Düren - Drei Patienten der Forensik erreichen die Mittlere Reife

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Drei Patienten der Forensik erreichen die Mittlere Reife

Von: isa
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Haben Grund zu Freude: Drei Pa
Haben Grund zu Freude: Drei Patienten der Forensik erhalten das Zeugnis der Mittleren Foto: Isabelle Hennes

Düren. Dass jeder Mensch im Leben eine zweite Chance verdient hat, lässt sich leicht sagen. Wie aber steht es um die Akzeptanz in der Bevölkerung, wenn man Tür an Tür mit psychisch kranken, ehemaligen Straftätern wohnt?

In der forensischen Psychatrie der Klinik des Landschaftsverbandes Rheinland in Düren haben drei Patienten einen entscheidenden Schritt in Richtung zweite Chance gemacht: Sie erwarben die Mittlere Reife. Möglich wurde der Erfolg der Patienten durch die Kooperation zwischen zwei Lehrern der Klinik und zwei Dozenten der Volkshochschule Düren. „Volkshochschulen haben in Nordrhein-Westfalen das Recht, Schulabschlüsse anzubieten. Das ist in anderen Bundesländern nicht so”, erklärt Stefan Kesting, Fachbereichsleiter Schulabschlüsse der Volkshochschule Düren.

„Wir sind sehr stolz auf unsere Patienten, dass sie das so durchgehalten haben. Durchhalten ist das, was außerhalb der Forensik von ihnen verlangt wird”, freute sich Dr. Ulrike Beginn-Göbel, ärztliche Direktorin der Klinik, bei der Zeugnisübergabe. Wichtig sei neben dem erreichten Ziel auch der therapeutische Effekt einer solchen Leistung. „Die Patienten wissen jetzt, wie es ist, wenn man früh aufstehen muss, obwohl man eigentlich gar keine Lust hat”, sagt Willi Kappen, Lehrer an der Klinik. Natürlich habe es zwischen Schülern und Lehrern auch die ein oder andere Nerverei gegeben, wie das in einem Schulunterricht eben so ist.

Eine Herausforderung

Für die Lehrer der Volkshochschule war der Unterricht im forensischen Dorf eine Herausforderung. Sie mussten mit Fingerspitzengefühl an die Sache herangehen, denn schließlich waren ihre Schüler gesundheitlich beeinträchtigt. „Die Lehrer haben wahrgenommen, wie es den Teilnehmern geht und mussten dementsprechend sensibel mit ihnen umgehen”, sagt Kesting.

Aber die Arbeit mit den Patienten habe ihnen durchaus Spaß bereitet. „Im Gegensatz zu den Schülern der Volkshochschule waren die Patienten motivierter und konzentrierter”, berichtet Kesting. Der Unterricht hat direkt auf dem Gelände des forensischen Dorfes stattgefunden. Der Schulplan bestand aus Mathe, Deutsch, Englisch, Biologie, Erdkunde und Geschichte. Englisch wurde vier Mal pro Woche gegeben, Mathe und Deutsch drei Mal und die restlichen Fächer zwei Mal. „Pro Halbjahr haben wir, wie das auch in den Lehrplänen an Schulen vorgeschrieben ist, zwei Klassenarbeiten geschrieben”, erläutert Irmgard Nolten, Lehrerin der Forensik.

Bezirksregierung Köln

Für die Abschlussprüfung mussten zwei Vorschläge bei der Bezirksregierung in Köln eingereicht werden, wovon einer ausgewählt wurde und den Patienten am Tag der Prüfung vorgelegt wurde. Die Patienten wurden in vier Fächern geprüft, darunter zwei Hauptfächer. Die Noten in den anderen Fächern ergab der Durchschnitt aus mündlicher und schriftlicher Note. Zwei der Absolventen haben in den nächsten Jahren gute Chancen, entlassen zu werden und können sich dann mit ihrem Zeugnis auf eine Lehrstelle bewerben. Voraussetzung ist, dass ihnen jemand eine zweite Chance gibt.
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