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Droht in Düren ein ruinöser Preiskampf?

Von: Burkhard Giesen
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Mit äußerst niedrigen Preisen wirbt die Fitnessstudio-Kette „FitX“ schon jetzt für eine neue Filiale, die Anfang des Jahres im Dürener Gewerbegebiet öffnen soll. Die Konkurrenz spricht von Dumpingpreisen. Foto: B. Giesen

Düren. Mit dem Slogan „Demnächst hier in Düren“ wirbt die Fitnessstudio-Kette „FitX“ aus Essen seit Wochen im Dürener Gewerbegebiet Im großen Tal, genau da, wo früher der Praktiker-Baumarkt war. Und wer so hoch gucken möchte sieht dann auch sofort das, was wichtig ist: den Preis, zur strahlenden Sonne stilisiert.

Dass es für die seit der Insolvenz der Baumarktkette Praktiker leer stehende Immobilie nun eine Nutzungslösung geben soll, könnte die Verantwortlichen in der Stadt erfreuen. Ist doch schon die Ansiedlung einer Diskothek in diesem Gebäude abseits der Wohnbebauung gescheitert – aus Gründen des Lärmschutzes, weil es im Gewerbegebiet unter anderem zwei Betriebswohnungen gibt.

Die Freude über die Beseitigung des Leerstandes hält sich allerdings in Grenzen. An mehreren Stellen. Zum Beispiel bei der Konkurrenz, die in Briefen an Bürgermeister und Fraktionen den Mitbewerber massiv angreifen. „FitX betreibt in Deutschland einen aggressiven Verdrängungswettbewerb“, hat Marco Spieß, der in Düren zwei Fitnessstudios betreibt, an die Stadt geschrieben. Mit Dumpingpreisen würde die Konkurrenz gezielt in die Insolvenz gezwungen. Spieß: „Bei dem umfangreichen Angebot, das wir vorhalten, sind Preise von 40 bis 50 Euro im Monat realistisch. Ein Preis von 15 Euro, wie ihn diese Kette anbietet, ist jenseits von Gut und Böse.“

Das sieht auch Dirk Dreckstraeter so, der in Jülich ein Fitnessstudio betreibt. Er befürchtet, dass inhabergeführte Anlagen „die Preisschlacht nicht überleben werden und in absehbarer Zeit ihre Existenz verlieren“. Diese Sorgen treiben auch Willi Bornschein aus Kreuzau um, der sein Studio selbst erst im Juni eröffnet hat. Bornschein: „Konkurrenz belebt das Geschäft, aber alle sollten sich an existierende Regeln halten“, mahnt er und verweist darauf, dass die Essener Fitnessstudio-Kette bei 2500 Quadratmetern Fläche rund 8000 Mitglieder werben will. Bornschein: „Alle derzeitigen Fitnessstudios in Düren zusammen erreichen diese Mitgliederzahl nicht.“

Unterstützung erhalten die Studiobetreiber auch von Udo Biege, Geschäftsführer des Sportvereins ASV: „Ein gesunder Wettbewerb, ein vielseitiges Angebot für die Verbraucher und zahlreiche Arbeits- und Ausbildungsplätze werden entfallen“, mutmaßt er. Direkte Auswirkungen auf Vereine werden allerdings nicht befürchtet, wie Peter Borsdorff, Vorsitzender des Stadtsportverbandes betont: „Zwar haben auch die größeren Vereine eigene Studios, insofern waren schon die normalen Fitnessstudios eine große Konkurrenz. Ich glaube aber nicht, dass ein großer Anbieter die Sportvereine noch einmal zusätzlich trifft.“

Das sieht Marco Spieß anders. Er geht davon aus, dass auch die Vereine und Tanzschulen mit den Folgen zu kämpfen haben werden. Spieß wirft noch ein anderes Argument in die Waagschale: „Ein solches Dumpingpreis-Studio wäre für die Innenstadt mindestens genauso schädlich wie der Sportartikel-Discounter Decathlon, der sich auch in Düren ansiedeln wollte.“ Das wurde von der Politik verhindert. Und darauf hofft auch Spieß. Aber: Die Einflussmöglichkeiten von Verwaltung und Politik sind in diesem speziellen Fall begrenzt.

„Wir können das leider nicht verhindern“, erklärt Baudezernent Paul Zündorf. Weil für das Gewerbegebiet ein genehmigter Bebauungsplan vorliegt, in dem diese Nutzung nicht ausgeschlossen ist, „haben die Antragsteller einen Anspruch darauf, eine Genehmigung zu erhalten“, betont Zündorf, der die damit verbundene Problematik freilich sieht: „Natürlich ergibt sich ein Marktproblem. Aber ein Konkurrenzschutz ist im Planungs- und Baurecht nicht vorgesehen. Natürlich muss auch aus unserer Sicht ein ruinöser Wettbewerb eingeschränkt werden, aber wir befinden uns hier planungsrechtlich auf einem schmalen Grat.“ Nach Angaben von Daniel Ewald, Vertreter der Geschäftsleitung von FitX, liegt dem Unternehmen die Baugenehmigung bereits vor. FitX wartet jetzt noch auf Bauleistungen des Vermieters. Ewald rechnet damit, dass die neue Filiale Anfang 2015 eröffnet werden kann. Die Kritik der Konkurrenz kann er nicht nachvollziehen: „Es gibt erfolgreiche Einzelbetriebe, die gegen uns bestehen. Wir konzentrieren uns ausschließlich auf unser Angebot und bewegen uns unabhängig vom Wettbewerb. Wir haben keinerlei Verdrängungsstrategie“, versichert Ewald.

19 Filialen hat das 2009 gegründete Unternehmen bereits eröffnet, zuletzt in Berlin. „Wir wollen weiter expandieren und sind sicherlich führend, was das Preis-/Leistungsverhältnis angeht. Der Zulauf, den wir erfahren, bestätigt uns dabei“, betont Ewald.

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