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Düren meldet bei Kreditgeschäften „Gewinne und Verluste”

Von: Ingo Latotzki
Letzte Aktualisierung:
Geld
Wenn Städte und Gemeinden versuchen, ihr Kapital zu vermehren, kann das schief gehen, muss aber nicht. Bei einer speziellen Art von Kreditgeschäften meldet Düren „Gewinne und Verluste”.

Düren. Haben Sie ihr Häuschen im Grünen bar bezahlt? Ja? Sie Glücklicher! Nein? Dann sind Sie sicher auch darauf erpicht, einen guten Zins zu erhalten, möglichst auf Jahre hinaus. Und wie werden Sie sich ärgern, wenn sie in einer Hochzinsphase einen über Jahre laufenden Kreditvertrag mit abschließen und genau in dieser Zeit der Zins sinkt und sinkt und sinkt.

Darüber ärgern sich auch Kommunen.

Deshalb versuchen findige Kämmerer (das sind quasi die Finanzminister), für ihre Stadt oder Gemeinde möglichst viel herauszuholen. Mal gelingt das, mal gelingt das nicht. Der Bund der Steuerzahler, BdSt, hat unter den 396 Kommunen in NRW jüngst nachgefragt, inwieweit sie so genannte Swap-Geschäfte getätigt haben.

160 haben das getan, darunter die Stadt Düren. Bei einem Swap wird - simpel ausgedrückt - ein bestehener Kredit gegen einen anderen getauscht. Das kann gut gehen - oder auch nicht. Die Stadt Düren hat dem Steuerzahlerbund geantwortet, bei ihrem Swap-Geschäft „Verlust und Gewinn” gemacht zu haben.

In Zahlen: 133.000 Euro Gewinn stehen 459.000 Euro Verlust gegenüber, bis jetzt.

Andere Städte, etwa Bocholt, Remscheid und Hagen haben Miese eingefahren, zwischen 400.000 und 27 Millionen Euro, schreibt der Bund der Steuerzahler.

Es gibt verschiedene Arten von Swap-Geschäften, hoch spekulative und weniger risikoreiche. Die Stadt Düren hat folgendes gemacht, um weniger Zinsen zu zahlen: 2001 nimmt sie einen Kredit über 4,8 Millionen Euro auf, zum damals marktüblichen Zins von 7,6 Prozent.

Ab 2004 sollte diese feste Zins auf einen variablen Zins umgestellt werden. So weit, so gut. Nun kommt das Swap-Geschäft, eine dritte Bank betritt das Spielfeld. Die bietet der Stadt bei gleicher Laufzeit (bis 2015) einen Zins, der konstant bei 6,6 Prozent liegt.

Das Rathaus greift zu.

Bis 2004 zahlt sie also ein Prozent weniger Zinsen (statt 7,6 bei der ersten Bank nur 6,6 bei der zweiten Bank) - das ist der Gewinn von 133.000 Euro. Ab 2004 zahlt Düren dann weiter 6,6 . Mittlerweile ist der Zins aber gefallen. Zur Erinnerung: Wäre die Stadt bei der ersten Bank geblieben, hätte sie davon profitert - nun zahlt sie drauf; bis jetzt 459.000 Euro.

„Wir sind heute in einer bemerkenswert langen Niedrigzinsphase”, sagt Dürener Kämmerer Harald Sievers. 2001 sah das anders aus. Sei Vorgänger Johannes Geismann hatte andere Voraussetzungen. Damals waren die abgeschlosenen 6,6 Prozent günstig, heute zahlt eine Kommune teils unter drei Prozent. In der Dürener Politik ist nun ein Streit darüber entbrannt, ob die Entscheidungen von damals richtig waren.

Fest steht: Dieses Geschäft ist vom Rat der Stadt Düren von allen Parteien (bis auf die PDS) gebilligt worden. Harald Sievers bezeichnet den Dürener Swap-Deal nicht als sehr risikobehaftet. Überhaupt spekuliere die Stadt weder an der Börse noch über Fonds. Ab und an würde kurzfristig Festgeld angelegt. Viel sei es nicht, bekanntlich ist die Stadt mehr als klamm.
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