritischer Schriftsteller und Journalist aus Peking. Zwei Jahre lang hat er Nahrungsmittelfabrikanten, Restaurantbetreiber, Fischzüchter, Bauern, Händler, Ärzte und Konsumenten interviewt und das Ergebnis in einem Buch festgehalten. Darin liest man über Antibabypillen in der Fischzucht, DDT zur Haltbarmachung von Pickles, Hormone als Nahrungsmittelzusätze, chemisch angereichertes Salz, zu Speiseöl umgearbeitete Industrieöl.

Paul Larue berichtete Zhou Qing von der Partnerschaft der Stadt Düren mit Jinhua, wobei auch kritische Themen erörtert werden sollen. „Nur offene Diskussion bringt uns weiter.” Er stellte dem Schriftsteller ein Gespräch mit Vertretern der Partner-schaft in Aussicht.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert