Merzenich/Santo Domingo - Die Zeit arbeitet gegen die Dürener Erdbebenretter

Die Zeit arbeitet gegen die Dürener Erdbebenretter

Von: Andreas Bongartz
Letzte Aktualisierung:
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Haben am Donnerstag noch rasch ihren Einsatz koordiniert und Equipment eingeladen (v.l.): Frank Schultes und Rainer Stenzel. Foto: Bongartz

Merzenich/Santo Domingo. Die Zeit drängt: 100 bis 120 Stunden - so viel Zeit, schätzt Frank Schultes, bleiben noch, um im Erdbebengebiet in Haiti Überlebende unter den Trümmern zu finden. Der Merzenicher Gründer des deutschen Urban Search and Rescue (USAR) Teams der Deutschen Erdbebenrettung bricht am Freitag in den frühen Morgenstunden von Düren aus auf.

Das Ziel von Schultes und seinem Team: Santo Domingo in der Dominikanischen Republik, um 11.10 geht der Flieger von Düsseldorf aus.

Wenn Schultes dann mit seinem zwölfköpfigen Team mit Spezialisten aus ganz Europa an Bord sitzt, liegen schlaflose Tage hinter ihm. In den vergangenen beiden Tagen hat der Merzenicher alles in Bewegung gesetzt, um einen Weg in das Katastrophengebiet zu finden. Tag und Nacht hat er Telefonate geführt, um Sponsoren aufzutreiben. Schließlich finanziert sich seine private Hilfsorganisation ausschließlich über Spenden.

Auf offene Ohren stieß Schultes bei Air Berlin. „Die wissen, wer wir sind und finden das, was wir machen gut.” Das Unternehmen sponsert den Flug, für mehr als 30.000 Euro, wie Frank Schultes sagt. Mit an Bord nimmt das USAR-Team etwa eine Tonne Equipment, Medikamente, Wärmesuchkameras, Bergungsequipment, außerdem noch zwei Suchhunde. Die Gesamtkosten für den Einsatz des USAR-Teams schätzt Schultes auf 50 bis 60000 Euro.

Durchaus ein Problem, wenn man abhängig von Spenden ist: „Hätten wir schneller Sponsoren gefunden, hätten wir jetzt schon vor Ort sein können”, meint der Dürener Rainer Stenzel, der bei dem Einsatz ebenfalls mit vor Ort ist.

Um zu retten, was noch zu retten ist, geht es im Katastrophengebiet um jede Stunde. Frank Schultes erinnert sich an einen Einsatz seines Teams: „Beim Erdbeben in Pakistan 2005 haben wir die letzten Überlebenden nach 126 Stunden gefunden.” Auch das gehört zum Einsatz der Retter: Die Toten zu bergen. Schultes und sein Team, zu dem neben Stenzel auch der Vettweißer Feuerwehrmann Alfons Pönsgen gehört, bleiben voraussichtlich neun Tage vor Ort. Nach fünf Tagen schwinden die Chancen, Überlebende zu finden.

Aus ganz Deutschland hat Schultes am Donnerstag sein Team zusammengetrommelt: Feuerwehrmänner, Notärzte - alles Spezialisten. „Wir sind keine Einzelgänger, die Katastrophentourismus betreiben”, sagt Frank Schultes. „Wir sind ausgebildet, um Menschen unter Trümmern zu finden und zu retten.” Die Zeit arbeitet dabei gegen sie.
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