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Dorf-Wettbewerb: Vossenack ist Gold gewöhnt

Von: Margret Vallot
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Plaketten und Auszeichnungen gab es für die Vossenacker schon 1977. Reinhard Palm und Bruno Linzenich (v.l.) zeigen sie gern und sind noch heute stolz auf das Erreichte. Foto: Margret Vallot

Vossenack. Als sich die Eifelgemeinde Vossenack in den 60er und 70er Jahren herausputzte, spielten Blumen eine große Rolle: Blumen in Kübeln, die an die Straße gestellt wurden und Blumen in Blumenkästen, die an den Gebäuden befestigt wurden. Damals waren Blumen so begehrt, dass ein Blumenladen in Vossenack eröffnete.

Das Geschäft gibt es heute noch. Doch beim Wettbewerb um das attraktivste Dorf weit und breit spielen Blumen heutzutage nicht mehr eine so große Rolle.

Vor wenigen Wochen ist Vossenack als eines der schönsten und zukunftsfähigsten Dörfer Nordrhein-Westfalens ausgezeichnet worden. Unmittelbar nach den Herbstferien beginnen dort die Vorbereitungen für die nächste Runde im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft”. Bis zum 31. Dezember muss die schriftliche Bewerbung in Berlin vorliegen.

Das könnte eine gute Gelegenheit sein, auf das Jahr 1977 zurückzublicken, als Vossenack bereits einmal Golddorf wurde. Reinhard Palm (53) und Bruno Linzenich (69) erinnern sich noch gut und haben Berichte aus alten Tageszeitungen und eine Broschüre von damals rausgesucht.

Ökologisch dachte man vor 35 Jahren noch kein bisschen, trotzdem: „Es war mehr als ein Blumenwettbewerb.” Reinhard Palm, Sohn des damaligen Ortsvorstehers Baptist Palm, ist sich ganz sicher. Als 18-Jähriger hat er die Bewerbung sehr bewusst erlebt. Nach dem Krieg habe sich das Dorf erneuert, eine neue Volksschule wurde gebaut, ein Altenheim, die Kirche wiedererrichtet, „und das wollte man jetzt mal zeigen, was man alles geschafft hat”. Man wollte „sich mal selbst auf die Schulter klopfen”.

Alle hätten damals mit angepackt. Es habe einen Aufruf gegeben und „wir fühlten uns direkt angesprochen”, erzählt Linzenich. Wanderwege wurden ausgezeichnet, über 100 Bänke aufgestellt, Plätze verschönert, ein Schulwald und ein großer Spielplatz mit selbst gebautem Spielzeug aus Holz aus dem Wald angelegt. Man wollte die Kriegsspuren nicht mehr sehen. Sich an das Vergangene zu erinnern, das sei erst in den 80er Jahren so langsam ein Wunsch geworden, berichten beide Zeitzeugen übereinstimmend. Das Museum gab es 1977 in Vossenack noch nicht. Nur eine private Sammlung in einer Scheune in Kleinhau.

Nach der Auszeichnung gab es jedenfalls „eine richtige Euphorie im Dorf”. Nach Vossenack zogen damals viele Fremde, die in der Natur wohnen und in den Städten arbeiten wollten. Baptist Palm hat die Stadtflucht in einer Rede einmal eindrucksvoll geschildert, und er hat analysiert, was die Menschen aus den Städten trieb. Heute beobachtet man eine umgekehrte Entwicklung.

Die Neubürger wurden damals über die Vereine ins Dorfleben integriert. Das muss hervorragend geklappt haben. Noch heute profitiert die Dorfgemeinschaft von den Integrationsleistungen der Altvorderen. Golddorf wollte man auch werden, so Palm und Linzenich, um immer mehr Menschen anzulocken. Wie man sieht: Es hat geklappt. 1977 hatte Vossenack 1750 Einwohner, heute sind es 2400.

Vieles sei damals spontan angepackt und verändert worden. Demgegenüber gehe es im aktuellen Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft” eher um langfristige Konzepte und Nachhaltigkeit.

Vossenack ist heute ein Ort mit einer beispielhaften Infrastruktur mit Seniorenheim, Gymnasium, Grundschule, Kindergarten, Freibad und anderen Einrichtungen. Insofern wurde schon vor 40 Jahren an die Zukunft gedacht.

Politiker überlegen heutzutage noch intensiver: Was muss ich heute machen, damit das Dorf in 10 oder 20 Jahren lebenswert ist? Solche Gedanken stießen damals nicht immer auf Gegenliebe: Als Baptist Palm Ende der 70er Jahre die Idee eines „Nationalpark Hürtgenwald” thematisierte, wurde er dafür beschimpft. 35 Jahre später ist seine Vision Wirklichkeit geworden.
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