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„DN”-Talk am Rursee: Die Eifeler zeigen jede Menge Kampfgeist

Von: Margret Vallot
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Vertraten ihre Positionen mit
Vertraten ihre Positionen mit Engagement und Leidenschaft: Bürgermeister Bert Züll, Trianel-Projektleiter Dr. Christoph Schöpfer, Oliver Krischer (MdB) und Gotthard Kirch vom Verein Rureifeltourismus (v.r.). Es moderierten: Sandra Kinkel (r.) und „DN”-Redaktionsleiter Ingo Latotzki (l.).

Heimbach. Die Nerven liegen blank, die Emotionen schlagen hoch, das Thema Pumpspeicherkraftwerk regt die Menschen auf. Beim DN-Leserforum im Hotel „Der Seehof” konnte man jedenfalls nur staunen, wie engagiert die Eifeler für den Erhalt von Umwelt und Natur kämpfen. Über 100 Bürgerinnen und Bürger hatten sich eingefunden, um über das von Trianel geplante Wasserspeicherkraftwerk zu diskutierten.

Um es vorweg zu nehmen: Tosenden Applaus für seine Redebeiträge erhielt allein Heimbachs Bürgermeister Bert Züll, der ein erklärter Gegner des Projektes ist. Buh-Rufe gab es für Oliver Krischer, den grünen Bundestagsabgeordneten.

Krischer wurde als Heimbacher, als allen bekannter, grüner Umweltschützer, als Politiker und schließlich sogar noch als Sohn des grünen Ratsherrn Arno Krischer - manchmal freundlich, manchmal polemisch - angesprochen. Allein, er blieb bei seiner Einschätzung, dass nämlich das Kraftwerk „alternativlos” sei. Auf dem Podium mit Züll, Trianel-Projektleiter Dr. Christoph Schöpfer und Gotthard Kirch von Verein „Rureifeltourismus” erklärte der Grüne seine Position. Er wisse, dass es „einen schweren Landschaftseingriff” geben werde, besonders im Schilsbachtal, über den er auch alles andere als glücklich sei. Aber die Zerstörung sei nur „temporär”. „Davon wird man in ein paar Jahren nichts mehr sehen”, ist Krischer überzeugt.

Schöpfer sieht den Rursee als Teil des Kraftwerks. Der See wäre ja tatsächlich das Unterbecken der gesamten Anlage. Aus dem See wird Wasser in ein Oberbecken gepumpt, das bei Bedarf über Turbinen wieder in den See zurückgelangt. Der Rursee werde zum „Industriesee”, befürchtete ein Bürger und brachte zum Ausdruck, was viele glauben und was vielen Angst macht.

„Existenzängste” hat Kirch bei nicht wenigen der 200 Rureifeltourismus-Mitgliedern festgestellt. „Diese Ängste müssen berücksichtigt werden”, so sein Appell an den Investor. Kirch wusste auch, dass das Image der Eifel und der Eifeler dank stetiger Arbeit in den letzten 15 Jahren ständig besser geworden ist. Dieser Imagegewinn stehe auf dem Spiel, wenn der Rursee zur Großbaustelle werde. „Wir werden Geld in die Hand nehmen”, versprach daraufhin Schöpfer. Und: Die Tourismusbranche werde am Ende besser dastehen als zuvor.

„Warum”, so fragte ein Bürger „planen Sie das Kraftwerk ausgerechnet in eine touristisch so hochsensible Landschaft?” Weil die Rurtalsperre und ihre Umgebung eben besonders gut geeignet seien, so Schöpfer. Auffallend: Es waren nicht nur Heimbacher bei der von „Nachrichten”-Redaktionsleiter Ingo Latotzki und „DN”-Mitarbeiterin Sandra Kinkel moderierten Veranstaltung dabei, sondern auch besorgte Bürger aus Schmidt, Woffelsbach, Rurberg und Nideggen. Auch in diesen Orten regt sich langsam Widerstand.

„Was passiert denn, wenn das Wasser im See trotz aller Bemühungen nicht klar bleibt, wenn es doch starke Strömungen gibt und Sedimente aufgewirbelt werden? Werden Sie dann das für eine Milliarde errichtete Kraftwerk wieder zurückbauen?”, so fragte jemand leicht polemisch. Um gleich selbst die Antwort zu geben. Nein, dann werde natürlich nicht zurückgebaut.

Als Möglichkeit vorgetragen wurde nach über zwei Stunden Diskussion auch, ein Bürgerbegehren in die Wege zu leiten. Züll beteuerte wieder, Rat und Verwaltung von Heimbach würden „alles daransetzen, das Projekt zu verhindern, zur Not auch juristisch”.

Bei der Diskussion wurde offensichtlich, dass einige Bürger sich mit der Technik intensiv auseinandergesetzt haben und sich gut auskennen. Mehrere Redner bezweifelten, das Wasserspeicherkraftwerke die beste Technologie für die nächsten 20, 30 oder noch mehr Jahre sein werden. Längst werde an effektiveren Möglichkeiten gearbeitet, Energie zu speichern und Energie zu regeln.

Bürgerinitiative „Rettet den Rursee” gegründet

Bürgerinnen und Bürger von Heimbach haben Anfang der Woche eine Bürgerinitiative (BI) gegründet, die sich gegen das vom Energieversorger Trianel geplante Wasserspeicherkraftwerk wendet. Ihr Name: „Rettet den Rursee”. Die Gründung wird vom Rat der Stadt begrüßt.

Zum „DN”-Talk hatte die Bürgerinitiative am Dienstag als erste Aktion nach ihrer Gründung Papierschiffe verteilt, auf denen stand „Stoppt Trianel”. Es wurden auch Buttons verteilt, auf denen „Rettet den Rursee” stand. Die BI wird in Kürze einen Sprecher wählen und sich eine Struktur geben.

Unter http://www.rettetdenrursee.de ist die Bürgerinitiative im Internet zu finden. Die Internetseite soll in den nächsten Tagen noch ausgebaut werden.

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