Doppelter Abi-Jahrgang: Der Druck nimmt ständig zu

Von: Sandra Kinkel
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Sehen G 8 äußerst skeptisch: Frederic Salentin, Nils Bachmann, Edgar Rommel und Jana Wittig (von links) vom Gymnsaium am Wirteltor. Foto: Sandra Kinkel

Düren. „Ich mache mir schon Druck”, sagt Jana Wittig (16). „Die Leute, die nach acht Jahren Abitur machen, sind auf dem gleichen Stand wie wir, haben aber vielleicht bewiesen, dass sie disziplinierter sind als wir. Weil sie eben den ganzen Stoff in nur acht Jahren gelernt haben. Und vielleicht bekommen die eher einen Studienplatz.”

Jana besucht die elfte Klasse des Gymnasiums am Wirteltor (GaW) und gehört zum so genannten „doppelten Abitur-Jahrgang”. Will heißen: Jana „baut” 2013 nach neun Gymnasial-Jahren ihr Abi, genau wie die ersten Pennäler, die ihre Reifeprüfung nach nur acht Jahren ablegen.

Damit machen am GaW in zwei Jahren mehr als 300 Schüler Abitur. Die alle danach ins Studium oder in eine Ausbildung drängen. „Das macht mir Sorge”, sagt Jana, die Medizin studieren möchte.

Eine Sorge, die Nils Bachmann und Frederic Salentin teilen. Die beiden Zehntklässler gehören zum ersten Jahrgang, der nach acht Jahren Abitur macht. Leider, wie die Jugendlichen sagen. „Wir sind im Schnitt”, sagt Nils, „jeden Tag bis 15.30 Uhr in der Schule. Alle 14 Tage haben wir sogar einmal bis 18 Uhr Unterricht.” Frederic Salentin ergänzt: „Würden wir alle Hausaufgaben so gewissenhaft machen, wie die Lehrer wollen, hätten wir für nichts anderes Zeit.”

Dabei sehen die beiden Jungs schon die Notwendigkeit, Hausaufgaben zu machen. „Sicher muss das sein”, sagt Nils. „Und für Klausuren und Arbeiten müssen wir ja sowieso noch lernen. Aber es ist schon viel.” Jana Wittig nennt noch einen anderen Nachteil von G 8: „Ich war in diesem Schuljahr drei Monate in Neuseeland und konnte meinen Stoff problemlos nacharbeiten. Bei G 8 geht das meiner Meinung nach nicht mehr. Da muss man wohl das Schuljahr wiederholen.” Grundsätzlich sind sich die Schüler einig, dass G 8 keine gute Lösung ist. „Das Jahr bringt nicht viel”, meint Jona Coco (17). „Und ich bin froh, neun Jahre Zeit zu haben. Ich wollte nicht jeden Tag bis halb vier in der Schule sein.”

Auch Schulleiter Wilhelm Gödde sieht die höhere Belastung seiner Schüler. „Das greift in das Freizeitverhalten der Schüler ein.” NRW-Schulminister Sylvia Löhrmann hat aber jetzt Entlastungen versprochen. So sollen unter anderem Hausaufgaben zu Schulaufgaben werden.

„Das”, so Wilhelm Gödde, „geht aber nicht ohne eine stoffliche Entlastung.” Der Schulleiter gibt darüber hinaus zu bedenken, dass die Abiturienten ein schnelleres Abitur, aber auch ein beschleunigtes Studium zu absolvieren hätten. „Es wird für die jungen Leute schon schwieriger.”

In Düren haben sich übrigens jüngst alle fünf Gymnasien gegen eine Rückkehr zu neun Jahren Gymnasium entschieden. Grund: Es wäre nicht das „alte G9” gewesen, das einfach wieder eingeführt werden kann. Das Schulsystem muss ja kompatibel bleiben.

Beispielsweise wird seit der Einführung von G8 auch an Realschulen bereits im sechsten Schuljahr mit der zweiten Fremdsprache begonnen, für den Fall, dass Schüler die Schulform wechseln. Gleiches würde auch für das neue G9 am Gymnasium gelten. Einen entsprechenden Antrag, um wieder G9-Gymnasium zu werden, hätten die Schulen beziehungsweise der Stadtrat außerdem bis zum 23. Dezember 2010 stellen müssen.

Und um einen solchen Antrag vernünftig vorzubereiten, so die einhellige Meinung an den Gymnasien, sei einfach viel mehr Zeit von Nöten gewesen.

Wie wird sich Düren als Schulstadt entwickeln? Wird eine weitere Schulen geschlossen werden? Wie sind die Schulen ausgestattet, wie Schüler und Lehrer belastet?

Diese und andere Fragen rund ums Thema Schule werden beim zweiten DN-Talk am Dienstag, 18. Januar, ab 19 Uhr in der Aula des Burgau-Gymnasiums besprochen.

Podiumsteilnehmer sind unter anderem Bürgermeister Paul Larue, GaW-Schülersprecher Marc Buchna und der Leiter des Burgau-Gymnasiums, Andreas Grüderich. Moderiert wird die Veranstaltung von den DN-Journalisten Sandra Kinkel und Ingo Latotzki.

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